Freitag, Juni 14, 2024
Reiseberichte

Der German Bowl 2016 in Berlin

German Bowl XXXVIII Berlin

 

 

 

 

Eigentlich wollte ich ja den German Bowl 38 (für die Nicht-Lateiner) und den NFL-Spieltag in einer Kolumne verwursten. Aber jetzt gibts doch kurzerhand kurz vor Mitternacht aus dem Neuköllner Hotel eine eigenständige Kolumne zum „Deutschen Super Bowl“, damits morgen nicht zu lang wird.

Wir waren übrigens 2009 beim „Super Bowl der USFL“ in Las Vegas (so nannten es die verzweifelten Schwarzmarkthänder) … die Liga gibts mittlerweile schon länger nicht mehr. Vielleicht sollte ich vorsichtig sein mit dem Ausdruck „Super Bowl“. Aber in der Abschlusspressekonferenz wurde zumindest bekannt gegeben, dass der German Bowl auch 2017 an gleicher Stelle stattfindet – nicht zuletzt wegen der günstigen Konditionen im Vergleich zu anderen Stadien.

Das Drumherum ist in Berlin ja sowieso perfekt: beim Weg zum Stadion durch den Mauerpark gelaufen und wieder einmal gestaunt, wer auf die Idee kam, dass sowas eine gute Idee wäre (also die Mauer, nicht die Gedenkstätten).

Vor der Arena gab es noch eine Hochbahn zu bestaunen (der „Magistratschirm“) und am Vorplatz eine kleine Ansammlung von Bühne und (Promotion-)Ständen, die entfernt an die Pregame Geschichten der Frankfurt Galaxy erinnerten (Gott hab sie selig).

Luft nach oben gibt es trotzdem noch: ein paar amerikanisch angehauchte Foodtrucks und Merchandising-Stände würden gut passen und wären sicher auch nicht teuer (bzw. bringen mehr Einnahmen, Headnod an Björn Hesse – wir haben da mal kurz rumgesponnen nach dem Spiel).

Dank der Huddle-Connections durfte ich die Infrastruktur des Pressebereichs nutzen (danke an den Chefredakteur Michael Auerbach) und so den überlebensnotwendigen Strom zum Twittern und Schreiben beziehen.

Ansonten ist das Stadion für die Größe des Events genau richtig und präsentierte sich mit nur minimal technischer Hilfe hervorragend:

Spielbericht Schwäbisch Hall Unicorns – New Yorker Lions Braunschweig

Ich hatte mich im Vorfeld nur unzureichend mit den Rostern beschäftigt. Ums vorsichtig zu umschreiben. Die 5-stündige Zugfahrt am Morgen erlaubte zumindest einen kurzen Einblick in die Stats, aber eigentlich ging ich komplett unbelastet in die Partie.

Nach zwei Siegen in Folge der vom örtlichen Bekleidungsverkäufer gesponsorten Braunschweiger hielt ich minimal zu den Südvertretern aus Schwäbisch Hall, die vom Elternhaus nur so 100 km entfernt sind (trotzdem war ich zu meiner Schande nie da). Außerdem haben sie mit „Einhörnern“ einen der selteneren Teamnamen, was sie die kleinen Fabeltiere gleich noch interessanter macht.

Neben mir saß der Vertreter der Braunschweiger Zeitung, der mir dankenswerterweise einen tieferen Einblick ins Team der Löwen gewährte.

Anfangs der Partie sah das beim Titelverteidiger deutlich besser im Angriff aus als beim Herausforderer aus dem Süden. Der erste Drive endete jedoch mit einer Interception von QB Casey Therriault durch DB Köppe in der Endzone.

Bis zu Beginn des zweiten Quarters tauschte man jeweils Punts aus, wobei die Braunschweiger einen Tick besser zu sein schienen; nach einem vergebenen Field Goal Versuch Schwäbisch Halls durch Defensive End (!) Rauch aus 33 Yards belohnten sich folgerichtig die Lions mit einem Touchdownlauf durch RB McCants zum 7:0.

Im nächsten Drive folgte jedoch prompt der Ausgleich, nachdem man zunächst ein paar Strafen erdulden musste, aber dafür dann auch sehenswerte Catches von WR Adegbesan – ein 208 cm großer Receiverriese – bestaunen durfte. Vollendet wurde durch einen 4 Yard Lauf von RB Rycraw.

Das unterhaltsame zweite Viertel brachte auf jeder Seite noch einen Touchdown (ein weiter Pass von Therriault auf Bollmann und ein super Spin Move beim Lauf von RB Bilal zum erneuten Ausgleich).

