Donnerstag, Juni 20, 2024
Interviews

Roman Motzkus und Carsten Spengemann

Ich durfte im Dezember ein Interview mit Roman Motzkus und Carsten Spengemann – aka Spengekus – führen. Ein Teil davon erschien im HUDDLE, ein Teil im #PODCArSTen 78. Nachdem es aber vereinzelte Stimmen gab, dass auch das GANZE Interview von Interesse wäre, stelle ich es jetzt hier „minimal zeitverzögert“ komplett ein. 

Natürlich trifft nicht mehr alles zu (kleiner Hint: alle Super Bowl Tipps lagen weit daneben), aber nichtsdestotrotz sollte es noch passen. Seit wann Carsten und Roman sich kennen, wie sie sich vorbereiten, wie ein Sendewochenende abläuft, ihre Charity und und und… Ohne weitere Vorrede – here we go: 

Spengekus
Carsten Spengemann; Roman Motzkus / Copyright: ProSieben Wolf Lux / Fotograf: Wolf Lux

Die Anfänge

Carsten Keller: Hallo Carsten, Hallo Roman. Schön, dass das mit dem Interview geklappt hat.

Roman Motzkus: Ja, sehr gerne doch – wie immer!

Carsten Keller: Ihr seid ja jetzt schon ne ganze Weile so ein „Footballpaar“ -würde ich es jetzt mal nennen. Die Fans haben extra für euch noch eine Abkürzung erfunden namens „SpengeKus“. Kanntet Ihr Euch vor ran schon persönlich, gab es vielleicht schon irgendwelche gemeinsamen Projekte oder habt Ihr Euch tatsächlich dort erst kennengelernt?

Carsten Spengemann: Ich hab hier netterweise von einem alten Schiedsrichter, der irgendwann bei einem ran-Event ankam, einen Spielberichtsbogen, wo Kollege Motzkus draufsteht und wo ich auch drauf stehe – allerdings nicht in einem Team. Daher kannten wir uns. Ich fand ihn immer sehr unangenehm, weil er war zu groß und zu schnell. Ich hab Linebacker gespielt und da kommst Du nicht hinterher. Danach natürlich komplett aus den Augen verloren, dann stand bei mir irgendwann das Gespräch an, ob ich Football machen möchte. Ich musste da ein Jahr pausieren, weil ich noch andere Verpflichtungen hatte – mit Theaterspielen und so weiter. Ich hab dann natürlich nicht nur Game Pass geguckt, sondern auch mal geschaut, was denn das überhaupt ist, was ich da moderieren soll. Und mir ist immer aufgefallen, dass ich persönlich immer Roman am angenehmsten fand, weil er halt eine Mischung war aus Fakten… und Fakten – also dieser berühmte Focus Satz: Fakten, Fakten, Fakten. Statt an den Leser an den Zuschauer denken und trotzdem war er immer irgendwie unterhaltsam. So in der Kombination damals mit dem Buschmann etc. – das hat mir gut gefallen und dann kriegte ich nochmal den Anruf: Willst Du es machen und dann hab ich ihn tatsächlich als Erstes im Studio gesehen – als allererstes. Vor dem Aufnahmeleiter, vor allen anderen und dann hat es irgendwie gefunkt. Dann haben wir angefangen zu arbeiten und seitdem läuft es sehr rund.

Carsten Keller: Ich habe tatsächlich mal recherchieren lassen (danke an Rene Bugner- @RNBWCV !), weil ich kann mir sowas natürlich nicht merken. Roman – kannst Du Dich vielleicht an Euren ersten gemeinsamen Einsatz erinnern? Also tatsächlich war Carstens erstes Spiel im Fernsehen wohl mit dir zusammen oder? Widersprich mir Carsten, wenns nicht stimmt?

Carsten Spengemann: Das erste im Fernsehen genau ja. Ich hab zuerst gesagt „ich will erstmal üben“: Dann hab ich Stream gemacht mit Mattis Oberbach und dann war relativ schnell klar: Weißt Du was – Du machst jetzt doch mal schnell Fernsehen, weil das kannst Du ja einigermaßen. Dann war mein erster Einsatz mit Roman Motzkus. Er hat mich sozusagen „entjungfert“.

Roman Motzkus: Das kann ich ja gut…

Carsten Keller: Kannst Du Dich noch erinnern Roman?

Roman Motzkus: Ganz genau weiß ich Datum und Uhrzeit jetzt nicht mehr. Aber ich weiß, dass mir dann gesagt wurde: Du machst jetzt mal mit Carsten und ich kannte ihn natürlich eher aus seinen Rollen, die er davor gemacht hat. Ganz früher natürlich ‚Deutschland sucht den Superstar‘, dann ist er immer wieder mal aufgetaucht im Fernsehen und ich kann mich ehrlich gesagt nicht an das Spiel erinnern. Hat vielleicht auch ein bisschen damit zu tun, dass ich immer an ihm vorbeigelaufen bin. Ich war ja zu dem Zeitpunkt noch Wide Receiver und war auch weiter außen. Da ist es relativ selten, dass wir uns auf dem Feld begegnen. Außerdem weiß ich, dass das Spiel für mich relativ gut war, weil ich irgendwie aus acht Catches vier Touchdowns gemacht habe und wir relativ hoch gegen die Silver Eagles gewonnen haben…

Carsten Keller: Jetzt geht Carsten wahrscheinlich gleich…

Roman Motzkus: Es war relativ lustig, weil ich hatte den Hintergrund von Carsten in Sachen Football natürlich nicht so im Kopf muss ich ehrlich gestehen. Ich habe es aber relativ schnell gemerkt, als ich in dem ersten Vorgespräch war. Man trifft sich ja quasi vor dem Spiel – Du hast es ja selber schon erlebt, als Du mal bei uns zu Gast warst. Es ist so, dass man Ablaufredaktion macht, also Ablaufbesprechung und da war dann halt auch ein bisschen Zeit, sich zu beschnuppern und es war mir relativ schnell klar, dass Carsten auch Ahnung von Football und eine ganze Menge praktische Erfahrung hat. Deshalb war es für mich so ein Ding nach dem Motto: Endlich mal jemand, mit dem man auch – quasi neben den anderen – über Football quatschen und philosophieren und auch ins Reden kommen kann. Was mir von Anfang an sehr viel Spaß gemacht hat, war die Situation, dass wir uns gegenseitig Platz gelassen haben. Das heißt also, dass das das eigene Ego, dieses „ich bin jetzt aber derjenige, der etwas über Football weiß und muss das jetzt allen Leuten beibringen“, bei uns beiden von Anfang an nicht so der Fall war.

