Samstag, Juli 13, 2024
Season

Familientrip zum Super Bowl

Vorwarnung

Eine Warnung gleich mal vorab (im englischen gern „Disclaimer“ genannt): wir waren auf einer Super Bowl Party, die an ein Oktoberfest erinnerte (minus die Blasmusik) und die Getränke „frei“ waren. Daher gibts die Kolumne heute später wie gewohnt, aber wenn nicht beim Super Bowl, wann dann?

Zudem liegt der Fokus diesmal mehr auf unserem Ausflug und (leider) weniger auf der Übertragung bei ran (hat sich in den USA noch nicht durchgesetzt) bzw. den Reaktionen der deutschen Zuschauer bei Twitter – Internet war nämlich nicht auf der Party.

Ich weiß übrigens noch genau, was ich getrunken hatte (zu viel). Die mehr als sonst üblichen Rechtschreibfehler und sonstigen Schwächen bitte ich mir zu melden, damit ich sie nach gegebener Zeit – frühestens übermorgen – ausbessern kann (mittlerweile sollte ich alle gefunden haben…).

Danke #1!

Vor DEM Spiel     

Für die, die es zwischenzeitlich noch nicht mitgekriegt hatten – wir haben uns den Super Bowl als Familienausflug in Las Vegas gegönnt.

Am Samstag ging es von München über Newark nach Sin City, wo wir um 18:00 Uhr Ortszeit landeten.

 

 

 

 

Auf dem Flug gab es NFL Network und ESPN, wo es mit einer kleinen Ausnahme nur um den Super Bowl ging. Die Ausnahme? Johnny Manziels neueste Eskapaden…ansonsten dominierte die NFL wie gewohnt.

 

 

 

 

 

 

Das erste Willkommensschild gibt es gleich am Flughafen, das mittlerweile weltberühmte Las Vegas Sign haben wir uns aufgrund der etwas strapaziösen Anreise von 27 Stunden „door-to-door“ für den Folgetag aufgehoben.

Ein kurzer Spaziergang zum Auflockern der Muskulatur durfte trotzdem nicht fehlen, auch wenn es nach deutscher Ortszeit mittlerweile bereits wieder Morgen war und ich stolze 2×10 Minuten auf dem Flug geschlafen hatte. Natürlich interessierten mich vor allem auch die Sportsbooks – der Sportwettenbereich der Casinos.

 

Wir waren im Märchenschloss Excalibur abgestiegen, das zwar etwas in die Jahre gekommen ist, aber dessen Lage am Strip sich hervorragend für Ausflüge zu Fuß eignet. Das Sportsbook hier war am Abend vor dem Spiel nur übersichtlich gefüllt und man hätte einen der bequemen Ledersessel ohne Probleme okkupieren können. Aber ich wollte ja noch etwas sehen von „meiner“ Stadt.

 

Gerade noch rechtzeitig zum Super Bowl und mit Sicherheit großem finanziellen Aufwand wurden die Sportsbooks im Monte Carlo (nach Renovierung) und im Cosmopolitan (Neubau) fertiggestellt. Ich würde hier sofort einziehen, wenn ich zu Hause rausfliegen würde. Das schlägt meine Man Cave doch um Längen. Wetten kann man übrigens nur mit Bargeld oder Jetons – einer der wenigen Orte in den USA, wo keine Kreditkarte akzeptiert wird.

Da aber die Buchmacher auf irgend welchen fernen Inseln schon genug Geld von mir hatten, suchte ich nicht extra einen Bankautomaten zur Bargeldbeschaffung. Übrigens für meine Verhältnisse viel – das sind dann nicht einmal 200 Euro auf 16 verschiedene Einzelereignisse (bis hin zur Länge der Nationalhymne – über 230.5 Sekunden).

Für amerikanische Wettverhältnisse ist das mehr als lächerlich. Wenn man einen der gezeigten Ledersessel für die Spielübertragung nutzen möchte, so muss man mindestens fünfstellig wetten – und das nicht im niedrigen Bereich. Da ich aber gerade mal keine 100.000 Euro rumliegen hatte, fiel die Option „Super Bowl im Sportsbook“ aus.

Kaum ist man mal 6 Jahre nicht in der Stadt, dann ziehen sie noch eine ganze Reihe neuer Hotels noch. So gibt es mit dem Aria / Vdara, Cosmopolitan und einigen mehr am Strip etliche Neuzugänge. Immer wieder beeindruckend, wie viel Geld hier umgesetzt wird.

