Joe Thomas Story

Wer ist eigentlich…Joe Thomas?

Einer der verlässlichsten Spieler der Geschichte und jede Saison im Pro Bowl der Besten – obwohl er in Cleveland spielt. Außerdem nimmt er kein Blatt vor den Mund, wie man gleich zu Beginn lesen kann.

Das Statement von Anfang August 2015 in einem Interview mit ESPN zur nervigen „Ball-Plattmach-Geschichte“ namens „DeflateGate“ bei den Patriots spricht den Anhängern des Titelverteidigers aus der Seele:

„Das ist ungefähr so, wie wenn man in einer 100 km/h Zone mit 102 km/h fährt und dafür die Todesstrafe verhängt wird…was Roger Goodell macht, ist brilliant. Ich weiß nicht, ob er realisiert, dass es brilliant ist, aber das ist es. Er hat es mit seinen haarsträubenden, rächerlichen Hexenverfolgungen geschafft, dass die NFL 365 Tage im Jahr in aller Munde ist. Das Spiel ist populärer als je zuvor und viel mehr zum Entertainment geworden, weswegen es eine Gelddruckmaschine ist.“

Jetzt läuft Thomas aber nicht für die Patriots auf, sondern ist der wohl beste Left Tackle der Liga und spielt bei den Cleveland Browns. Dort ist er für den Schutz des Quarterbacks auf dessen „blinder“ Seite (zumindest wenn der QB Rechtshänder ist) zuständig.

Das Sprichwort „Schlag nicht die Hand, die Dich füttert“ hat er nicht beachtet, aber sein Wort hat Gewicht in der Liga.

Leider sind die Quarterbacks der Browns, die er schützen durfte, in den vergangenen Jahren ziemliche Rohrkrepierer gewesen. Mit der Verpflichtung von Johnny Manziel im Draft 2014 sollte das letzte Saison besser werden, aber der war zum einen schlecht und zum anderen irgendwann in Therapie.

Trotz des Karussells des Schreckens, was die Quarterback Position in seinem Rücken angeht, ist Thomas der Marathon-Mann unter den Spielern der Liga.

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Er wurde im Draft 2007 als dritter Spieler hinter dem Totalversager QB JaMarcus Russell (Raiders) und WR „Megatron“ Calvin Johnson (Lions) gezogen.

Seitdem hat er bis Saisonbeginn 2015/16 nicht eine einzige Angriffsserie seines Teams verpasst.

Nicht eine.

Das sind 7.917 Drives in Folge, bei denen er auf dem Feld stand. Eine unglaubliche Zahl. Und es ist nicht so, dass er zwischenrein nicht auch verletzt gewesen wäre.

Update: auch 2015/16 startete er jede Partie !

Hinzu kommt, dass es ja die Browns sind, für die er aufläuft. Die eigentlich immer Misserfolg haben – der letzte Meistertitel in der Stadt Cleveland (nicht nur im Football, inklusive den Indians beim Baseball und den Cavaliers im Basketball) datiert aus dem Jahr 1954.

Update: die Cavaliers holten tatsächlich im Sommer 2016 sensationell die NBA-Meisterschaft nach 3:1 Serienrückstand gegen die Golden State Warriors.

So gesehen würde man es verstehen, wenn er mal aussetzt, wenns irgendwo zwickt. Aber er befolgt den Rat von WR Joe Jurevicius, einem gebürtigen Clevelander (?), dessen Karriereende zu Beginn der von Thomas lag: „Den Fans ist es egal, ob Du gewinnst oder verlierst. Natürlich wollen sie, dass Du gewinnst, aber was ihnen am Wichtigsten ist, dass Du dir jeden Tag den Arsch aufreisst. Dann stehen sie wie ein Mann hinter Dir.“ (der hervorragende Artikel von Emily Kaplan für den mmqb: If you believe…).

Und das Motto befolgt der Mann. Dabei fiel schon früh auf, dass er „anders ist“ und Rückgrat besitzt.

Seine Frau, damals eine gut aussehende Basketballspielerin am College in Wisconsin (wo Joe Thomas Football spielte), wollte eigentlich nicht mit einem Athleten ausgehen. Aber als der Naturliebhaber fragte, ob sie „mal mit ihm eine Ausfahrt in seinem Kanu machen würde“, konnte sie einfach nicht ablehnen. Sie fand das außergewöhnlich romantisch und mittlerweile sind der Ehe zwei Töchter entsprungen.

Zum Draft werden üblicherweise die Spieler eingeladen, die sich berechtigte Hoffnungen auf eine Wahl in der ersten Runde machen dürfen.

2015 fehlten hiervon einige (wie der an #1 gewählte Jameis Winston), aber 2007 war das noch absolut ungewöhnlich und es fehlte auch nur ein Spieler: richtig, Joe Thomas.

Der zog es vor, mit seinem Vater fischen zu gehen und seinen Verein dann per Handy zu erfahren.

Überhaupt ist Thomas ein absoluter Outdoor-Freak: er jagt, hat eine eigene Farm, die ihm auch schon Probleme eingebracht hat (nach dem Kauf kümmerte sich die von ihm beauftragte Baufirma bei diversen Umbauten nicht um die notwendigen Genehmigungen) und moderiert eine Outdoor-Sendung im Lokalsender.

Aber richtig stark ist er auf dem Football-Feld: er wurde in allen acht Saisons, die er bislang spielte, in den ProBowl der besten Spieler der Liga gewählt. Ein elitärer Club, dem nur wenige angehören.

Man kann nicht oft genug betonen, dass er das in Cleveland schafft mit seinen erfolglosen Teams. Ein Zitat von ihm verdeutlicht das:

„Für ein Team zu spielen, das gewinnt, macht wirklich Spaß. Aber für ein Team zu spielen, das verliert, ist wie auf einem Laufband unterwegs sein – man investiert Energie und arbeitet hart, aber es macht keinerlei Spaß und man kommt nirgendwo hin.“

Leider konnte seine Mannschaft nur in seinem ersten Jahr eine positive Bilanz (10-6 und Playoff-Qualifikation) vorweisen.

Die Schreckensbilanz danach: 4-12, 5-11, 5-11, 4-12, 5-11, 4-12, 7-9, 3-13.

Das zeigt einmal mehr, wie sich Thomas im sprichwörtlichen Hamsterrad abquälen musste, ohne irgendwo anzukommen.

Aber es gibt immer noch nächste Saison. Bestimmt wieder mit Thomas bei allen Snaps auf dem Feld und dann auch im ProBowl im Februar.

Und vielleicht endlich mal wieder eine positive Bilanz. Kaum einer verdient es mehr als Joe Thomas.

Es gab lange Wechselgerüchte um Joe Thomas vor dem Draft 2016; die Browns wollten offensichtlich noch ein paar Draftpicks holen, allerdings wurde man sich letztendlich mit keinem Team einig. Also bleibt Joe Thomas noch mindestens eine weitere Saison.

Was aus der Geschichte mit der fehlenden Baugenehmigung wurde, kann ich nicht sagen. Zumindest das Internet gibts nicht her.

Ich hätte ihm gewünscht, zu einem ambitionierten Team zu wechseln. Aber so muss er wohl die wieder einmal „Übergangssaison“ in Cleveland durchstehen…

 

3 Gedanken zu „Joe Thomas Story

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