Das war das Schöne: Er hat halt sehr oft sehr gute Play-by-Play Sachen gemacht und hat mir dann immer wieder den Platz gelassen, die Expertise einzubringen. Theoretisch könnten wir das genau andersrum machen – also ich kann auch ein Spiel kommentieren und er könnte genauso gut die Expertise machen. Machen wir vielleicht irgendwann einmal – so als Karnevalsveranstaltung oder so. Von daher war das sehr sehr schnell nicht nur vor der Kamera, sondern auch davor und danach, dass wir uns einfach mal unterhalten haben. Inzwischen muss ich ehrlich sagen ist es wirklich so ein richtiges miteinander arbeiten, weil wir quasi unsere eigenen Konferenzen während der Woche machen und was ich sehr zu schätzen weiß, dass es inzwischen auch eine sehr gute Freundschaft geworden ist.

Carsten Keller: Wie lange hat das so gedauert? Also bis diese Harmonie so entstanden ist oder bis man diesen Stand erreicht hat?

Carsten Spengemann: Die Harmonie war eigentlich relativ schnell da. Dadurch, dass ich niemandem erzählen musste vorher – also mich hat ja keiner mehr gefragt: jetzt also übrigens nicht der Gewinner von DSDS… ich hab mal Football gespielt … das geht ja nicht so. Deswegen wusste das auch keiner – das ist auch völlig in Ordnung. Ich hab mit 15 irgendwie mein erstes Footballspiel gesehen in den USA. Ich musste dann halt in Deutschland drei Jahre warten – das ging halt damals nicht – damals gab es keine Jugendmannschaften etc.; das war für mich nie Thema, dass ich das nach außen hängen musste. Roman hat das halt so hingenommen, wie es ist. Da kommt jetzt „der Onkel, der sich sonst hat vorsingen lassen.“

Carsten Keller: Der aus dem Fernsehen…

Carsten Spengemann: Der merkte: ‚Oh Mensch, wir können uns unterhalten über Football‘ und dann war das ab Spiel 1 irgendwie da. Ich hab halt immer Doppelmoderation gemacht – egal, ob mit Frau Hunziker oder oder oder. Da war das irgendwie da. Ich hab ihn nie nur als Experte gesehen, sondern immer als meinen Co-Moderator. Er macht im Stream Play-by-Play, also er weiß genau, was ich mache, und ich weiß, was er macht, und deswegen ist es eher ein Miteinander als diese klassische Aufteilung, die es normalerweise gibt, dass Du sagst: ‚Der eine macht nur das und der andere macht nur das‘. Das gehört nicht dazu und dann war das nach 2-3 Wochen, die wir miteinander gearbeitet haben, haben wir halt immer intensiver zusammengearbeitet – die ganzen Vorberichte ausgetauscht, Presseberichte ausgetauscht. Roman hat mir seine komischen Statistikpakete rüber geschickt, wo ich mal gesagt habe: ‚Ich versteh gar nix‘. Wenn dann 286 Seiten mit Zahlen kommen. Ja also… ne, geht gar nicht. Also wenn ich Sheldon Cooper [Mathegenie aus „Big Bang Theory“] wäre, vielleicht… Ich versteh Statistiken, aber so tief drin bin ich dann doch nicht. Also dritter Versuch im Regen mit Wind von vorne – das kann der. So kann ich das jetzt auch und das macht Spaß…

Carsten Keller: Mit Dach auf und Tür zu…

Roman Motzkus: Ja, das war natürlich so ein extra Ding muss man ehrlich sagen. Das war noch zu Schmiso-Zeiten [ex-Kommentator Florian Schmidt-Sommerfeld, der jetzt bei Sky Fußball und Handball begleitet], aber das hängt mir ja so ein bisschen seitdem hinterher und ich mag das ja und pfleg das ja auch. Ich mag halt, was Carsten noch gesagt hat, dass er mir nicht reinreden muss und ich ihm nicht. Ich hab ja das, was er so viel macht, hab ich ja lange vor ran schon viel gemacht. Ich hab Spiele live kommentiert für den RBB, für die ARD, für TV Berlin, für alle möglichen anderen. Das heißt, da war ich dann ganz alleine mit einem Schnitt-Menschen und hab dann quasi ein ganzes Spiel allein kommentiert. Deshalb ist es für mich auch so leicht, dann genau den Punkt zu treffen, wenn er mal Luft holt… was nicht allzu oft passiert, muss man sagen und dann halt genau da reinzusetzen, ohne dass wir uns gegenseitig ins Wort fallen müssen. Deswegen passt das sehr, sehr gut.