Die New Yorker…ähem…Braunschweiger starteten mit Angriffsrecht in der 2. Hälfte und holten sich in einem schönen Drive auch prompt die Führung durch einen Lauf von RB McCants mit seinem zweiten Touchdown zurück.

Das optische Übergewicht der ersten Hälfte schien sich fortzusetzen. Interessant wurde es mit einem Stripsack an Schwäbisch Halls Quarterback Ehrenfried an der eigenen 15 Yard Linie (oder Meter-Linie…hab beides oft gehört heute). Mit einem 28 Yard Field Goal von Kicker Goebel betrug die Führung erstmals mehr als einen Touchdown.

Mit der Öffnung des Playbooks schienen auch die Angriffsaktionen der Haller (Schwäbisch Haller?) plötzlich an Gefährlichkeit zuzunehmen. Mit zwei Field Goals verkürzte man zunächst auf 17:24 und im nächsten Drive auf 20:24.

Die Entscheidung fiel in der nächsten Angriffsserie der Braunschweiger: bei einem 3. & 15 erlief McCants die fehlenden Yards und holte ein neues First Down. Mit einem Stop kurz vor Spielende – es waren etwas mehr als 5 Minuten noch auf der Uhr – hätte man mit einem Touchdown die Partie gewinnen können.

So fiel in diesem Drive dann ein weiterer Touchdown nach Pass von Therriault auf TE Landi zum Endstand von 31:20.

Eine allemal unterhaltsame Partie, die einen insgesamt verdienten Sieger fand und der mit 3 Titeln in Folge quasi das Bayern München des deutschen Footballs ist.

Nachgereicht wurde noch die Zuschauerzahl von 13.047, die für Berlin die Bestmarke darstellt.

 

 

 

 

TV-Kritik

 

 

 

 

Die #ranNFL – Protagonisten waren in großer Zahl hier vertreten, wenn auch für den ungewohnten „Fremdsender“ Eurosport. Also zumindest Jan Stecker und der auch 5 Tage nach seinem Expertendebut in London noch arbeitssuchende Björn Werner (im Tweetbild hier links noch Andreas Renner von Sky, der auch schon immer mal NFL durfte).

Darüberhinaus gab Roman Motzkus den Stadionsprecher; diesmal musste er auch kein Debakel (wie bei meinem Gastspiel in Berlin vs die Monarchs Berlintrip 1) begleiten, sondern eine jederzeit enge Partie, was ihm sichtlich besser gefiel.

Darüberhinaus schaffte es der Spezialist für Statistiken auch hier welche einzubauen (bei den Mannschaftsvorstellungen ein wahres Fest – Siegdifferenz im Schnitt etc.); nur die Frage nach Tür und Dach offen / zu stellte sich hier nicht.

Dafür gelang es ihm auch noch meine Twitterfrage quasi live zu beantworten, nachdem ich eine Millisekunde unaufmerksam war. Respekt!

Heute jettet er dann gleich nach München, um die Bengals und Cowboys zu kommentieren. Das Miles and More Konto wächst. Ich werde mich dafür in seiner Stammkneipe herumtreiben, die er mir dankenswerterweise für die anstehende NFL-Übertragung empfohlen hat.

Helden

 

 

 

 

QB Casey Therriault, New Yorker Lions, 371 Yards, 2 TD / 1 INT

Über die Wahl konnte man sicherlich diskutieren: neben der Interception kassierte er noch den ein oder anderen Sack, so dass er mit 8 Rushes (inkl. Victory Formation) auf -19 Rush Yards kam.

Die Geschichte dahinter, die ich aber dann bei der Pressekonferenz gehört habe, ist jedoch außergewöhnlich.

Er wurde in dieser Saison zu den Playoffs eingeflogen, nachdem der eigentliche Starter verletzt ausfallen musste (zwei Gehirnerschütterungen in einem Monat).

Ich musste ihn dann gleich mal fragen, ob er neben dem Telefon gesessen war und nur auf einen Anruf aus Braunschweig gewartet hat (nein). Ich ging natürlich davon aus, dass er „drüben“ gespielt hat und somit in Topform war. Er gab allerdings an, dass er lediglich Fitness Workouts absolviert hatte und erst nach dem Flug aus Michigan in Deutschland wieder mit dem Werfen begann.

Dafür hats auf jeden Fall ganz gut geklappt – und das mit einer MCL-Verletzung (die Knieschiene war mir erst nach Spielende aufgefallen).

Das solls für heute erstmal gewesen sein (ist ja auch schon fast halb 2…). Morgen dann Spiel #1 von #ranNFL (Patriots @ Bengals) und die Spielberichte für Spiel #2 (Bengals @ Cowobys) und das Spiel der Eagles bei den Lions bei http://football-aktuell.de