Freitag, Juni 21, 2024
Season

ran-Football: Wenn Büchsenmacher und fette Schweine bis zur Vergasung vergenußwurzelt werden…

In der ersten Saison ging das Konzept von #ranNFL sehr gut auf – die Einschaltquoten am Sonntag Abend erreichten für den vorher nahezu völlig unbekannten Sender Pro 7 Maxx ungekannte Höhen. Mittlerweile gibt es jedoch auch immer lauter werdende kritische Stimmen:

Der Erfolg brachte mehr Werbung mit sich, die Interaktion bei Twitter unter #ranNFL lässt spürbar nach und die Wortwahl einiger Kommentatoren gibt zumindest Anlass zum Nachdenken.

Selbsterklärend dürfte sein, dass gerade der letzte Kritikpunkt nicht auf alle Moderatoren zu gleichen Teilen zutrifft.

Der folgende Beitrag ist von Ernst Preussler (bei Twitter unter @buccaneerps), ein reges Mitglied der #ranNFL Twitter-Community an Sonntag Abenden und mit seinen kreativen Tweets schon des Öfteren in meinen Kolumnen „zu Gast“:

ran Football: wenn Büchsenmacher und fette Schweine bis zur Vergasung vergenußwurzelt werden…

In den letzten Wochen ist mir eine meines Erachtens unschöne Tendenz bei den ran-Football-Übertragungen aufgefallen: die Sprachwahl der Moderatoren.

Ein Vater von Mädchen wird als „Büchsenmacher‟ tituliert, ein Spieler der Offense Line als „fettes Schwein‟, die Spieler machen dann schon mal „was bis zur Vergasung‟ und wenn ein Spieler den anderen verlädt, dann hat er den aber so richtig „vergenußwurzelt‟. Dies sind die auffälligsten, in Erinnerung gebliebenen Vorfälle, es gab aber noch die ein oder andere Kleinigkeit.

Was ist an den beschriebenen Dingen problematisch?

Nun, der „Büchsenmacher‟ ist selbst unter Beachtung der Brauchtumspflege (Wiki Büchsenmacher) – ein zutiefst frauenverachtender Begriff, da er die Frau bzw. ihre Geschlechtsorgane objektiviert und Kind und Vater als minderwertig bezeichnet. Das kann man vielleicht privat auf einer Feier nach 5 Bier verwenden, aber im Fernsehen?

Das „fette Schwein‟ aus der vorletzten Sendung ist eine unflätige Beleidigung und auch nicht mehr lustig verpackt wie die „Kühlschränke‟. Kein O-Line-Footballer wird Probleme damit haben, wenn sich mal jemand kreativ über seine überzähligen Pfunde äußert, aber beim fetten Schwein dürfte der Spaß dann doch aufhören.

Besonders schlimm finde ich „bis zur Vergasung‟, was ja laut einigen Twitter-Akteuren „nur so eine Redewendung‟ ist.

Korrekt. War sie mal.

Als Kind der 70er bin ich mit diesem Spruch aufgewachsen, übernommen von Eltern und Großeltern. Man dachte sich nicht wirklich etwas dabei. Wenn man aber – so wie ich mit ca. 16 oder 17 – mal über die einzig mögliche Herkunft des Spruches nachdenkt, sollte man eigentlich ins Schaudern geraten. Ich konnte mir die Formulierung zum Glück abtrainieren, kenne aber auch heute noch Freunde und Bekannte, die sie leider benutzen.

Wichtig: Niemand der dies benutzt, ist ein Nazi oder Rassist, aber m.E. etwas sehr gedankenlos.

Eine gern genommene Aussage unseres aller Lieblings Patrick Esume ist die „Vergenußwurzelung‟ eines anderen Spielers.

Nicht falsch verstehen: Patrick Esume ist auch mein absoluter Favorit, seine „Brote‟, seine „Kühlschränke‟ sind legendär. Und auch diese Bezeichnung meint er nicht böse. Aber Vergenußwurzelung oder – wie wir früher sagten – Vergewohlwurstelung – ist ein Euphemismus für Vergewaltigung. Es gibt im Deutschen nur wenige Worte mit „Verge-‟ (die Vergesellschaftung ist ein anderes) und sie bezeichnen fast immer etwas, was irgendjemandem/-etwas angetan wird.

Und zwar nicht „freiwillig‟ wie es mir letzte Woche ein Twitterer als „Entschuldigung‟ schrieb (und so meint Esume es ja auch nicht, wenn er sagt: „Der wurde gerade vergenußwurzelt‟).

Es liegt mir fern, mich über alle Maßen zu echauffieren. Ich schließe nicht von einzelnen Äußerungen auf die Personen und werfe ihnen auch nicht vor, Sexisten, Rassisten oder Faschisten zu sein, wie es extreme Linke so gerne tun.

Gegenderte Sprache ist mir ein Graus, von Quoten und Gleichmacherei halte ich nichts (sehr wohl aber etwas von Gleichberechtigung) und ich weiß, dass in der Hitze des Spiels oft geredet wird, bevor gedacht wird. Hey, auf Twitter oder anderen sozialen Netzwerken sind die Kommentare der Nutzer oft noch grenzwertiger.

Aber das sind „Nutzer‟.

Zuschauer.

Fans.

Keine Moderatoren mit knapp einer halben Million Zuschauer und einem ordentlichen Gehalt, die da ab und an mal über die Stränge schlagen. Meines Erachtens liegt es daran, dass die Übertragungen in letzter Zeit immer „lustiger‟ wurden, mehr auf Show und Spaß ausgerichtet waren, weniger auf sportliche Kommentierung. Und ich finde das ja gar nicht schlecht, denn ran-Football ist für mich – ausreichende Grundkenntnisse des Sports sind vorhanden – in erster Linie Sonntag-Abend-Unterhaltung bei Burger, Cola und Twitter (der einzige Sinn von Twitter ist die unmittelbare Kommentierung innerhalb einer Community).

Es ist aber sehr viel schwieriger, lustig zu sein, als ernsthaft etwas zu kommentieren. Und ich wünsche mir einfach nur, dass die Moderatoren ab und an mal innehalten und kurz überlegen, was sie da eigentlich gesagt haben. Sie dürfen es dann gerne wieder sagen, müssen aber auch mal damit leben, etwas Gegenwind zu bekommen.

Folgt Ernst auf Twitter (es lohnt sich):