Super Bowl LIV

Letztes Jahr durfte ich selbst – zum ersten Mal – beim Lebenshighlight Super Bowl (LIII in Atlanta) vor Ort sein, Super Bowl LIV in Miami fand jetzt ohne mich statt (das Geld wird für den Draft in Las Vegas aufgespart), was mich aber angesichts des ausbleibenden Stresses nicht weiter störte. Stattdessen gönnte ich mir das Endspiel zur Abwechslung einmal in einem Kino: Das „Cinemagnum“ lockte mit 12 Euro Eintritt inklusive einem Bier und diversen Snacks und vor allem einer Bilddiagonale von 27 m². Wer kann da schon nein sagen…

Super Bowl LIV Niners Chiefs


 

Die Nationalhymne

Die ist für mich auch oft ein Gradmesser, ob ich mit Gewinn aus der Wett-Nummer rausgehe. Dazu unten später mehr. 2020 durfte die mir (zum Entsetzen meiner Frau) komplett unbekannte Demi Lovato ihre Interpretation zum Besten geben. Gil Alexander (Interviewlink) hatte für seinen Podcast bereits recherchiert gehabt: Die Sängerin nutzte bei ihren bisherigen fünf Nationalhymnenvorträgen IMMER einen Mikrofonständer (1,61er Quote) und brauchte zuletzt weit über 2 Minuten. Beides bedachte ich daher mit einigen Euros.

Frau Lovato brauchte letztendlich 1:49 Minuten für ihren sehr gelungenen Hymnenvortrag, aber bei mir ist der kleine rote Elf (aka Lady Gaga 2016: https://www.youtube.com/watch?v=oU_UEVp2ynU) immer noch vorne in der Gunst.

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Und natürlich lief traditionell die Stoppuhr…


 

Spielbericht Super Bowl LIV

Ein bißchen war ich fast froh, dass die Patriots diesmal nicht dabei waren: Zu sehr nerven mich die schwachsinnigen „FC Bayern des Footballs“-Aussagen und jeden einzelnen belehren zu wollen, macht mir auch schon lange keinen Spaß mehr. Stattdessen die Chiefs, bei denen ich tatsächlich nur einen Fan hierzulande kenne (der dann auch zufällig ebenfalls im Kinosaal schaute), und die San Francisco 49ers, wo im Freundeskreis gleich eine ganze Reihe Anhänger vorzufinden sind.

Wie immer startete die Partie mit dem Münzwurf, der neben vier hundertjährigen Veteranen (im Vorfeld hatte man jeweils betont, dass sie im Rentenstand sind… ach nein) vor allem Konfusion brachte: Die 49ers (der Spruch „Tails never fails“ traf zu) wählten die „Defer“-Variante (also das Wahlrecht erst vor der zweiten Hälfte nutzen und dann dort den Ball bekommen), so dass Referee Vinovich die Chiefs fragen musste, was sie jetzt für den Spielbeginn wählen. Und wie zuletzt schon der überforderte Cowboys QB Dak Prescott hätte Punter (!) Dustin Colquitt fast die „wir kicken zu ihnen“ Variante gewählt. Was dazu geführt hätte, dass die 49ers zu Beginn beider Hälften jeweils den Ball bekommen. Bill Vinovich löste dies clever und fragte solange die anderen Chiefs-Captains bis einer die richtige Antwort („receive the ball“) gab. Offensichtlich sind die Teams nicht in der Lage, ihren Captains diese einfache Vorgabe mit auf den Weg zu geben.

Es entwickelte sich von Beginn an ein sehr unterhaltsames Spiel, bei dem die beiden Mannschaften sich bis kurz vor der Halbzeitpause einen netten Schlagabtausch lieferten.

Jimmy Garoppolo warf seine obligatorische Interception (zu CB Breeland), aber auch einen Touchdownpass zu Fullback Kyle Juszczyk für den 10:10 Ausgleich.

Vor der Pause gab es noch Clock Management der 49ers zum Kopfkratzen (Timeouts sind auch da, damit man mal die Uhr anhält), was die deutschen Experten genauso wie mich verblüffte.

In der zweiten Hälfte bekamen die 49ers zuerst den Ball und holten prompt ein Field Goal zur 13:10 Führung durch den verlässlichen Kicker Robbie Gould „is gold“. Als dann die starke Defense zunächst für einen Sack an Mahomes und direkt im Anschluss für eine Interception (durch LB Fred Warner) sorgte, schien alles für die Niners zu laufen.

Running Back Raheem Mostert, der diesmal deutlich weniger Impact hatte, sorgte im folgenden Drive sogar für das 20:10 San Franciscos.

Nachdem man zuletzt allerdings mehrfach sehen konnte, wie Chiefs QB Patrick Mahomes auch aussichtslose Rückstände binnen kürzester Zeit drehen kann, hatte man als neutraler Beobachter jedoch nicht unbedingt den Eindruck, dass das Ding schon durch war.