Spengekus Carsten Spengemann
Roman Motzkus; Copyright: ProSieben Marc Rehbeck / Fotograf: Marc Rehbeck

 

Die Vorbereitung

Roman Motzkus: Diese Statistikwelt, die ist ja wirklich völlig unterschiedlich. Carsten hat es  eben schon gesagt: Wir tauschen uns ja während der Woche aus über Informationen, was wir bringen wollen, worüber wir sprechen wollen – nicht nur vor dem Spiel, sondern auch während des Spiels. Da gibts dann schon mal fast täglich das Telefonat dazu und dann haben wir halt auch die Möglichkeiten. Wenn Du in die Presse Releases der Team guckst, dann weiß man viel. Die Patriots sind zum Beispiel mit 50 Seiten PDF pro Woche relativ sparsam, die größten Herausgeber sind so pro Woche die Titans. Die haben dann so 668 Seiten in der normalen Pressrelease pro Woche. Da ist natürlich ganz ganz viel doppelt drin von der Woche davor und so weiter also die ganzen Old Time Records, was aber halt sehr interessant ist – und das hilft nicht nur mir als Analysetool, sondern das hilft auch Carsten ganz viel bei der Moderation: Da sind zum Beispiel Mannschaften, die über jeden Spieler 3 – 4 Seiten nochmal extra haben und da kann er sich zum Beispiel für seine Position als Kommentator viele Sachen rausziehen, die er dann quasi als bunte Geschichte mit einbringen kann und ich kann dann halt mehr auf den Spielzug eingehen oder was der Spieler bisher gemacht hat, wo seine Stärken und Schwächen liegen. Daher ergänzt sich das wirklich sehr gut.

Carsten Keller: Also Ihr wisst dann schon ein paar Stories, wo Ihr sagt: ‚Bei dem Spiel, die müssen wir bringen‘, weil sie jetzt halt aktuell sind oder weil es jetzt irgendwo reinpasst. Das macht Ihr vorher schon aus. Habt ihr dann irgendwie ein gemeinsames Dokument, wo Ihr dran arbeitet – Google Docs oder was es da gibt – onenote – oder läuft das mündlich?

Roman Motzkus: Ich bin da Old School…

Carsten Spengemann: Roman ist da Old School. Wenn Du da im Studio ankommst, das ist alles handschriftlich, wo ich immer denke… okay. Lustigerweise… das mag ich aber, denn ich machs genauso. Ob Du jetzt wirklich Geschichten planen kannst, ist natürlich immer so eine Sache. Du weißt ja nie, wer jetzt im Spiel so heraussticht. Ich mag halt gerne diese ganzen Boulevard-Geschichten und mit Boulevard meine ich: Das sind seine Hobbys wie was wo und es gibt zum Beispiel von den 49ers einen großartigen Pressrelease. Da steht wirklich drin: Lieblingsfilm, Lieblingsessen, Lieblings-dies und Lieblings-das. So und dann kannst Du halt in dem Moment, wenn jetzt irgendeine Pause entsteht – keine Ahnung… verletzter Spieler am Boden oder Tor kippt um oder was auch immer – dann hast Du halt wirklich die Situation, dass Du was zu erzählen hast. Und meistens sind es so lustige Dinge.

Roman und ich, wir haben also wirklich unsere eigene Telefonkonferenz. Wir fangen meistens irgendwie Mittwoch an, wenn feststeht, welches Spiel wir übertragen können. Dann kommt der Presserelease, dann kommt das, dann schicken wir das WeTransfer-technisch hin und her und dann fangen wir halt an. Dann fällt dir meistens auf, dass es tatsächlich ab und an so Geschichten gibt, die Du überhaupt nicht auf dem Zettel hast – wirklich überhaupt nicht auf dem Zettel hast. Bestes Beispiel ist Joey Bosa, der der Enkel von einem Menschen aus dem Umfeld von El Capone ist. Wusste ich damals nicht, als er in die NFL kam. So. Dass der Mann dann allerdings zu seiner persönlichen Entspannung „Paw Patrol“ schaut, wusste ich auch nicht. Als das da stand, hab ich Roman angerufen und gesagt: “Da steht ‚Paw Patrol‘! Und dann haben wir gesagt: Okay stell Dir bitte mal das Bild vor: Joey Bosa liegt auf der Couch und singt „Paw Patrol, Paw Patrol…“  – da musst Du natürlich auch mal drüber sprechen.

Carsten Keller: Auf jeden Fall!

Roman Motzkus: Jetzt ist es bei mir wirklich so, dass ich sehr Old School bin in den Sachen, die ich in der Vorbereitung mache. Das heißt: ich schreibe das wirklich handschriftlich auf und habe dann pro Team drei bis vier DIN A4 Seiten, die man sich als eventuell wichtig raussucht und und das ist dann so ein bisschen wie Spickzettel raussuchen in der Schule. Wenn Du Dich erinnerst: In der Schule hat man Spickzettel geschrieben und dann brauchst Du es in Deiner Arbeit doch nicht, weil Du es ja schon mal geschrieben und daher im Kopf gehabt hast. Für mich ist es dann während des Spiels schon ein bisschen anders, eher wie eine Abiklausur, wo Du ja dann quasi drei – dreieinhalb Stunden Dich hintereinander konzentrieren musst, um zu sehen, was da passiert. Das heißt Du hast ja bloß noch eine Sekunde maximal um den Spielzug zu erkennen. Was passiert ist und wie Du es machen willst und dann musst Du darauf reagieren, wie Du die Story dann platzieren willst.

Wenn ein Spieler jetzt nur noch 17 Yards braucht um die 1.000 zu knacken oder so was, dann schreibst Du Dir das vorher auf und dann guckst Du auf die live Statistik während des Spiels und siehst: Jetzt ist er bei 16, also der nächste Spielzug, den er macht, dann wird das sehr wahrscheinlich passieren. Dann hast Du das im Hinterkopf. Das ist eine Gedankenstütze, deswegen schreibe ich halt auch immer mit der Hand. Wenn ich im Computer tippe, sieht es zwar schöner aus und dann kannst Du es besser lesen, aber der Vorteil ist: Andere können meine Schrift nicht lesen. Wenn sie dann bei mir spicken wollen, das funktioniert nicht, aber da ist ja nur Carsten neben mir. Wenn Max oder Icke dann mal ab und zu rüber kommen oder rüber gucken, die verstehen sowieso nicht, was ich da hingeschrieben habe. Für die sind das Hieroglyphen.

