Dienstag, Mai 28, 2024
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Bradys Return

Es war das meisterwartete Hauptrundenduell der letzten Jahre. Und natürlich musste auch ich die Rückkehr von Tom Brady an die Stätte seiner größten Erfolge anschauen. Der verlorene Sohn in Foxborough, wo er sechs Titel und unzählige Erfolge feiern durfte.

Atlanta Patriots Rams

Auch meine Football-Fan-Geschichte ist untrennbar mit Tom Terrific verbunden, meine Man Cave ziert zum Beispiel ein 80×60 cm großes Acrylbild, wie er den „28:3“-Titel bei

Super Bowl LI auf der Bühne feiert. Und rund um meinen Besuch bei Super Bowl LIII durfte ich ihn – zumeist aus der Ferne – live verfolgen.

Ich hatte schon in den 90ern immer versucht, Spiele im Fernsehen zu verfolgen, mit Abschluss meiner Ausbildung, gleichzeitiger erster eigener Wohnung, Premiere und Internetzugang wurde ich zum Brady-Fan, der als absoluter Nobody in „meiner ersten richtigen Saison“ 2001 die Footballwelt auf den Kopf stellte.

Den Patriots drücke ich weiterhin die Daumen, aber ich bin sicher alles andere als ein Hardcore-Fan. Was wohl auch mit meiner Arbeit für HUDDLE und Co zu tun hat, wo ich doch zumeist halbwegs unparteiisch berichten möchte.

 

Pregame

Die zentralen Fragen vor der Partie waren:

Q1: Wie wird das Publikum Brady empfangen, wenn er „sein“ Stadion betritt?

Q2: Wann wird der Rekord von Drew Brees mit den meisten Passyards der Karriere fallen (Brady fehlten nur 68, um den für die Ewigkeit aufzustellen)?

Q3: Wird es eine Umarmung von Belichick mit seinem ehemaligen Musterschüler nach Spielende geben?

Die erste Frage ließ sich weit vor Spielbeginn beantworten: Die Ticketpreise hatten für ein Hauptrundenspiel astronomische Höhen erreicht. Für eine reguläre Karte wurden wenige Tage vor dem Spiel um die 1.600 Dollar aufgerufen. Preise, die sonst fast nur für einen Super Bowl fällig werden.

Und trotz strömendem Regen strömten die Fans schon weit vor Spielbeginn ins Stadion. Üblicherweise kann man zu diesem Zeitpunkt die Fans fast abzählen, diesmal befanden sich laut Al Michaels bereits 70 Prozent im weiten Rund des Gillette-Stadiums. Und waren mehrheitlich wohlgesonnen gegenüber ihrem verlorenen Sohn. Der joggte – wie jahrelang üblich – die Länge des Felds entlang und ließ am Ende sein typisches „Let’s goooo!“ inklusive Armbewegung unter dem Jubel des Publikums sehen.

 

Zum Spiel Patriots – Buccaneers 17:19

Bei den Gästen merkte man über das Spiel vor allem das Fehlen von TE Rob Gronkowski, der aufgrund einer Rippenverletzung nicht mit Brady zur Stätte gemeinsamer Erfolge reisen konnte.

Beide Teams taten sich im Regen schwer und vor allem die beiden Verteidigungsreihen kontrollierten das Spiel. Ein Jacobi Meyers Fumble wurde von den Refs wieder zurückgenommen. Linebacker Shaq Barrett hatte den Ball freigeschlagen, aber für die Schiedsrichter hatte Meyers wohl noch keine Kontrolle gehabt (für mich schon).

Wide Receiver Mike Evans war der Spieler, der dann den Rekord für die Ewigkeit von Tom Brady sicherstellte: Als TB12 noch genau 28 Yards fehlten, war er für einen 28-Yard Catch zur Stelle.

Als es dann weiterging, stand am Ende des Drives nur ein Field Goal von Kicker Succop aus 29 Yards zum 0:3.

Für das nächste Highlight der Gäste sorgte die Defense: Mac Jones warf im Angesichts des drohenden Sacks durch die Mitte, aber er fand lediglich Bucs Passverteidiger Antoine Winfield Jr für eine Interception. Ein weiter Pass auf Antonio Brown (so etwas wie ein semi-Rückkehrer, denn er absolvierte 2019 nur eine Partie für New England, bevor ihn die entließen) brachte die Patriots an die Redzone, aber mehr als ein 36 Yard Field Goal-Versuch blieb erneut nicht übrig. Und den zog Kicker Succop auch noch rechts am Gestänge vorbei.

Im folgenden Drive sah man dann erstmals den neuverpflichteten Cornerback Richard Sherman – aber nur mit einer (sehr diskutablen) Strafe.

