WildCard Samstag

Der WildCard Samstag bildet den Auftakt zu den Playoffs, an deren Ende am 04.02.18 amerikanischer Zeit die Lombardi Trophy in den abendlichen Himmel Minnesotas gestreckt werden wird. Die Patriots, Steelers und einige wenige Saints wissen nur zu gut, wie sich das anfühlt, bei den neun anderen Teams wäre es seit langer, langer Zeit der erste Titel.

Am Samstag empfingen zunächst die Kansas City Chiefs die Tennessee Titans und anschließend die Los Angeles Rams den amtierenden NFC-Champion Atlanta Falcons. Zwei Spielberichte, die Helden und Versager des WildCard Samstag sowie natürlich TV-Kritik und Twitteruniversum. Let’s go!

Kansas City Chiefs – Tennessee Titans 21:22

Die Chiefs gingen als größter Favorit des Wochenendes in die Partie. Es dauerte je einen Drive, bis sie auch einmal zeigten, warum: WR Tyreek Hill und TE Travis Kelce holten die nötigen Yards durch Pässe, Kareem Hunt den Touchdown mit einem Lauf Mitte des Eröffnungsviertels.

Das Erfolgsrezept behielten die Chiefs auch bei; Hill war zunächst kaum zu stoppen und am Ende war es diesmal TE Travis Kelce, der den Touchdown erfing. 14:0 noch im 1. Viertel und von den Titans bis dahin offensiv sehr wenig zu sehen.

Im Anschluss schaffte es die Titans-Verteidigung nach längerer Zeit einmal wieder, die Chiefs ohne Punkte vom Feld zu schicken… Was nichts brachte, da die Titans in der Redzone unverständlicherweise mit Pässen agierten und sich prompt Chiefs CB Marcus Peters eine Interception an der eigenen Endzone holte. Für die Titans lief bis dahin also nahezu gar nichts. Zumindest schafften sie vor der Hälfte noch ein Field Goal am Two Minute Warning. Anschließend steckte TE Travis Kelce einen harten Hit ein und musste mit einer offensichtlichen Gehirnerschütterung vom Feld. Ein seltener Fall – das zurecht viel kritisierte Concussion Protocol funktionierte in diesem Fall einmal.

Nachdem Kelce in der Kabine war, musste WR3 Demarcus Robinson den Touchdown erfangen. 21:3 zur Halbzeit und das auch hochverdient, nachdem die Titans in der Defensive schwach und in der Offensive nahezu gar nicht am Feld waren.

Travis Kelce musste mit seiner Gehirnerschütterung in der 2. Hälfte draußen bleiben. Die Titans starteten einen vernünftigen Drive, aber stellten sich mit Strafen prompt selbst wieder ein Bein.

Was dann kam, hätte man in einem Film kaum geglaubt: Titans QB Marcus Mariotas Pass wird in die Luft geblockt, Mariota schnappt sich den Ball gleich selbst wieder und hechtet zum 21:10 in die Endzone. Ein wahnwitziges Ding und sicherlich Bestandteil eines jeden Saisonrückblicks, den uns die NFL hier nahezu exklusiv zur Verfügung stellt:

Die Titans zeigten allerdings ein ums andere Mal, warum sie vor den Spielen allgemein als das schwächste Playoff-Team galten: Dumme Strafen und ein muffed Punt beim Fair Catch durch den Rookie Punt Returner. Zumindest hatten sie dann Glück, als der folgende Field Goal Versuch aus 48 Yards durch Chiefs K Butker verzogen wurde.

Die Titans waren endlich aufgewacht. Mit einem überraschenden Lauf im 3. Versuch holte Derrick Henry dann (für mich endlich) seinen Touchdown. Nur noch 21:16, weil die Titans  anschließend einen noch nicht mal ansatzweise erfolgversprechenden Two Point Versuch starteten. Bei den Chiefs ging anlässlich ihrer Playoffhistorie zuletzt das Zittern los – gut an einem Drop von TE Charles erkennbar, der einen perfekt geworfenen Ball zu Boden fallen ließ.

Die Titans rollten jetzt: Mit einem Wurf auf Veteran Erick Decker, der zuvor ebenfalls nur durch einem Drop aufgefallen war, gingen die Titans zum ersten Mal in Führung. Der Zweipunktversuch klappte erneut nicht, so dass es beim 22:21 blieb.

Die Chiefs mussten direkt vor dem Two-Minute-Warning einen 4. Versuch ausspielen; ein weiter Pass von der Mittellinie zu Albert Wilson schien zu gelingen, aber beim Hit verlor der Wide Receiver dann doch noch den Ball.