Der Spieltag – das Drumherum

Am Morgen – das Spiel beginnt hier Ortszeit 15:30 Uhr – ging es erst einmal zum Shoppen in eins der beiden großen Outlet Center „um die Ecke“ (ein für Amerikaner weit gefasster Begriff, der auch mal Fahrtzeiten von einer Stunde umfassen kann). Auch hier ließen sich überall Hinweise auf das „Big Game“ finden, wie es in der Umgangssprache genannt wird.

 

 

 

Außerdem stand für uns ja noch das Las Vegas Sign auf dem Programm. Mittlerweile ist der Parkplatz dort befestigt und die Schlange mit allerlei skurrilen Gestalten ziemlich lang. Gefühlt hatten sich die Village People auf 50 potenziert und standen alle an.

Nachdem uns das etwas zu langatmig war, gab es nur den „Seitenblick“ bei bestem Wetter. Mein Patriots – Shirt provozierte übrigens kaum Reaktionen: nahezu jeder Zweite trug irgendwelche Fanartikel quasi aller Teams (gut – von Jacksonville hab ich nichts gesehen, aber das verwundert auch nicht wirklich) und trotzdem führt das zu keinerlei Problemen oder Gepöbel. Bei König Fußball in Deutschland leider undenkbar.

Wir machten uns dann zeitig auf den Weg zu unserer Super Bowl Party in einem brasilianischen Steakhouse namens „Pampas“ in den Miracle Mile Shops im Planet Hollywood.

Dabei kamen wir auch an unserem Sportsbook – von den beiden fotografierten oben das erste Bild – vorbei, wo die Schlange mit Wettwilligen ungefähr 50 Meter lang war. Hätte man auch mal vorher machen können…

Vor dem Spiel noch die kurze Werbeunterbrechung für mein Amazon-Banner: so ein Ausflug kostet Geld und je mehr Leser ihre sowieso geplanten Einkäufe über den Link bei Amazon tätigen, desto eher reicht das Geld für den Rückflug. Euch kostet es keinen Cent mehr. Danke #2!

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Super Bowl Übertragung und Party

A propos Schlange: die hatten wir dann auch. Ich hatte für 4 Personen reserviert und wir sollten spätestens um 15:00 Uhr vor Ort sein, was wir natürlich als brave Deutsche pflichtgemäß in die Tat umsetzten.

Ungefähr 80 Meter trennten uns bei der Ankunft um 14:45 Uhr von der Tür. Und alle hatten reserviert, wie ich sogleich erfahren durfte. Wahnsinn. Der einzige Vorteil war, dass man die Vorberichterstattung inklusive des Auftritts der MVPs von Super Bowl I – XLIX sehen konnten (die 49 musste ich jetzt tatsächlich googeln; ein weiterer Beweis, dass 9 Jahre Hardcore Lateinausbildung bei mir total für die Katz waren). Hat mich übrigens überrascht, dass auch Tom Terrific Brady anwesend war. Aber nachdem Roger Goodell nirgends zu sehen war, ging es ohne offene Konflikte aus (nochmal danke für DeflateGate Roge).

Wir wurden dann gerade rechtzeitig vor „America the beautiful“ in einen Saal gelassen, der mehr als eng bestuhlt und mit 3 TV (55 Zoll) ausgestattet worden war. Vorher wurden wir noch um 65 Dollar pro Nase erleichtert, was so mit das Billigste ist, was für eine Übertragung zu haben war. Ich hatte wie erwähnt im Vorfeld recherchiert und der Durchschnittspreis lag bei 200 Dollar…ohne Steuer von 8 Prozent. Ich für mich hätte mir das zur Not grade noch vorstellen können – ein Mal im Leben – aber wir waren ja eine Reisegruppe mit unterschiedlich hohem NFL-Interesse (bis zu knapp über 0).

Das Schlangenproblem setzte sich hier fort – alle Welt wollte gleich mal ans Buffet stürmen (das übrigens neben vielen Salaten auch Gameday Specials wie Wings, Chilli und Rippchen umfasste). Ich musste stattdessen die Hymne mitstoppen, was allerdings nicht gelang. Mittlerweile hab ich gelesen, dass es durchaus unterschiedliche Auffassungen bei den Buchmachern gibt, wie lange sie dauerte. Einig ist man sich aber, dass Lady Gaga es wirklich gut gemacht hat. Spontan brandete übrigens Jubel auf, als die amerikanischen Soldaten in Afghanistan eingeblendet wurden. Auch bei uns undenkbar.