 

Der Wochenablauf

Carsten Keller: Ja, cool. Jetzt habt Ihr beide noch Jobs „nebenher“ oder andere Verpflichtungen. Wie sieht es dann am Wochenende aus? Also Mittwoch wisst Ihr jetzt, welche Partie Ihr zusammen am Wochenende dann moderiert. Dass Ihr zusammen kommentiert, das wisst Ihr wahrscheinlich schon länger vorher nehme ich an, oder? Das Spiel steht dann Mittwoch fest. Wann reist Ihr an und wie bringt Ihr das dann mit Euren anderen Verpflichtungen unter einen Hut? Klappt das problemlos oder gibt es da schon Schwierigkeiten?

Carsten Spengemann: Also der Herr Motzkus, der ist ja geisteskrank. Also ich weiß ja nicht, Carsten, wie das bei Dir ist, aber Schlaf ist für ihn überbewertet.  Also stellen wir uns mal vor, wir machen Spiel 2. Also machen wir die Abreise: Ich bin fertig. Du musst ja nachher noch vertonen – also die Zusammenfassung vertonen. Bis wir da raus sind, ist es halt wirklich 03:00 Uhr oder so. Kollege Motzkus fliegt um 07:05 Uhr wieder nach Berlin. Ich flieg um 11:00 Uhr – ich teil mir das immer noch einigermaßen ein, dann geht das noch einigermaßen. Du bist aber trotzdem durch mit der Bereifung. Dann brauchst du eigentlich den Montag, um dich ein bisschen zu erholen. Dann nehm ich noch am Montag den Podcast auf – manchmal nehme ich gleich nochmal mit Roman direkt am Nachmittag noch auf.

Also da ist der ganze Montag halt Football – bis Dienstag. Das zieht sich eigentlich durch, das muss man irgendwie ein bisschen unter einen Hut bringen. Gott sei Dank ist mein Hauptjob Fernsehen, das heißt, andere Fernsehgeschichten planst du eh so drumrum. Das machst Du jetzt nicht, dass Du Montag schon die nächste Sendung hast, weil sonst sagst Du irgendwann zu Deiner Co-Moderatorin: Ja pass auf: 4. & 10! Nein! Aber wir planen halt das so, dass wir gemeinsam ungefähr ankommen zur selben Zeit. Dann gehen wir immer zu einem Lebensmittelladen und holen uns so zwei bis drei belegte Brötchen und fahren entweder mit der Bahn ins Studio oder wir nehmen uns so ein Drive Now Auto. Wenn wir uns so ein Drive Now Auto nehmen, dann machen wir auch immer noch ein Instagram Live Video, weil mit Roman Motzkus Autofahren ist eine spannende Veranstaltung.

Spengekus Roman Motzkus
Carsten Spengemann;
Copyright: ProSieben Marc Rehbeck / Fotograf: Marc Rehbeck

Carsten Keller: Das ist sonntags dann oder? Also Ihr kommt erst sonntags oder?

Roman Motzkus: Genau. Unser Ablauf ist ja meistens so, dass wir die Vorbereitung schon alleine machen. In Absprache, wo wir uns Mittwoch, Donnerstag und Freitag uns dann halt telefonisch ein bisschen abstimmen und da haben wir kurioserweise oftmals halt die selben Geschichten, die wir wichtig finden. Das passt dann immer sehr gut. Samstag ist dann nochmal so ein Roundup, wo wir dann sagen: ‚Wann kommst Du an – wann treffen wir uns? Dann ist es wirklich so: Wir landen beide in München am Flughafen, holen uns noch ein Schweinebratenbrötchen und setzen uns oftmals in die Bahn oder halt auch manchmal ins Auto. Dieses Autofahren… ich weiß gar nicht, was er hat – er war der Autorennfahrer. Ich fahr da ganz normal. Ich bin noch nie geblitzt worden, also ist es schon mal gut.

Dann sind wir halt im Hotel, trinken meistens noch ein Käffchen. Es kommt drauf an, welches Spiel wir haben. In letzter Zeit haben wir relativ oft – und da bin ich auch sehr glücklich drüber – das erste Spiel gehabt. Nicht nur wegen dem bisschen mehr schlafen, sondern auch, weil natürlich durch das Magazin, das wir davor machen, dieses Reingrooven ins Spiel noch viel besser funktioniert, als wenn man um 22:05 Uhr da sitzt und wartet, wann man dran ist. Dann ist es doch 22:12 Uhr oder ist es dann plötzlich 22:22 Uhr bis wir draufkommen; das weiß man nicht so genau – da ist es schöner, wenn man weiß: 18:00 Uhr beginnt es und man war vorher in der Maske und hats besprochen, wir wissen, über was wir reden wollen, wir haben das Magazin rumgebracht und dann geht der Kickoff los.

Dann ist für mich die Nacht halt meistens sehr kurz, weil ich hab halt einen normalen Job, wo ich von Montag bis Freitag arbeite. Ich hab eine Firma für Kommunikationstechnik und muss da halt auch da sein und kümmere mich darum, dass meine Mitarbeiter genug zu tun haben, weil dann kann ich den Montag einigermaßen gut überstehen und relativ früh nach Hause und dann ist der Montag auch relativ kurz. Das ist wirklich manchmal, so dass Du wie eine Eule um 03:00 Uhr im Bett liegst und dann um 07:10 Uhr oder 07:00 Uhr geht der Flieger, das heißt 05:10 Uhr muss ich aufstehen. Da hast Du dann ein, eineinhalb Stunden irgendwie gedöst oder sowas. Dann hab ich aber halt auch durch die Vorbereitung, weil ich die auch erstmal nur abends machen kann, dann schon pro Woche 10 – 15 Stunden Schlafdefizit; die merke ich dann jetzt ungefähr zu der Zeit, weil im Dezember / Januar es dann hart wird mit den Übertragungen und immer mehr wird. Da fehlt dann manchmal ein bisschen Schlaf, da bist Du manchmal ein bisschen dünnhäutig, aber es verschwindet glücklicherweise immer, wenn die Sendung beginnt.

