Hard Knocks mit den Raiders…

… oder auch mit Jon Gruden. Denn der war der absolute Hauptdarsteller, aber dazu später mehr.

Hard Knocks ist endgültig zurück und läutete einmal mehr das Ende der Offseason und somit die Rückkehr des NFL-Footballs ein. Die Serie des amerikanischen Senders HBO ist mittlerweile nicht mehr der Gold-Standard, was NFL-Teamdokus angeht (das ist Amazons „All Or Nothing“), aber trotzdem noch Pflichtprogramm für jeden ernstzunehmenden NFL-Fan. Zumindest war es das bisher.

Dieses Mal wurden – auch auf meinen Wunsch (der aber keinen interessierte) – die Oakland Raiders begleitet, die in den bislang 13 Staffeln noch nie Hauptdarsteller der Serie waren.

Ein kurzes Wort der Warnung: Der Text wird Spoiler enthalten *g* !

1. Die Voraussetzungen

Um die Serie zu sehen, gibt es mehrere Möglichkeiten:

1.1 Der Gamepass

Auch wenn es diesmal wieder etwas länger gedauert hat, so ist Folge 1 trotzdem nur wenige Tage nach dem US-Start verfügbar gewesen. Die mit Abstand schnellste Möglichkeit, in den Genuss zu kommen und für einen Hardcore-NFL Fan gibt es sowieso nichts Besseres – und wenn es nur als Ergänzung zu #ranNFL ist.

Gruden

1.2 ProSieben Maxx

Wer sich lange gedulden und dann zu nachtschlafender Zeit die Serie sehen will, kann auf Pro7 Maxx hoffen: In den letzten Jahren wurde da zu Saisonbeginn jeweils eine Folge nach den späten Spielen gezeigt. Also so gegen 02:00 Uhr.

Allerdings ist da die Saison schon wieder in vollem Gange und dann ist mir das persönlich viel, viel zu spät.

1.3 Internet

Bevor ich glücklicher GamePass Besitzer wurde (so um 2010/2011), habe ich oft Stunden damit verbracht, eine Streammöglichkeit in diversen Foren zu finden. Das klappte auch meistens, war aber mit viel Zeitaufwand und grauen Haaren verbunden. Auch ein VPN-Tunnel und ein amerikanischer HBO-Account könnten helfen. Aber ich will niemand auf dumme Gedanken bringen. Zudem gibts immer mal bei Youtube die Möglichkeit (da hatte ich 2019 die erste Folge gesehen).

2. Das Team / die Storylines

Die Oakland Raiders wollten bekanntermaßen nicht, aber es blieb ihnen letztendlich keine Wahl (es gibt da einige Ausschlusskriterien wie z.B. ein neuer Head Coach oder eine Playoffteilnahme, aber theoretisch bleiben immer um die fünf Teams übrig, aus denen eines bestimmt werden kann, wenn sich kein freiwilliges findet).

Ich war begeistert, denn es gab massig Storylines für die Staffel:

– Antonio Brown, der seinen Abschied aus Pittsburgh mit fragwürdigen Methoden erzwungen hatte und objektiv gesehen mental angeschlagen ist

Head Coach Jon Gruden und GM Mike Mayock, die beide Medienerfahrung ohne Ende haben

– Vontaze Burfict, Neuzugang aus Cincinnati, und objektiv gesehen mental angeschlagen

– Richie Incognito, Neuzugang aus dem Rentenstand, und objektiv gesehen mental angeschlagen

– Rookie Running Back Josh Jacobs – der am höchsten gezogene Running Back im Draft 2019

– der Umzug nach Las Vegas 2020

– und und und

3. Der Hard Knocks Trailer

4. Die Folgen

Das ist jetzt der Teil mit den Spoilern!

 

 

 

 

 

Das Intro hatte mich schon mal begeistert. Das „The Autumn Wind Is A Pirate“ ist einfach ein Klassiker, dazu die bekannte Intromelodie von Hard Knocks (mein Klingelton übrigens) – das passte.