Die Stimmung wurde mit zunehmender Spieldauer immer besser, was zum Einen daran lag, dass die Broncos Anhänger 4:1 in der Überzahl waren (wie in der gesamten Stadt – eigentlich sah man gefühlt nur Denver Fans), und zum anderen daran, dass es „All You Can Drink“ neben dem Essen gab.

Von den Kommentatoren bekam man daher überhaupt nichts mit, was ich aber diesmal verschmerzen konnte, da ich kein Fan des CBS-Vorzeigeduos Jim Nantz / Phil Simms bin. Der einzige Vorteil bei deren Übertragungen ist für mich immer der Fake Twitter Account „Phil Simms Quotes“ (@PhilSimmsQuotes), der das Spiel unterhaltsam gestaltet – ähnlich wie es hierzulande der „Ableger“ „Fake Jan Stecker“ (@FakeJanStecker) schafft.

Twitter gab es wie Internet leider nicht – ein Problem, wenn man so abhängig ist wie ich vom Internet und es gewohnt ist, ungefähr drei Sachen parallel zu machen. So blieben nur auf-den-TV-starren und Trinken übrig. Eine ganz neue Erfahrung. Oder eine ganz alte – vor 20 Jahren hab ich das wohl schon so gemacht, ist aber irgendwie in Vergessenheit geraten.

Einen Spielbericht spar ich mir an dieser Stelle: wer so weit gelesen hat, hat das Spiel sicher im TV verfolgt und wahrscheinlich auch besser gesehen als ich bzw. den erklärenden Kommentar dazu gehabt.

Nur so viel: ich hatte etwas mehr Geld im Vorfeld auf die Panthers gesetzt, weil die Quote erstaunlich gut war und ich mir vor allem nicht vorstellen konnte, dass die Defense der Broncos noch einmal zu so einer überragenden Leistung wie gegen die Patriots zwei Wochen zuvor fähig sein würde.

Ich lag falsch. Ganz falsch. Mea culpa.

Ich hatte dann kurz vor Schluss eine lebhafte Diskussion mit dem Nebentisch, der ja nur 10 cm entfernt war, wer MVP werden würde. Wir waren uns einig, dass es wohl ein Defender werden muss (schade – hatte auch auf Kicker Brandon McManus einen Euro im Vorfeld bei einer 201er Quote gesetzt). Ich hatte auf DeMarcus Ware gehofft, aber letztendlich wurde es mit Von Miller der Mann, der die ganze Saison über überragende Leistungen gebracht hatte.

Zwischenzeitlich wurde uns übrigens unser wirklich sehr netter Tischnachbar samt Begleiterin von der Security entfernt; er war deutlich alkoholisiert, aber kein bißchen so, dass er irgend jemand beeinträchtigt hätte. Also soweit ich mich erinnern kann; bei der Alkoholisierung konnte ich nicht ganz mithalten, aber wer weiß, wer als nächster einen Platzverweis bekommen hätte. Trotzdem in Deutschland unvorstellbar, dass jemand so zeitig entfernt wird.

Mit dem Schlusspfiff brachen die Broncos Anhänger dann noch einmal in kollektiven Jubel aus und verlegten ihre Feier auf die Straße, wo sich wildfremde Leute in den Armen lagen. Hätte mich interessiert, wie das zeitgleich in Denver und Umgebung abgelaufen ist, aber das war schon sehr genial.

Ich machte mich stattdessen mit meiner geschafften Reisegruppe – der Jetlag ist voll am Laufen – zurück ins Hotel, um noch etwas zu schreiben.

Eine blöde Idee. Der ein oder andere ist ja sowieso schon der Meinung, dass ich nur Krampf fabriziere (ich blicke in Richtung der deutschen Facebook Gruppe des Teams aus Washington), aber so schlimm war es wirklich noch nie.

Nach ungefähr 30 Minuten, dabei drei Mal einschlafen, hab ich dann aufgegeben und stattdessen um Ortszeit 02:00 Uhr einen neuen Versuch gestartet – nach fünf Stunden Schlaf und vor allem mit weniger Alkohol in Blut und Hirn.

Den um 21:00 Uhr geschriebenen Text stell ich mal nahezu ungekürzt hier rein:

„Die Kellnerin bringt andauernd alkoholische Getränke, obwohl man das nur widerwillig akzeptieren kann und aufgrund des Preises auch muss.

Wir schafften es gerade so pünktlich in das Restaurant – aber nicht ohne Ärgernisse. Letztendlich hat es dann schon irgendwie gepasst, auch wenn wir uns nicht des Eindrucks erleben konnte, dass wir eben nicht im Hilton abgestiegen waren.