Also da hast Du wirklich, sobald ich den Chaoten neben mir sehe und der dumme Sprüche macht, dann ist das immer sehr aufheiternd und dann kommst Du – egal mit welcher Laune Du da ankommst – kriegst Du halt Footballlaune und dann macht es halt Spaß, ein Spiel zu kommentieren; im Endeffekt ist es für uns ja fast so, als wenn wir zuhause auf der Couch sitzen und mit Kumpels Football gucken und und darüber quatschen. Wir haben halt den Vorteil: Ihr sitzt draußen, könnt etwas trinken und essen, wir haben den Vorteil, wir werden dafür bezahlt.

 

Ablauf London

Carsten Keller: Ich kann auch nix trinken und essen nebenher! Aber zumindest ist mein Bett nicht so weit weg wie Eures! Das ist ja dann fast Luxus so wie jetzt in London oder, wenn Ihr dann „mehr Zeit habt“ oder ist es da genauso stressig?

Carsten Spengemann: Hey London ist natürlich eine Ausnahmesituation. Das hast Du damals schon schon bei [der TV-Serie] Friends gesehen: Joey Tribbiani ist immer durchgedreht: ‚London, Baby! London, Baby!‘ London ist eine traumhafte Stadt und die Spiele an sich – das ist ja quasi ein einziges Fantreffen. Egal, wo Du bist. Du gehst über die Straße und Du siehst nur NFL Merch. Du erkennst, wer da alles wegen des Spiels da ist, das ist schon mega. Und wenn Du das große Glück hast, dass Du dann mit Roman hin darfst, dann heißt das: Du machst einen Wochenendtrip mit Footballgucken mit einem guten Freund. So. Da kommen dann auch so schwachsinnige Dinger bei raus, wie: ‚Lass uns mal auf dem Dach moderieren!‘ Das ist halt okay! Weißt Du, das ist genau, das was Roman gerade sagte. Wir sitzen dann zusammen und sagen: ‚Ja, sag mal hier, wollen wir da mal hoch?‘ Dann gucken uns alle an und sagen: ‚Das geht nicht!‘ Und dann bin ich derjenige, der sagt: ‚Geht nicht, gibts nicht! Letzte Woche hat da jemand die Nationalhymne gesungen, also muss das irgendwie gehen.‘

London ist natürlich ein ganz anderer Faktor, weil Du da ganz dicht dran bist. Du hast ein unwahrscheinlich tolles Feedback, wenn Du da nochmal vor das Stadion rausgehst – das mach ich mit Roman immer sehr gerne. Wir kommen natürlich 4-5 Stunden vorher an, wenn wir uns angemeldet haben, umräumen, unsere Sachen abgelegt und den Sicherheitscheck hinter uns gebracht haben, dann geh ich mit Roman immer gerne nochmal raus, weil Du kriegst da draußen ein so unwahrscheinlich tolles Feedback – das ist eine einzige ran-Party. Das macht besonders Spaß und dann hast Du halt ein ganz anderes Gefühl für die Moderation, weil Du merkst, Du bist sozusagen mit ganz vielen anderen Freunden da, die wollen genau dasselbe wie Du. Die wollen ein gutes Footballspiel sehen und dann sitzt Du da oben in der Booth und wenn die Fenster dann auf sind, dann ist das eine ganz unglaubliche Atmosphäre – also Du bist mittendrin statt nur dabei.

Roman Motzkus Carsten Spengemann

Roman Motzkus: Was halt noch ein Schmankerl ist bei London – das muss man wirklich sagen – dadurch, dass wir ein bisschen länger vor Ort sind und auch die Gelegenheit haben, ein paar Sachen zu planen oder auch mal andere Sachen zu machen, war das dieses Jahr zum Beispiel für uns so ein extra Kick zu sagen: ‚Komm, wir treffen trotzdem mal wieder Leute!‘ Das ist alles im Moment eingeschränkt, da kann man nicht so viel machen, wie man gerne möchte – es gibt kein #rangrillen, es gibt keine Season Party und so weiter. Deswegen war es schön, Leute mal wieder zu sehen auf der Straße und wir hatten dann so eine kleine Tour geplant. Am Samstagmittag waren wir am Stadion, haben halt die Aufzeichnung gemacht für die Sendung. Von da waren wir danach bei der Miami Dolphins Party – da aber leider zu spät. Da waren nicht mehr so viele Leute da und wir sind dann zu den Jacksonville Jaguars gegangen und da war Highlight in Tüten! Das war wieder so ein Beispiel, wo ich gemerkt habe, dass das erstmal superklasse ist.

Da sind Fans auf uns zugekommen und sagen: ‚Guck mal, da ist die Mutter von James Robinson und Oma und Opa sind auch da!‘ Da haben wir gesagt, das ist ja supergenial. Dann hast Du diese Rampensau Carsten Spengemann, der sofort auf die Leute zugeht mit Mikrofon in der Hand und sagt: ‚Können wir Euch ein paar Fragen stellen?‘ Aber trotzdem, in dieser Situation, wo es eng und voll und laut war, haben wir uns halt noch ohne Worte verstanden. Er wusste genau – der braucht ja bloß einmal kurz zu zwinkern – und dann kann ich die Frage stellen, die ich fragen wollte. Da kam nämlich die Situation, dass die Mutter gesagt hat: ‚Er war immer so ein bisschen underrated und hat trotzdem eine tolle College Karriere gehabt!‘ Ich meinte: ‚Ja genau 4.444 Yards und 44 Touchdowns in 4 Jahren‘ und die war völlig baff. In der Situation kam das genau so, dass der Carsten genau in dem Moment sich ein Stück zurückgenommen und mir den Platz gelassen hat, um genau das reinzubringen. Das merke ich selber halt immer und das weiß ich sehr zu schätzen, wenn man mit Leuten arbeitet, wo so etwas funktioniert.