Es folgte die Wende, ohne dass diese auch nur annähernd so aussah: Mahomes zweite Interception (diesmal durch CB Tarvarius Moore) gab den 49ers dazu noch den Ball zurück.

San Francisco schaffte es hier jedoch nicht, einen langen Drive hinzulegen und puntete nach fünf Spielzügen zurück zu den Chiefs, die dadurch sichtlich neues Leben eingehaucht bekamen. Der vielzitierte Momentum-Change.

Ein Pass zu Tight End Travis Kelce ließ die Chiefs auf 20:17 herankommen, ein 3 & Out der Defense und gleich noch ein Touchdown zu Running Back Damien Williams kippten die Partie zu den Chiefs.

Den Niners gelang offensiv nichts mehr, Kansas City genügten zwei Spielzüge, um noch einen erlaufenen Touchdown durch Running Back Williams zum 31:20 Endstand draufzupacken.

Die Chiefs scorten, als es nötig war, bei den 49ers fehlte diese Fähigkeit am Ende deutlich.

Als MVP durfte sich Quarterback Mahomes feiern lassen, der nach seinen Maßstäben eine unterdurchschnittliche Partie abgeliefert hat… aber eben auch in der Crunch Time abgeliefert hat, als es darauf ankam.

 

Gefühlt fühlte sich die ganze Welt mit Chiefs Head Coach Andy Reid, der genug durchgemacht hat in seinem Leben (Suizid eines Sohnes, Drogenabhängigkeit des zweiten Sohnes, der aber jetzt ebenfalls Coach ist). Das verdient eine ganze Reihe Cheeseburger.


TV-Kritik Super Bowl LIV

Niners Miami Chiefs 49ers

Die bewährte Kommentatorencrew enttäuschte nicht, war sich auch nicht immer einig und amüsierte das ein oder andere Mal (auch unfreiwillig).

Mein Lieblingsspruch stammte von Jan Stecker, der konsequent den Namen von Mark Nzeocha … nennen wir es „alternativ“… aussprach:

„Nsotscha… immer noch verkehrt? Ist mir egal. Geiler Typ!“

Wirklich wirklich gut war die Show der NFL direkt vor Spielbeginn, wo man endlich einmal erkennen konnte, dass die Liga doch nicht ausschließlich von Praktikanten geführt wird:

Eine perfekte Ehrung der Säulen von 100 Jahren NFL. Und a propos perfekt: Das waren auch die Intros von Dwayne „The Rock“ Johnson:

Die NFL kann einfach Show. Wahnsinn.

Fast hätte ich noch den super Werbespot „Take It To The House Kid“ vergessen (es waren einfach zu viele Highlights auf einmal):

Applaus, Applaus.


 

Werbung

Die deutschen Beziehungsanbandel-Geldabknöpf-Plattformen lasse ich mal außer acht. Das war zum Teil selbstironisch halbwegs witzig, aber insgesamt vermisste ich den „Mute“-Button meiner Fernbedienung sehr sehr oft.

Für die amerikanischen Werbeclips verweise ich mit einer Ausnahme auf die Timelines von @Lippo_kratis und @bjoernhesse, die diese gesehen und bewertet haben. Ich hab nur die von Jeep gesehen, die ich überragend fand:


 

Halftime Show Super Bowl LIV

Ich würde der Halftime Show eine solide 2 geben: Für mich eine der besseren der letzten Jahre, auch wenn ichs mir irgendwie anders vorgestellt hatte (eher als Kombination von Shakira und J-Lo, was nur ganz zum Schluss auch so kam). Strange war das Zungenspiel von Shakira und dass sich J-Lo hinten ohne zeigen musste, sorgte bei mir für mindestens eine hochgezogene Augenbraue. Nett war der Einbau der Tochter von J-Lo und insgesamt lässt sich feststellen, dass die beiden Sängerinnen, von denen eine krasse sieben Jahre älter ist als ich, ungefähr 15 Jahre jünger aussehen, als sie sind. Und es durchaus draufhaben.

Dak Prescotts „Hips don’t lie“. Eindeutig.


 

Bet And Win Super Bowl LIV

Super Bowl LIV Chiefs 49ers

Bis eine gute Woche vor dem Spiel hatte ich nur eine einzelne Restwette (das NFC-Team gewinnt) für Super Bowl LIV offen – eine Seltenheit für mich. Da man beim Endspiel wirklich auf fast alles wetten kann und die einzelnen Buchmacher jedes Jahr neue Möglichkeiten eröffnen, sein Geld gewinnbringend (?) einzusetzen, hatte ich in den letzten Jahren oft einen ganzen DIN A4-Zettel mit Klein- und Kleinstwetten. Und manchmal auch größeren (DANKE nochmal an Pink bei ihrem Hymnenvortrag vor zwei Jahren, die mit ihren normal-blonden Haaren auflief und dabei -natürlich- kein Eagles-Trikot trug). Bis zum Spiel wurden es diesmal letztendlich auch wieder eine ganze Reihe.