Und bitte nicht vergessen, dass wir eben nicht im Hilton abegestien sind, sonder in einer Sortgaststätte mit unrigen Fans.“

Keine Ahnung, was der Autor hier ausdrücken wollte.

Ach so, war ja ich.

Ok – immer noch keine Ahnung.

Mein Fazit: die Übertragung war auf jeden Fall ein Erlebnis – mit Höhen und Tiefen. Spaß hat es allemal gemacht und dafür hat auch der Preis gepasst. Ob ichs nochmal so in der Art machen würde, weiß ich nicht, weil es mit dem Schreiben hier wirklich sauschlecht in Einklang zu bringen ist. Hätte ich das Spiel nur als Zuschauer dort gesehen, wäre ich auf jeden Fall zufrieden gewesen. Gute Stimmung, Alkohol bis zum Abwinken – was will Mann mehr?!

Übrigens war eine größere Abordnung Raiders-Fans mit anwesend, die ab und zu mal ihr „Raiiiiiiiiiiiiiderssssssss“ anstimmten (ohne dass dies irgendwie unpassend war). Das Gerücht, dass die Franchise nach dem ziemlich sicheren Aus für ihre Los Angeles Pläne jetzt Interesse an einem Umzug nach Las Vegas hätte, hielt sich auch hier.

Rich Eisen hatte dazu in seinem Podcast auch Roger Goodell befragt, aber der hatte sich wie immer auf keine Antwort festlegen lassen – nur das übliche bla, bla.

Fakt ist: sollten die Raiders wirklich irgend wann einmal nach Sin City umziehen, dann würde mein jährlicher London Trip etwas weiter westlich gehen müssen in „meine Stadt“. Vorstellen kann ich es mir aber eher nicht.

 

 

 

Ein bisschen Twitter gibts noch aus dem Vorfeld…

Lamar (@lamar84) war beim Super Bowl XXV (25 für die Nicht-Lateiner) in Tampa. Unglaublich wie sich die Zeiten ändern: ein Ticket kostete Stand Samstag bei SeatGeek für #SB50 mindestens 3.142 Dollar…damals kostete die komplette Reise mit allen Transfers, Disneyland und etlichem mehr…2.800 DM. Das nenn ich mal eine Kostenexplosion. Sicher eine Erinnerung, die einem keiner mehr nehmen kann und ein Lebenshighlight.

 

 

Aus der Reihe: „Fragen, die nur Dave Dameshek stellt“ – wer würde einen Kampf zwischen einem Panther und einem Bronco gewinnen? Mittlerweile sind wir schlauer – anscheinend der Hengst.

Dave Dameshek ist einfach der Mann für die harten Interviews und Fragen. Unvergessen, als er vor Jahren beim Media Day die Spieler der beiden Teams gefragt hat, ob das für sie ein „Must-win-game“ ist.

Die planlosen Gesichter der Interviewten waren unbezahlbar (Dave hat übrigens seinen eigenen Podcast bei nfl.com, den ich mir aber nur ab und zu gönne).

Zu Zeiten, als das Internet im Outlet noch ging, gabs anscheinend in Deutschland gleich einen schönen Schmi-So Versprecher zum Auftakt. Aber der Mann hat Recht – auch für mich war es der schönste Tag des Abends. Auch wenn es noch Vormittag war.

Ich find das symphatisch – genauso wie ihn. Noch mal eine Chance mein Interview vom Wochenende mit ihm zu promoten – ein „must read“ für alle, die schon immer mal wissen wollten, wie so eine Übertragung abläuft, was seine Lieblingsspieler sind und mehr: Link

Zur Halbzeitshow kann ich gar nicht viel schreiben – die Stimmung übertönte die Musik. Meine Wette, mit welchem Lied Coldplay eröffnen würde, war leider falsch (war wohl doch Viva la vida wie meistens), und auch die Wette „mehr oder weniger als 3.5 Auftretende“ ging mit drei Teilnehmern (Coldplay, Beyoncé und Bruno Mars) anders als erwartet aus (der Jay-Z ist aber auch ein träger Mensch *g*).

Mit der optisch ansprechenden Beyoncé beschließ ich dann diese ausführliche Kolumne. Wer trotzdem noch mehr über unseren Trip lesen will – im nächsten Huddle wird wohl ein Bericht von mir mit drin sein.

Ansonsten werden wir uns heute mal mit Wandern und Steaks näher beschäftigen müssen…no more bets please, no more bets (oder doch noch ein paar wenige *g*).

final Danke fürs Lesen!

Viva Las Vegas !

dumdi