Das ist bei anderen auch so, aber bei uns beiden ist es mir von Beginn an halt extrem aufgefallen, dass man da wirklich so eine Harmonie hat. Wir haben auch dieses Jahr ein sehr schönes Interview – und auch ein sehr wichtiges Interview – mit einem Knochenmarkspender geführt im Magazin bei #ranNFLsüchtig, das nicht geprobt war. Wir konnten dieses Interview aus Zeitgründen nicht proben. Wir haben es einfach geschafft durch uns gegenseitig angucken, durch kleine Zeichen, die halt wirklich nur wir beide sehen, uns dann in dem Interviewfluss so zu ergänzen, dass das deshalb funktioniert. Das braucht man halt auch, dadurch – ich bezeichne Carsten auf jeden Fall als Profi und mich schon als einen, der lange genug dabei ist , um dann auch ein Medienprofi zu sein – dass das dann funktioniert und dass man dann nicht sowas zum Beispiel ins Lächerliche ziehen oder Scherze machen muss, sondern dass es ein wichtiges Thema ist, das auch wichtig behandelt wird und auch mit der dementsprechenden Tragweite rübergebracht wird. Da können wir glaube ich wirklich sagen: Da haben wir einen sehr sehr guten großen Moment in der Geschichte von ranNFL gehabt.

 

One World Charity

Carsten Keller: Ja – muss ich auch sagen. Hatte ich gesehen und fand es sehr sehr gut. Ihr macht ja auch Charity – bei One World Charity seid Ihr beide ein bisschen Schirmherren. Vielleicht könnt Ihr mal kurz erklären, wie das zustande kam und wie Ihr da am Start seid?

Carsten Spengemann: Ich bin ja sehr lange semiprofessionell und auch professionell Autorennen gefahren und der Herr Schäfer, der der Charity vorsteht und dessen eigentliche Idee das war, den kannte ich vom Nürburgring. Ich glaube, jeder kennt ihn – egal ob DTM oder Formel I, wer mal in Deutschland unterwegs war im Motorsport, der kennt ihn. Und der kam mal auf mich zu und fragte, ob ich ein Fußballspiel moderieren wollen würde für einen guten Zweck. Er war dann ein bisschen baff. Ich wohne ja in Hamburg und da meinte er, ich bräuchte ja ein Hotel. Und ich hab gesagt ‚Du bist eine Charity – es macht jetzt keinen Sinn, wenn Du das jetzt buchst. Schalt mal nen Gang zurück – ich fahr wieder zurück.‘ Dann habe ich einen Kumpel mitgenommen und ihm gesagt, wir teilen uns das Autofahren – alles gut, alles fein. Wir haben uns dann ins Auto gesetzt und sind hingefahren und dann hat er mir halt von dieser Charity erzählt.

Roman kannte ihn auch und hin und her und ich hab immer überlegt: Es gibt so viele Charities – und ich hab ganz viele Events erlebt, wo ich eingeladen war, wo ich mich gefragt habe: ‚Muss der Flug bezahlt werden etc.? Und wir beide haben da relativ gleichgetickt – Roman und ich haben gesagt: ‚Wir wollen aber, dass das wirklich 1 zu 1 alles dahin geht!‘ Da war nix mit ‚hier noch ein Häppchen und da noch ein Häppchen und hier noch roter Teppich‘, sondern die konzentrierten sich da tatsächlich darauf, etwas Gutes zu tun. Da haben wir gesagt okay – lass uns das machen und haben beide unisono – lustigerweise unabhängig voneinander – gesagt, dass uns aber auch der Jugendfootball, also die Förderung des Footballs an sich, sehr sehr am Herzen liegt. Dass wir Schulfootball unterstützen wollen, dass wir Jugendmannschaften unterstützen wollen und so weiter und sofort. Denn wenn es für Kinder ist, die Charity, dann sollten wir da anfangen.

Also unser Sport hat halt einen Unterbau und dieser Unterbau kann nicht vom Verband so gefördert werden, dass das halt überall funktioniert. Es gibt Verletzungen im Sport – lass uns da was tun und so kam das Ganze dann zustande und seitdem sind wir an Bord und das macht unwahrscheinlich viel Spaß, weil Du halt so tolle Projekte auch abseits des Football hast. Wir haben gesagt, wir wollen gerne Super Bowl Tickets verlosen. Ein Freund von mir, mit dem ich zusammen Auto gefahren bin, Jan-Erik Slooten, der hat gesagt: Ja, also ich fahr Autorennen. Weißt Du was: Einen [Porsche] 924, neu restauriert, spende ich Euch. Der steht jetzt im Porsche Zentrum und Du kannst dich entscheiden, bei welcher Charity Du mitmachen willst – willst Du zum Super Bowl oder willst Du dieses Auto. Selbe Aktion und dann merkst Du halt, wie breit die Unterstützung für One World Charity ist. Es sind halt nicht nur die beiden Fernsehnasen, die ab und an über Football reden – also nicht nur der Waldorf und Statler vom Football – sondern es gibt auch noch andere und das ist auch gut so. Das macht unwahrscheinlich viel Spaß ja.

Roman Motzkus: Bevor ich mit dem Carsten darüber gesprochen habe, war ich mit dem Chris Schäfer schon lange in Kontakt und der hat mich immer wieder mal gefragt, ob wir nicht was gemeinsam machen können, weil er halt auch Football Fan ist und auch weiß, dass Football in Deutschland nur über die Jugend dahin kommen kann, dass es halt irgendwann mal noch ein bisschen populärer und breiter wird, weil Du den Unterbau brauchst.  

Ich hatte dann irgendwann mal die Idee, weil er gesagt hat, er möchte gerne die NFL Pathway-Programm Spieler aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien – alles was sonst irgendwo alles irgendwie deutsch spricht, anschreiben. Mittlerweile sind als Botschafter Mark Nzeocha, Jakob Johnson, Sandro Platzgummer, Maximilian Bircher, Dominik Eberle und David Bada dabei. Wir haben da einige gute Aktionen gemacht: Von Mark Nzeocha haben wir zum Beispiel ein von ihm getragenes Trikot der 49ers aus seinem Spiel gegen die New Orleans Saints versteigert und den Erlös seinem Jugendteam, den Franken Knights zukommen lassen. Das haben Carsten und ich persönlich übergeben. Das war eine sehr sehr tolle und große Aktion. Wir haben dann auch seine Eltern noch getroffen.