Das ist halt der Unterschied zwischen Leuten, die „nur“ zweistellige Beträge auf so etwas wie Mikrofonständer und Hymnenlänge setzen und Profis wie Gill Alexander, die von der streng geheimen Generalprobe Infos bekommen und gegebenenfalls einfach noch einmal einen fünfstelligen Betrag setzen, wenn der Ausgang quasi sicher ist.

Der erste Touchdown von Mahomes brachte meine wetttechnisch gesehen höchste Quote (29er), aber wenn man nur einen Euro setzt, relativiert sich das schnell. Bei Mahomes war ich auch Leidtragender des größten „Bad Beats“ – also sowas wie Pechs – bei diesem Super Bowl: Ich hatte gewettet, dass er mindestens 31 Yards selbst erläuft. Zwischenzeitlich stand er bei 44 und ich hatte diese als gewonnen abgehakt. Am Ende kniete er jedoch für unglaublich -15 Yards ab, so dass er am Ende bei 29 Rush Yards landete. Und wie meine Tochter gerade in der Schule lernt: 29 ist weniger als 31. Schönen Dank.

Insgesamt ging das Ganze jedoch ziemlich null-auf-null aus, da ich einiges auf „mehr Punkte in der zweiten Hälfte“ gesetzt hatte.


 

Twitteruniversum Super Bowl LIV

Super Bowl LIV Chiefs 49ers

Ich kann sehr gut mit dieser Hall Of Fame Klasse leben; Troy Polamalu fand ich immer überragend und alles andere als seine Aufnahme im ersten möglichen Jahr wäre eine Sensation gewesen. Schade nur für Tony Boselli, aber auch der Rest hats verdient.


 

Der Tweet ging um die Welt vor dem Spiel. Schätze, er wird den von seinem Freundeskreis ein paar Jahre um die Ohren gehauen bekommen. Also ich würde das zumindest machen…


 

Ich mag Baker, weil er erfrischend anders ist. Aber das nächste Jahr wird womöglich entscheidend, in welche Richtung seine Karriere geht. Die vielen Werbesports hinterließen im Nachhinein einen leicht faden Beigeschmack. Mal sehen, ob er sich diesmal etwas mehr auf Football konzentrieren kann in der Offseason. Und ob dann auch seine Diva-Wide Receiver Lust auf ein Training Camp haben, damit so etwas wie Teamchemie entstehen kann, die man bei der Edition 2019 (da wirds ein Buch geben!!!) durchaus vermisst hatte.


 

15 Dollar Eintritt beim Super Bowl. Krass. Und irgendwie lustig, dass die Familie Buck so viele Super Bowls kommentieren durfte.


 

Dafür! Sarahs „Interpretation“ der Hymne fand ich annähernd so gut wie die von Enrico Palazzo:

Oh Mann. Könnte ich mir hundertmal anschauen.


 

Last but not least:

Donovan McNabb, ex-Quarterback der Philadelphia Eagles (Info für Frank Buschmann), der mit den Eagles unter McNabb damals eben nicht feiern durfte im Super Bowl. Schön, dass es jetzt geklappt hat.


 

Lang dauerts nicht mehr und ich bin auch so weit! Go St. Louis Battlehawks! (die Quote war toll und ex-Hard Knocks „Star“ Brogan Roback ist dort QB)


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Zum Abschluss noch ein paar Sätze zum „Super Bowl Erlebnis“ Kino: Es waren nicht alle gut 500 Plätze verkauft, was absolut in Ordnung war, weil man nirgends Schlangen hatte. Für 12 Euro gabs ein Bier, Popcorn, einen HotDog und „m&m-artige“ Erdnüsse. Das hat gepasst.

Das Publikum erinnerte an ein Theater – höflicher Applaus, keine Betrunkenen und alles sehr gesittet. Was richtig nervig war, war einmal ein Bildausfall für einige Minuten (der Ton lief weiter und pünktlich zur Werbung kam auch das Bild zurück) und vor allem die Autoabschaltung des WLAN um 03:00 Uhr, was meine Twitteraktivität komplett killte. Logisch, dass ein Kino üblicherweise um 03:00 Uhr kein Internet mehr zur Verfügung stellen muss, aber in diesem speziellen Fall wäre es sinnvoll gewesen. So musste ich etwas fluchen.

Ansonsten: Sehr schöne Geschichte, an die ich mich gewöhnen könnte.


 

Danke fürs Dabeibleiben im hundertjährigen Bestehen dieses Blogs der NFL! Auf die nächsten 100 Jahre!