Die Titans mussten nur noch einen Schockmoment überstehen, als der ansonsten starke Derrick Henry gefumbelt zu haben schien, aber richtigerweise wurde nach Ansicht der Videobilder festgestellt, dass er zuvor bereits am Boden war. Henry bekam noch einige Läufe und am Ende entführen die Titans den Sieg aus Kansas City. Wieder einmal ein bitteres Ende für die Chiefs in den Playoffs und die Gerüchte, dass man Alex Smith traden will, können wieder voll Fahrt aufnehmen. Auch wenn es an ihm nicht lag.


Los Angeles Rams – Atlanta Falcons 13:26

Die Teams tauschten erst einmal 3 & Outs aus, bevor die Rams mit dem ersten Fehler auffielen: Beim Punt berührte zunächst Punt Returner Pharoh Cooper den Ball – ohne ihn zu fangen – bevor ihn die Falcons dann tief in der Hälfte von Los Angeles sichern konnten, weil Cooper ihn eben nicht sicherte. Beste Feldposition, aber nur ein Field Goal von K  Matt Bryant zur 3:0 Führung für die Gäste Mitte des Auftaktviertels.

Dafür hielt jedoch die Falcons-Defense die High Scoring Offense der Rams (zumindest war sie das in der Hauptrunde) gut in Schach. Ein weiteres Field Goal der Falcons zu Ende des ersten Viertels erhöhte auf 0:6. Sie bekamen sogar noch einmal den Ball, als erneut Punt Returner Cooper den Ball verlor – diesmal durch ein Fumble. „Gut genug“ für die Nominierung zum Versager des Tages.

Die Bestrafung übernahm RB Devonta Freeman, der von seinem Center Alex Mack in die Endzone geschoben wurde. 0:13 und Zeit für die Rams, aufzuwachen. Es dauerte dann bis 4 Minuten vor der Pause, ehe ein Pass von Jared Goff auf WR Cooper Kupp auch Punkte für die Rams auf die Anzeigetafel brachte. Todd Gurley hatte endlich ein paar schöne Läufe gezeigt. Mit wenigen Sekunden auf der Uhr kamen die Rams sogar noch einmal vor die Endzone der Falcons, aber ein Field Goal war aus dieser Ausgangssituation zu wenig. Mit einem 10:13 Rückstand des favorisierten Heimteams ging es „zum Pausentee“.

In der 2. Hälfte erstickten die Falcons dieses offensive „Flämmchen“ der Rams wieder. Zwei Field Goals von Falcons Kicker Matt Bryant waren die einzigen Punkte im 3. Viertel und bei den Rams klappte nur ein einziges Field Goal im Schlussabschnitt. Ein vermeintlicher Touchdown der Rams wurde wieder zurückgenommen nach Ansicht der Videobilder, da TE Tyler Higbee den Ball leicht wackeln ließ, als er zu Boden ging. Insgesamt jedoch deutlich zu wenig für die hochgelobte Offense der Vorrunde.

Wie das besser geht zeigten die Falcons mit einem 52 Yard Pass auf Julio Jones und einem Lob-Pass des noch amtierenden MVPs Matt Ryan auf Julio Jones zum 13:26 Endstand. Der NFC-Champion des Vorjahres bleibt also im Rennen um eine Titelverteidigung. Sie dürfen jetzt zu den topgesetzten Philadelphia Eagles reisen – ohne deren Quarterback Carson Wentz. Es könnte schlechter aussehen für die Falcons.

Für die Rams sicher eine bittere Niederlage, aber der Kern des Teams ist jung und mit Top-Spielern gespickt. Es könnte mittelfristig also deutlich schlechter aussehen.


 

TV-Kritik zum WildCard Samstag

TV-Kritik #ranNFL Pro7

 

 

 

 

 

Es begannen Jan Stecker und Björn Werner, gefolgt von Uwe Morawe und Volker Schenk zur 2. Partie.

Der Start verlief holprig, was mir immer besonders gut gefällt: „Gleich sind wir wieder da“… Es dauerte ca. 2 Sekunden. „Wir gehen zur Hymne“… Ach doch nicht. Dann nochmal hier. Ich hab mich als Kind in der Kirche schon immer gefreut, wenn so Kleinigkeiten schief liefen, die letztendlich keinem weh taten.

Jan Stecker addierte gleich mal 6 Punkte bei den Titans hinzu und später dann 7 Punkte.

Er amüsierte mich wie meistens, vermutlich – auch wie meistens – ungewollt. Aber deswegen höre ich „Mr Playcock“ mittlerweile auch so gerne zu.

Björn Werner mit viel Denglisch, aber angesichts seines Hintergrunds die letzten Jahre finde ich das absolut in Ordnung und er brachte viel „Insights“ mit in die Sendung.

Absolut angenehm war die wohldosierte Werbung bei der ersten Partie – gefühlt so wenig wie lange nicht mehr; das war diesmal umso erfreuchlicher, da ja nebenher nicht noch acht andere Spiele liefen, die man in den Werbepausen dann auf dem 2nd Screen verfolgen musste.