Dann kam Mark selbst auf die Idee, dass wir Schuhe von Jimmy Garoppolo, die er unterschrieben hatte, versteigern. Die haben allein schon über 4.000 Euro gebracht. Erstaunlicherweise hatte die ein Bekannter von mir ersteigert, ohne dass ich das wusste. Ich habe dann zu Mark gesagt: Schick die Schuhe zu mir nach Berlin – ich übergebe die persönlich. Hat alles funktioniert, hat ein bisschen gedauert. Der Typ ist aus den Socken gefallen, weil er halt dachte, ich komm zum Footballgucken und hab die Schuhe dabei.

Jetzt konnte man halt eine Reise von Freitag bis Dienstag nach Los Angeles zum Super Bowl gewinnen mit Players Party, und und und mit einem Los für 5 Euro. Das sind halt geniale Preise. Was Chris Schäfer mit der One World Charity auf die Beine gestellt hat, ist absolut Wahnsinn. Wir haben vor 4-5 Jahren erstmals darüber gesprochen und was inzwischen da für Spendenaktionen laufen, ist klasse – da ziehe ich absolut meinen Hut vor.

 

Fanbindung und Kritik

Carsten Keller: Absolut. Ansonsten macht Ihr relativ viel Faneinbindung und -interaktion. Wie wichtig ist euch das und wie sehr stört dann auch Kritik, wenn sie unsachlich ist? Gerade bei Dir Carsten – finde ich – gibt es dann doch öfters mal Kritik, die unter der Gürtellinie ist. Wie geht man damit um?

Carsten Spengemann: Das ist ja der Punkt: Jeder darf und soll seine Meinung haben. Ich mag auch nicht alles, was im Fernsehen läuft. Der Unterschied ist: Ich entscheide dann mit diesem Daumen auf der Fernbedienung, ob ich das weiter gucken will oder nicht. Ich würde mich niemals hinsetzen und twittern „den und den finde ich doof“. Fundierte Kritik nehme ich gerne an, wenn jemand sagt: ‚Pass auf, Du hast jetzt sechsmal das und das Wort gesagt in einem Spiel – das ist ein bisschen viel‘. Dann denke ich drüber nach – hab ich das wirklich gemacht? Dann guck ichs mir tatsächlich nochmal an und mach Fehleranalyse – also wie beim Football auch. Gamefilm gucken und wissen, was Du falsch gemacht hast, denn nur dann kannst Du besser werden.

Du stellt dann relativ schnell fest, dass es ein ganz kleiner Kreis ist von – ich sag mal – „Internettrollen“. Die erkennst Du am Duktus, die erkennst Du am Schreibstil, das ist dann immer derselbe Tenor. Das ist auch völlig okay. Ich antworte dann: ‚Wenn das Deine Meinung ist – völlig in Ordnung.‘

Um die andere Frage zu beantworten: Ich finde – und das hab ich schon bei DSDS und „Verbotene Liebe“ so gehandhabt – da standen Fans am Tor beim WDR, da hab ich angehalten, weil ohne die wirds Deinen Job nicht geben. Weil die gucken. Das hat mir damals Jürgen Zartmann, so eine ganz alte Schauspiellegende [der Mann ist 80] beigebracht. Er hat gesagt: ‚Nimm diesen  Menschen – für die ist da ein ganz besonderer Moment, für Dich ist es ein ganz normaler Weg zum Bäcker, zur Tankstelle oder was auch immer – nicht diesen Moment, weil ohne die wärst Du nicht da.‘ Bei ran ist das halt sehr sehr extrem. Du hast halt eine ganz gewaltige Fanbindung, die natürlich jetzt durch die sozialen Medien, die es damals nicht gab, stattfindet, aber das ist auch gut so. Ich mag diese ran Events. Ich mag die Partys in London sehr sehr gerne, auch wenn das teilweise dann schon sehr laut wird irgendwann und sehr feuchtfröhlich, aber gut – das gehört dazu. Ich wäre nicht anders. Wenn Du da stehst und arbeiten musst, denkst Du Dir: ‚Scheiße, ich hätte jetzt auch gerne das sechste Bier, aber geht nicht im Moment.

Roman Motzkus: Moment! Also bei den ran Partys geht das.

Carsten Spengemann: Ja Du! Du stehst ja nach sechs Bier auch noch gerade. Ich mach nach drei Bier den links und rechts Kipper. Diese Nähe finde ich auch sehr schön und finde ich auch sehr wichtig. Mir macht es halt besonderen Spaß, wenn Du jetzt zum Beispiel ein Spiel machst – egal ob jetzt mit Roman oder Björn oder Patrick oder wem auch immer – und Icke oder Max schaltet irgendwo ins Wohnzimmer und Du siehst jemanden, den Du von so einem Event kennst, und dann siehst Du den Namen und Du merkst irgendwie: Geil, der ist wieder dabei, der guckt gerade – das ist schon ein tolles Gefühl!

Roman Motzkus: Das kann ich absolut nur bestätigen. Für mich war das, als ich 2015 damit angefangen habe, relativ erstaunlich, wie direkt die Leute sich geäußert haben. Ich war damals bei Facebook, aber natürlich jetzt nicht aktiv oder so etwas. Twitter kannte ich noch gar nicht, Instagram war noch gar nicht so der Hype oder noch gar nicht so aktuell. Diesen Umgang mit Social Media hab ich mir zum Anfang noch ziemlich stark angetan. Ich hab vieles gelesen -glücklicherweise war zu dem Zeitpunkt vieles einfach nur Freude, dass Football übertragen wird. Natürlich nimmt man sich das auch ein bisschen zu Herzen, wenn Leute kommen und beleidigend sind, aber da kriegt man relativ schnell eine dicke Haut.

