Freitag, Juni 14, 2024
Offseason

NHL – Lake Tahoe

Es ist Offseason in der NFL und damit verbunden zwangsläufig eine tiefe Existenzkrise: Was soll ich nur machen?

Also allgemein gesprochen. Ich hab irgendwie immer mehr zu tun, als Zeit ist.

Zumindest kann man mal einen Film einstreuen – oder mal wieder eine andere Sportart.

Da kam die Ankündigung der NHL, dass man zwei Spiele „am Weiher“ Lake Tahoe veranstaltet, gerade recht: Ich bin notgedrungen nicht mehr der Hardcore-Eishockeyfan, der ich mal war (dieses Footballzeugs verdrängt da so einiges und zwischenzeitlich kam ja eine Familie dazu), aber diese Highlights müssen trotzdem gehen. Eine Eishockey-WM in Deutschland gibt es ja grade mal nicht.

Und die Ansetzung war quasi perfekt: Samstag um 21 Uhr (Colorado Avalanche gegen meine „adoptierten“ Vegas Knights) und Sonntag um 20 Uhr (Boston Bruins – Philadelphia Flyers) – beides bei DAZN. Ideal, wenn man zufällig Montag frei hat.

Doch dann kam es ganz anders.

 

Der Song zu den Spielen von „A“: I love Lake Tahoe

Das Ding ist ein Ohrwurm, den ich irgendwie komplett weit hinten in meinem Gehirn vergraben hatte. Aber die zwei Tage vor dem Spiel liefs ungefähr 10mal von meinem Amazon Music Account… und dann der Refrain noch 80mal in meinem Gehirn.

Na na na, nana nana nana, I love Lake Tahoe… na na na…

Einmal dröhnte es auch beim Duschen. Aber als das Lied zu Ende war, folgte ein weiterer „Song“ mit Namen „Lake Tahoe“: Ein Statistikmann verblüffte mit vorgetragenen interessanten Vergleichen:

Wusstet Ihr, dass der See im Hochplateau einer der größten in luftiger Höhe in Amerika ist (oder der höchste? Womöglich hab ich nur mit einem Ohr zugehört)?

Wusstet Ihr, dass er bis zu gut 500 Meter tief ist?

Wusstet Ihr, dass er ganz Kalifornien 30 cm hoch unter Wasser setzen würde, wenn man ihn auskippt?

Wusstet Ihr, dass er zwei Jahre lang alle Kalifornier mit Wasser versorgen könnte und man danach 700 Jahre bräuchte, um ihn auf natürliche Weise wieder aufzufüllen?

Seht Ihr: Ich wusste das auch nicht.

Stellt sich nur die Frage, was ich mit diesem „unnützen Lake Tahoe Wissen für 100“ jetzt anfange. Außer es hier im Lake Tahoe Blog zu verwenden.

Na na na, nana nana nana…

 

Der Ausblick

Wunderschöne Ausblicke.

Aber je näher das Spiel kam, desto mehr fragte ich mich, ob ich nicht schon mal an diesem Lake Tahoe Weiher war.

Also erste Anlaufstelle – meine Frau: „Mit mir jedenfalls nicht!“ (hatte ich auch vermutet – trotz fünf gemeinsamen USA-Trips)

Meine Kumpels, mit denen ich ’98 eine verregnete Zelten-Motel-Reise im Westen der USA hatte:

„Klar – da wars so saukalt.“

Komplett getilgt aus dem Gehirn.

Fängt so Alzheimer an? Oder bin ich über das Anfangsstadium schon hinaus?


 

Lake Tahoe Spiel 1: Colorado Avalanche – Vegas Golden Knights

Es war alles angerichtet und sah spektakulär aus! Die Knights spielten genauso in „Retro-Trikots“ (was lustig ist, weil es sie erst seit wenigen Jahren gibt) wie die Avalanche (die wiederum in sehr schicken Quebec Nordiques Jerseys).

Von Beginn an ging es für mich stark bergab: Nach nicht einmal drei Minuten gingen die Avs in Führung (womöglich hatte ich gewettet, dass im ersten Drittel max. ein Tor fällt – nach Recherche der draußen-Spiele der letzten zehn Jahre). Die waren auch klar besser im ersten Drittel, aber wenigstens fiel kein weiteres Tor.

Das passierte dann auch ungefähr zehn Stunden lang nicht. Nach nur einem Drittel war es nämlich leider vorbei: Die böse Sonne hatte das Eis in Slushy verwandelt und nach einer halben Stunde hin und her entschied man sich, die Partie auf den US-Abend (06 Uhr deutscher Zeit) zu schieben.

Da brauchte dann Phil Grubauer auch keine Sonnebrille mehr, wie er sie in der Drittelpause noch aufgesetzt hatte…

Um 06 Uhr aufstehen war dann doch nichts für mich und bis ich um 08 Uhr „sanft und pünktlich“ geweckt wurde, wars auch schon vorbei – und keine „Knight Time in der Night Time“.

Die Avalanche feierten einen 3:2 Sieg, aber das Tor des Tages kam von den Knights mit einem wunderschönen Spin Move von Alex Tuch (das Video enthält mir Twitter leider vor) zum Endstand.

Natürlich 🙂


 

Spiel 2: Boston Bruins – Philadelphia Flyers

Das Spiel hatten sie dann gleich am Samstagabend mit verschoben: Sonntagnacht um 01:00 Uhr wird auch dann nix, wenn man am Montag frei hat.

Es war ein ungefährdeter 7:3 Sieg der Bruins inklusive eines Hattricks von David Pastrnak:


 

Die Verlierer

Neben den sportlichen Verlierern, war es wohl vor allem die NHL, die zwar in aller Munde war, aber eben nur kurz aus den „richtigen“ Gründen.

Endlich tolle Spiele beim großen NBC platziert und dann das Sonnendebakel.

Leid tat es mir auch für die deutschen Kommentatoren bei DAZN: Christoph Staudter und Mannix Wolf (unverkennbar mit seiner Interpretation der deutschen Sprache) hatten sichtlich Spaß:

„Das ist schon mal ganz gut, dass wir den Puck sehen.“ (Mannix Wolf)

Der Spaß am Lake Tahoe fand dann leider ein jähes Ende.

Und so ließ mich das Saisonhighlight der NHL (aus meiner Sicht) etwas leer zurück.

Stattdessen wurde es dann das Remake von „Drei Engel für Charlie“ am Samstagabend.

Nicht halb so mitreißend wie das Lake Tahoe Weiherhockey hätte werden können.

Na na na, nana nana nana, I love Lake Tahoe… na na na…