TE Hunter Henry brachte New England am Ende mit 7:3 in Führung durch einen Pass aus 11 Yards.

Matt Judon brachte Tom Brady erstmals per Sack zu Boden – es sollte der einzige bleiben, aber Judon fiel auch aufgrund seiner roten Ärmel ständig mit Druck auf Brady auf. Mit Sicherheit gab es aber nie mehr Jubel bei einem Sack an Brady in Foxborough.

Ein Double Pass von Mac Jones zu Jacobi Meyers zu Brandon Bolden konnte von den Buccaneers knapp vor dem Erreichen eines neuen First Downs kurz vor dem Two Minute Warning gestoppt werden. Bill Belichick griff an diesem Abend gleich mehrmals in die Trickkiste, um sein Außenseiterteam (das gab es zuhause eher selten) in der Partie zu halten.

Zwei Minuten Zeit für Brady? Eine Ewigkeit, wie er an gleicher Stelle schon oft demonstriert hatte. Pässe zu Chris Godwin und Co brachten die Buccaneers an die Endzone, aber erneut blieb nur ein Field Goal-Versuch aus 44 Yards, der auf 7:6 zur Halbzeit stellte.

Ein weiter Pass auf Antonio Brown durch die Mitte wurde durch eine absolut berechtigte Strafe wegen Hands-To-The-Face zunichtegemacht und die Patriots bekamen den Ball. Jedoch nicht lange: Antoine Winfield Jr riss den Ball aus den Händen von Taylor, Richard Sherman sicherte ihn und schon durfte Brady wieder aufs Feld. Jedoch auch wieder nur kurz. Ihm merkte man das Fehlen von Gronkowski an und in Verbindung mit dem Wetter entwickelte sich eine enge, aber offensiv alles andere als hochklassige Partie.

Gegenüber kassierte Mac Jones allerdings einen Sack nach dem anderen.

Den ersten Touchdown für die Gäste erlief dann Ronald Jones II – mit nur noch 3:30 Minuten im dritten Viertel zu spielen. Den späten Zeitpunkt hatte man so sicher nicht erwarten können.

Ein schöner Pass auf Damien Harris, einige Laufspielzüge und schon standen die Patriots an der 1 Yard-Linie der Buccaneers. Ein Play Action Pass zu TE Jonnu Smith, der zweiten hochpreisigen Tight End Verpflichtung der Offseason, brachte die 14:13 Führung, die jedoch kurz darauf ein weiteres Field Goal von Succop aus 27 Yards zum 14:16 wieder zurückholte.

Die Patriots griffen erneut in die Trickkiste und zogen ein Razzle Dazzle heraus: QB Mac Jones zu RB Harris, der pitcht zu WR Meyers und der wirft weit nach rechts zu WR Nelson Agholor. Ein Spielzug, bei dem alles präzise passen muss – nicht nur im sprichwörtlichen Sinn – klappte und brachte 30 Yards Raumgewinn.

Der Lohn war ein 27 Yard Kick zum 17:16 gut viereinhalb Minuten vor dem Ende. Der genügte jedoch nicht: Zwei weite Pässe mehr oder weniger knapp in die Endzone von Brady kamen nicht an, aber ein hineingezittertes Field Goal von Succop aus 48 Yards genügte zum erneuten Führungswechsel.

Den Patriots blieben knapp zwei Minuten Zeit, die Partie zu drehen. Ein Satz, den man gefühlt schon hundertmal gehört hat und der irgendwie immer mit einem knappen Sieg endete. Mit Tom Brady.

Diesmal jedoch nicht: Kicker Nick Folk musste aus 56 Yards im Regen die Entscheidung bringen. Sein Kick fiel jedoch zu kurz zu Boden und so durfte Brady, dem kein Touchdownpass gelungen war, zur Feierrunde aufbrechen.

Ein hart erkämpfter Sieg, der die hohen Erwartungen angesichts des Wetters, flaggenwerfender Schiedsrichter um Bill Vinovich, die mehrmals daneben lagen, und starker Defenses nicht unbedingt erfüllen konnten.

Brady wird es angesichts des Siegs nicht gestört haben.

Aftergame

Anschließend ging Belichick für handgestoppte 23 Minuten in die Kabine der Gäste, um sich mit Brady auszutauschen.

Spiel lala, aber das Ergebnis insgesamt eine runde Geschichte bei Tom Bradys Heimkehr. Ich war zufrieden (auch wenn die Wetten nicht wirklich stimmten, was angesichts der Scores in den frühen Spielen schon egal war).

Tom und ich haben viele schlaflose Nächte gemeinsam verbracht. Diese war sicher nicht die schlechteste.

(Ja… das sollte so klingen *g*)