Freitag, Juli 19, 2024
Offseason

Roster Cuts

Eigentlich wollte ich ja möglichst auf englische Fachbegriffe verzichten – in dem Fall fiel mir auf die Schnelle aber keine passende Übersetzung für „Roster Cuts“ ein.

Daher der Roster (Kader, Team) Cut (Schnitt / abschneiden).

Die Teams starten mit 90 Spielern in die Vorbereitung Ende Juli / Anfang August – macht also insgesamt knapp 3.000 Spieler für die gesamte NFL.

Die ersten 3 Vorbereitungsspieltage können sie aus ihren 90 Spielern die auswählen, die sie noch betrachten und testen wollen. Eine sogenannte „Ausbildungsliga“ analog der ehemaligen World League bzw. NFL Europe gibts nämlich nicht mehr, obwohl dies seit Jahren in der Diskussion ist. Und mal ehrlich – die NFL Europe kostete damals jedes NFL-Team pro Saison ca. 1 Mio Dollar. Die nationalen Einnahmen, die jede Mannschaft vor der Saison 2015/16 bekam (ohne Eintrittsgelder, eigenes Merchandising, lokale TV-Rechte), betrugen über 220 Mio Dollar. Pro Team.

Geld braucht auch die Seite – allerdings deutlich weniger als 1 Million. Ein paar Cent reichen – am besten klappt das, wenn Ihr über das Banner hier zu Amazon springt. Kostet nix extra!

[amazon_link asins=’B011MAU02Y‘ template=’ProductAd‘ store=’wwwmeinenflde-21′ marketplace=’DE‘ link_id=’dc061692-16ce-11e7-9ef8-d7762e06d215′]

 

 

Aber ich schweif ab…90 Spieler bei den ersten 3 Spielen. Danach müssen mindestens 15 Spieler entlassen werden vor dem 4. Preseason-Spiel. Dieses Jahr war – aus deutscher Sicht vor allem interessant – Björn Werner dabei. Und Terrance Knighton bei den Patriots, um die wichtigsten zu nennen.

Das funktioniert von Team zu Team verschieden; bei der Football-Doku „Hard Knocks“ kann man das immer ganz gut verfolgen. Letztes Jahr waren übrigens die St Louis…ähem… Los Angeles Rams dran, das Team für 2017 wurde noch nicht bekanntgegeben (Stand 02.04.2017).

Irgendein Lakei wird zu dem Spieler mit dem Damokles-Schwert über seinem Haupt geschickt; der Lakei murmelt dann fast entschuldigend so in etwa: „Der Trainer will Dich sehen. Und bring Dein Playbook (mittlerweile Tablet) mit.“

Bei dem Betreffenden bricht dann erst einmal seine Welt zusammen – bis dahin wurde alles dem Ziel Football untergeordnet. Für viele ist dieser Moment der letzte im bezahlten American Football.

Besonders kritisiert wurden die Bengals vor einigen Jahren bei Hard Knocks, als sie ihren Lakeien schickten – im Fachjargon „Turk“ genannt. So wirklich ist übrigens nicht klar, warum man den Mann Turk (also Türke) nennt. Die beste und passendste Erklärung fand sich in einem Artikel von Scott Paulsen auf der Website des Radiosenders Pittsburgh’s 970 AM: „Es soll auf die türkischen Soldaten des 17. / 18. Jahrhunderts zurückgehen, die mit ihren Dolchen spät in der Nacht kamen und erbarmungslos zustachen.“

Der Turk der Bengals weckte noch vor Sonnenaufgang die Spieler auf und suchte sie quasi mit seinem Dolch heim, um ihnen zu erklären, dass ihre Existenz gerade ausgelöscht wird – irgendwie passt dann diese Metapher.

Der Kader wird also zunächst auf 75 Spieler reduziert. Am Donnerstag folgt schließlich das vierte und letzte Preseason Spiel, bei dem mehr oder weniger überhaupt niemand mehr nach 10 Minuten am Platz steht, den man kennt. Soll sich ja nicht noch auf den letzten Drücker irgendein Star verletzen.

Die Vereine haben jetzt bis Samstag abend Zeit, noch einmal 22 Spieler auszusortieren. 10 dieser Entlassenen können jedoch bis Sonntag abend in die sogenannte „Practice Squad“ gesteckt werden – deutlich weniger Geld, aber noch ein Fuß in der Tür. Quasi die Ersatzbank.

In einem Interview mit Ross Tucker in dessen Ross Tucker Football Podcast erklärte der ehemalige Manager der Tampa Bay Buccs, Mark Dominik, dass üblicherweise zu Beginn der Preseason 43-45 Plätze im Kader mehr oder weniger fest vergeben sind. Wenn sich also von dieser Gruppe keiner verletzt oder plötzlich katastrophal spielt, dann kämpfen letztendlich ca. 45 Spieler um 8 Plätze.

Harte Welt NFL.