In Folge 1 erfuhren wir viel von Jon Gruden, ein bißchen was über die frostgeschädigten Füße von Antonio Brown und dass Rookie Safety Johnathan Abrams auch eher… anstrengend ist. So weit, so durchschnittlich – wirklich viel gegeben hatte mir die Folge nicht.

Ab Folge 2 hätte man das Ganze allerdings umbenennen müssen: Hard Knocks mit Jon Gruden. Denn „die Raiders“ waren gefühlt nur schmückendes Beiwerk.

Stattdessen Gruden hier, Gruden da. Manchmal unterhaltsam („ich sollte das Fluchen aufhören“), manchmal eher unsympathisch (das hätte ich vorher nicht für möglich gehalten).

Die Antonio „ich mag meinen alten Helm behalten“ Brown-Saga wurde immer mal gestreift, aber spätestens da nahm die Serie für mich die komplett falsche Abfahrt.

Einige wenige nette Momente (Imitator Caliendo als Jon Gruden, die Story um den ehemals drogenabhängigen TE Darren Waller, die Mutter von LB Cabinda), aber ansonsten irgendwie nur Jon Gruden.

Das lief sich für mich schnell tot und irgendwann konnte ich das „knock on wood if you’re with me“ nicht mehr hören (spätestens als man es in eine mehrminütige Dauerschleife mit Musik bastelte).

Zum Schluss wurden dann noch die wenigen Darsteller, die man, abgesehen vom omnipräsenten Jon Gruden zugelassen hatte, allesamt entlassen: Jason Cabinda, Luke Willson, Keelan Doss.

Das passte irgendwie.

Zumindest Antonio Brown durfte bleiben. Irgendwie.

Deswegen bekommt Agent Drew Rosenhaus übrigens die großen Schecks: Er schaffte es, die bereits verkündete Sperre von Antonio Brown wieder verschwinden zu lassen. Ein Magier.


Update 08.09.19: In einer der verrücktesten Wendungen, seit ich Football schaue, wurde Antonio Brown am Samstag, 07.09.19, dann doch entlassen (weil er deutlich zum Ausdruck brachte, dass er keinen Bock hat ohne garantierte Zahlungen zu spielen)… und heuerte bei meinen Patriots an. Ich kotze seitdem im Strahl.


Was mir fehlte in dieser Staffel:

Vontaze Burfict. Gefühlt nicht einmal gesehen. Dabei war es doch womöglich sein überharter Hit, der einige Tassen in Antonio Browns Schrank zerdeppert hat.

Josh Jacobs, einer der Topfavoriten auf den Titel des Offensivrookies des Jahres, kam genau einmal vor. Aber fragt mich nicht, wie er aussieht:

Richie Incognito kam ebenfalls einmal vor. Wahrscheinlich hatten sie vergessen, ihn rauszensieren zu lassen.

5. Fazit

Die Tampa Bay Buccaneers Staffel vor ein paar Jahren setzte schon Maßstäbe nach unten. Die Raiders schafften das Kunststück, das noch zu unterbieten.

Keine Ahnung, ob die Raiders viel zensieren ließen (was sie können) oder ob das Material sonst nicht viel hergab, aber für mich Platz 16 der bisherigen 14 Staffeln.

Hier noch die Lippo’sche Expertenmeinung:

Ab wann darf man sein Wunschteam für nächste Saison äußern? Muss ja jetzt eigentlich eine Bounce-Back Saison kommen nach diesem Ausreißer nach unten.

Wenn ich die Staffel nicht gesehen hätte, hätte mir nichts gefehlt. Unvorstellbar eigentlich.

Knock on wood, if you are with me.

 

Herzlichen Dank (wie immer) an Johannes Busley vom RANDBREITENverlag fürs Korrekturlesen!