Hard Knocks mit den Browns

 Hard Knocks ist endgültig zurück und läutet einmal mehr das Ende der Offseason und somit die Rückkehr des NFL-Footballs ein. Zwar ist die Serie des amerikanischen Senders HBO nicht mehr der Gold-Standard, was NFL-Teamdokus angeht (das ist Amazons „All Or Nothing“), aber immer noch besser als alles, was sonst hierzulande im Fernsehen gezeigt wird (sage ich als NFL-Junkie).

Dieses Mal wurden die Cleveland Browns begleitet, die in den bislang 12 Staffeln noch nie Hauptdarsteller der Serie waren.

Ein kurzes Wort der Warnung: Der Text wird Spoiler enthalten *g* !

1. Die Voraussetzungen

Um die Serie zu sehen, gibt es mehrere Möglichkeiten:

1.1 Der Gamepass

Auch wenn es diesmal etwas länger gedauert hat, so ist Folge 1 trotzdem nur wenige Tage nach dem US-Start verfügbar gewesen. Die mit Abstand schnellste Möglichkeit, in den Genuss zu kommen und für einen Hardcore-NFL Fan gibt es sowieso nichts Besseres – und wenn es nur als Ergänzung zu #ranNFL ist.

Wer noch keinen hat: GamePass Link (ich bekomme keine Tantiemen)

1.2 Pro7 Maxx

Wer sich lange gedulden und dann zu nachtschlafender Zeit die Serie sehen will, kann auf Pro7 Maxx hoffen: In den letzten beiden Jahren wurde da zu Saisonbeginn jeweils eine Folge nach den späten Spielen gezeigt. Also so gegen 02:00 Uhr.

Allerdings ist da die Saison schon wieder in vollem Gange und dann ist mir das persönlich viel, viel zu spät.

1.3 Internet

Bevor ich glücklicher GamePass Besitzer wurde (so um 2010/2011), habe ich oft Stunden damit verbracht, eine Streammöglichkeit in diversen Foren zu finden. Das klappte auch meistens, war aber mit viel Zeitaufwand und grauen Haaren verbunden. Auch ein VPN-Tunnel und ein amerikanischer HBO-Account könnten helfen. Aber ich will niemand auf dumme Gedanken bringen…

2. Das Team

Keine Ahnung, ob sich die Browns freiwillig für Hard Knocks gemeldet hatten oder bestimmt wurden (es gibt da einige Ausschlusskriterien wie z.B. ein neuer Head Coach oder eine Playoffteilnahme, aber theoretisch bleiben immer um die fünf Teams übrig, aus denen eines bestimmt werden kann, wenn sich kein freiwilliges findet). Ist aber auch egal, denn es gibt wirklich massig Storylines für diese Staffel:

– den selbstbewussten Überraschungs-First-Overall Pick Baker Mayfield

– den superteuren Free Agency Zugang Jarvis Landry

Head Coach Hue Jackson mit einer 1-31 Bilanz aus den letzten beiden Jahren (inklusive der zweiten 0-16 einer Mannschaft in der NFL-Historie)

– Wide Receiver Josh Gordon mit seinen „Substanzproblemen“

– und und und

3. Der Hard Knocks Trailer

4. Folge 1

Das ist jetzt der Teil mit den Spoilern!

 

 

 

 

 

Insgesamt hat mir die Folge sehr gut gefallen!

Vom verwirrten Mann im Flughafen, der – wohl angesichts der vielen Kameras – Rookie Running Back Nick Chubb fragte, ob er wohl ein Spieler wäre, über Hue Jacksons „Clensing“-Bad im See, Baker Mayfield-Anfeuerungsrufe aus dem Dawg Pound bis hin zu Drummer / Linebacker  Christian Kirksey.

Earn your stripes Cleveland NFLSuper fand ich auch, dass sich die Spieler den Streifen auf dem Helm (links im Bild) erst noch im Camp verdienen müssen, indem sie sich in den 53er Kader spielen. Dazu werden die Aufkleber extra abgezogen. „Earn your stripes“ klingt etwas nach Army, aber das soll es wohl auch.

Apropos Army und Umgangston: Bei den Browns heißen die Assistenten Gregg Williams (Defensive Coordinator ) und Todd Haley (Offensive Coordinator). Ich habe lang und hart überlegt (so ca. 30 Sekunden), ob mir ein unsympathischeres Gespann einfällt.

Hat nicht geklappt.

Haley konnte nicht mit Big Ben Roethlisberger sowie als Head Coach der Chiefs.