Bei Pro7 erklärte Uwe Morawe gleich mal wieder die elementarsten Grundzüge des Spiels, was erneut die Frage aufwirft, welcher Newbie nachts um 02:15 Uhr zuschauen soll… Und dazu noch kein Internet hat, um sich selbst zu informieren. Aber die Frage wird sich nicht zum letzten Mal stellen.

Uwe Morawe übernahm ansonsten nahtlos den Job von Jan Stecker als Unintentional Unterhaltungsmaschine (hab ich grad selbst erfunden – um 02:35 Uhr passiert sowas).

Dazu ungefähr 10x das gleiche GIF in der Timeline, als er „Snoopy Doggy Dogg“ kreierte, wo selbst sein Co Volker Schenk losprusten musste. Die #ranNFL Community in Bestform.

Volker „Mehmet Scholl Stimmdouble“ Schenk musste ansonsten immer wieder mal korrigierend eingreifen, erledigte das aber souverän.

 

 

 

 

 

Held des WildCard Samstag

Derrick Henry, RB, Tennessee Titans

Der zweite Mann hinter / neben dem alternden Running Back DeMarco Murray musste dank dessen verletzungsbedingtem Fehlen eine größere Rolle übernehmen und enttäuschte nicht.

23 Läufe für 156 Yards, 1 Touchdown und noch ein paar Receiving Yards. Er war einer der Gründe, warum die Titans die nach der 1. Hälfte verlorengeglaubte Partie doch noch drehen konnten. Zunächst sah es so aus, als ob Henry auch noch ein spielentscheidendes Fumble gehabt hätte, aber er war bereits vor Verlust des Balls beim Tackle von Peters am Boden, so dass alle Titans-Anhänger durchschnaufen konnten.

Die Chiefs hatten in der 2. Hälfte keine Antwort auf die Läufe von Henry mehr und damit ziehen die Titans in die nächste Runde ein, wo wohl die Patriots warten werden. Auch dort wird eine hervorragende Partie von Derrick Henry (und/oder DeMarco Murray, falls der rechtzeitig fit wird) nötig sein, wenn man eine Siegchance haben will.


 

Der Versager des WildCard Samstag

Pharoh Cooper, Punt/Kick Returner, LA Rams

Zwei Ballverluste im ersten Viertel – da ist es fast egal, was Du im Rest des Spiels schaffst. Absolut inakzeptabel – vor allem, wenn man sieht, wie nachlässig Cooper beim Fumble (Ballverlust #2) das Ei mit einer Hand trug.

Hier zeigte sich die Unerfahrenheit von Cooper und Co – bei den Patriots oder Steelers kann man sich derartige Szenen eher nicht vorstellen.

Der Pharaoh (sehr schönes Twitterhandle übrigens: @KingTutt_chdown) nahm hinterher alle Schuld auf sich, aber die beiden Szenen werden ihn wohl eine Weile verfolgen. Zumindest bekam er moralische Unterstützung einer Rams-Legende:


 

Das Twitteruniversum

Die NFL kann sowas halt – fast so gut wie die #ranNFL Community 😉

Mein Favorit ist eindeutig grumpy Bill Belichick 🙂


Schöne Shots eines der lautesten Stadien der Liga. Die Arena fehlt eindeutig noch in der Liste meiner Besuche.


Ich bin gespannt, ob die Serie hält heute abend… Der Account ist auf jeden Fall ein sehr unterhaltsamer und einen Follow wert.


Ich hatte ja nach den Tips von Roman Motzkus, die er für den Twitterfeed des RANDBREITENverlag aufgenommen hatte, meine eigenen (Wett-) Tips online gestellt:

Der Zwischenstand nach den ersten beiden Spielen:

Touchdown Titans RB Derrick Henry (Quote: 2,37)

Touchdown Rams RB Todd Gurley (Quote: 1,40)

Henry lief zwar vor allem in der 2. Hälfte überragend, aber es dauerte doch relativ lang bis zum Touchdown. Bei Gurley klappte das leider nicht – persönlich hatte ich das für die sicherste Wette gehalten, wenn sich Gurley nicht verletzt (was nicht der Fall war). Morgen gibts noch die beiden anderen. Die müssen dann beide stimmen, wenn es noch was werden soll mit einem Gewinn.

Romans Einsatz wäre bereits weg, da er beide Partien jeweils auf Heimsieg getippt hatte (wie z.B. auch Coach Esume mit seinen „all chalk“ Tipps).


Letzer Punkt: Macht noch mit beim Gewinnspiel (es gibt zwei Bücher Collegefootball 1-0-1 von Nils Müller zu gewinnen) und retweeted einfach diesen Tweet bis Montagnacht (Ihr müsst nur Follower sein)!

Viel Erfolg!

Wie fast immer schönen Dank an @kein_sitzmoebel vom RANDBREITENverlag fürs Korrekturlesen!