Gregg Williams wurde damals im „BountyGate“ Skandal der Saints abgestraft und erklärte allen Ernstes in der Folge, dass er 7 andere Jobangebote abgelehnt hätte, um Def-Co der Browns zu werden.

Lastwagenfahrer, UPS-Mann, Reinigungskraft und sowas vermutlich (was alles nicht schlecht ist, aber er kann nicht ernsthaft von verantwortlichen NFL-Posten gesprochen haben).

Hue Jackson muss in der Folge den Tod seines Bruders und seiner Mutter binnen zwei Wochen wegstecken. Ich möchte mir das gar nicht vorstellen, wenn man dabei auch noch ständig Kameras im Gesicht hat. Die Szenen fand ich durchaus nahegehend.

Cleveland Browns

Ziemlich zu Beginn der Folge sorgte Jackson auch (ungewollt) für einen Lacher meinerseits, als er vom Super Bowl als Ziel sprach („think title!“). Von 0-16 zum Super Bowl wäre sicher eine geniale Geschichte, aber mich würde es doch komplett aus den Schuhen hauen, wenn die Brownies im Februar in Atlanta beim Super Bowl vor mir einlaufen sollten.

Highlight war aber die Motivationsrede von Wide Receiver Jarvis Landry, in der er seine angeschlagenen Kollegen kritisiert. Viele F-Bombs, wie der Amerikaner sagt, und mindestens 23 Sympathie-Bonuspunkte von mir. Fast so gut wie die legendäre Rex Ryan-Rede („Let’s get a goddamn snack“) bei Hard Knocks damals.

5. Folge 2

Folge 2 gefiel mir fast noch besser als Folge 1, wenn das überhaupt geht! Vielleicht ist es die Konkurrenz zu Amazons „All Or Nothing“ oder man wurde einfach so besser, aber selten war ich gefesselter von den ersten Folgen einer Hard Knocks Staffel.

HBO Cleveland BrownsLos ging es diesmal mit einer epischen Einführung zu den Schuhsammelgewohnheiten des bislang enttäuschenden Wide Receivers Corey Coleman. Der besitzt wohl um die 1.000 Paar Schuhe… auf Rat seiner Schwestern, um Frauen zu beeindrucken.

Beim Coaching Staff half es anscheinend nicht, denn Todd Haley riet ihm mehrmals, dass er sich „Schuhe besorgen sollte, die funktionieren.“ Anscheinend dauerte die Shopping Tour jedoch zu lang und schon wurde er „für einen Late Round Pick 2020“ nach Buffalo verschenkt.

Harte NFL-Welt.

Prompt war Dez Bryant ein Thema, was ich mit Jens Quentin (@DigitalVeteran_ bei Twitter) im #PODCArSTen schon kurz angerissen hatte. Wir sind uns einig, dass der da nicht hin passt, aber natürlich wird er wohl in Folge 3 unterschreiben. Oh well…

Ungewollter Star der Episode ist aber wohl Wide Receiver Antonio Callaway, der irgendwie nichts dafür kann, dass in seinem Auto Marihuana gefunden wurde, das aber trotz mehrfacher Anfrage der Coaches verschweigt… Bis die Presse davon Wind bekommt und damit auch die Coaches.

Als „Strafe“ muss er tatsächlich ein ganzes Preseason-Spiel absolvieren. Aua (das ist ironisch gemeint – schließlich zahlen die Zuschauer ja auch den Preis wie bei einem regulären Saisonspiel).

NFL Browns HardKnocksWirklich sympathisch fand ich dagegen Tight End Devon Cajuste, der in der Folge neben seinem Dad sitzend erfährt, dass der jetzt schon den dritten Herzinfarkt hatte (danach lachen sie nicht mehr…).

Die beiden begrüßen sich mit Pfeifeinlagen, was auch absolut außerhalb der Norm und dadurch schon wieder sehr nett ist. Cajuste wird aktuell als Tight End 4 in der Depth Chart geführt, was eher nicht erwarten lässt, dass er zu Saisonbeginn noch im Kader ist. Schade.

Daneben sieht man, wie QB Tyrod Taylor seine Kameraden etwas anschwärzt, was bestimmt gut ankommt, wenn die das im TV sehen, dass Myles Garrett eine poetische Ader hat und dass Defensive Coordinator tatsächlich immer noch ein A-loch ist.

Todd Haley hat dagegen zwei Sympathie-Punkte bei mir gewonnen und liegt jetzt eindeutig vor Gregg „BountyGate“ Williams.

Ich zähle schon die Tage bis zu Episode 3!

 

Herzlichen Dank (wie immer) an Johannes Busley (spricht sich BUSLEI aus *g*) vom RANDBREITENverlag fürs Korrekturlesen!

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