Also 2016 / 2017 war das schon ganz anders, dass ich so Sachen dann einfach überlese und gar nicht mehr kommentiere. Bei ernstgemeinter Kritik, die man auch nehmen kann, um besser zu werden, ist das okay. Dann gehe ich auch gerne noch darauf ein und natürlich: Was einen freut, wenn die Leute zufrieden sind und wenn sie positive Nachrichten schreiben, aber auch da ist das so ein Thema: Manche Leute nehmen das eigentlich als Quittung nach dem Motto: ‚Ich bin gut genug, ich brauch nicht mehr machen.‘ Ne, genau das Gegenteil ist der Fall: Dann muss man noch besser werden, man muss noch mehr an sich arbeiten, um den Standard nicht nur zu halten, sondern auch weiterzuentwickeln. Um nicht nur immer den selben Spruch zu bringen. Das Spiel entwickelt sich, die Fernsehübertragung entwickelt sich, dann muss man sich selber natürlich auch entwickeln. Für mich ist die Fannähe ein ganz ganz großer Punkt, alleine schon, weil ich viel – auch wieder direkt in Berlin – mit den Leuten zu tun habe oder auch bei den ran Partys immer mit den Leuten von vornherein sehr viel gesprochen und mich auch gerne mit dazu gestellt habe, wenn gefeiert wurde. Ich erinnere mich da an den einen oder anderen Karaokeabend, da war Carsten Keller auch mit dabei…

Carsten Keller: Ich verweigere die Aussage…

Roman Motzkus: Da gab’s doch schon die ein oder andere sehr schöne Situation für mich persönlich. Ich hab auch viele Freunde gewonnen inzwischen, weil hier in Berlin ist das eine ganz besondere Situation. Wir haben mal so ne kleine Facebook Show gehabt, die dann auch bei Twitter lief als Online Show, wo wir das auch mal vor Publikum gemacht haben. Da haben wir mit 12 Leuten angefangen und inzwischen hab ich ganz viele Freunde dadurch gewonnen, weil es eine Gruppe geworden ist mit über 150 Personen, die sich zum Grillen treffen oder gemeinsam zu den Spielen der GFL oder GFL 2 gehen oder irgendwo auch in den unteren Ligen oder einfach mal ne Party machen. Vorletztes Jahr hatten wir ein superschönes Gänseessen. Ich weiß das sehr sehr zu schätzen, wie normal ich mich da bewegen kann und wie ich da ein ganz normaler Mensch sein kann. Wenn ich überlege: Ein Reporter vom Champions League Endspiel würde wahrscheinlich auch nicht vorher mit den Fans zusammen feiern. Wenn wir dahin kommen und 800, 900, 1.000 Leute dastehen und sagen: Okay – wir freuen uns, dass Ihr da seid‘, dann freuen wir uns natürlich umso mehr.

Carsten Keller: Geht mir auch so. Ich bin jetzt auch nicht der, der in London bis Samstagnacht bis spätabends bei der Party sein muss, aber nichtsdestotrotz ist die Football Community schon sehr nett und sehr speziell. Und auch noch überschaubar, finde ich. Man sieht immer wieder dieselben Gesichter, was auch sehr nett ist. Ich kann mich da jedes Mal freuen, wenn dann doch mal wieder so ein Event zusammen kommt und nicht nur ein Videocall.

 

Ein Spengekus – Buch?

Jetzt hab ich noch hier stehen: Ihr habt beide schon mal ein Footballbuch geschrieben. Sowohl Carsten als auch Roman – das ist ein bisschen länger her. Steht da vielleicht noch mal was in Aussicht? Vielleicht mal was zusammen? Das Spengekus – Buch? Die Historie der letzten 4 Jahre oder so?

Roman Motzkus: Diesmal fang ich an. Ich hatte ja das das schöne Erlebnis, dass mich jemand angesprochen hatte, ob ich nicht ein Buch schreiben möchte über mein Footballleben bzw. meine Footballkarriere. Das kam für mich sehr überraschend. Hab ich dann gemacht – das war schon 2017 und das Buch gibts immer noch –  also es ist noch käuflich erhältlich. Ich habe ja nicht sehr viel Werbung dafür gemacht und es wurde auch nicht sehr viel Werbung gemacht, aber es ist natürlich mein Footballerlebnis. Dann hat Carsten mit seinem Kompagnon von der „Pille für den Mann“ [Anmerkung: Mike Stiefelhagen] auch die Idee gehabt, ein Buch zu schreiben. Aber ein völlig anderes. Das ist kein Buch über seine Footballkarriere in diesem Sinn, sondern über die Karrieren der anderen und freundlicherweise durfte ich dann auch ein bisschen helfen und ein paar Infos dazu beitragen. Das hat auch richtig Spaß gemacht, weil der verrückte Fischkopp hier, der hat so viele verrückte Ideen. Wenn man denen freien Lauf lässt, dann quatscht der den ganzen Tag nur über Football. Was er dann auch im Hintergrund so noch weiß an Anekdoten – da stehen wirklich schöne Geschichten drin – und ich kann mir sehr gut vorstellen, dadurch dass wir beide footballverrückt sind im positiven Sinne und dass wir beide auch genug Ideen hätten, so etwas zu machen. Wir haben auch Anfang des Jahres mal drüber nachgedacht, aber das hat sich im Moment einfach noch nicht gefunden, aber ich sag mal „noch ist nicht aller Tage Abend – ich komm wieder, keine Frage!“

Roman Motzkus Carsten Spengemann
Roman Motzkus; Carsten Spengemann / Copyright: ProSieben Marc Rehbeck / Fotograf: Marc Rehbeck

Carsten Keller: Und in der Offseason ist ja Zeit für sowas kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Jetzt ist es natürlich grade schwierig.

Roman Motzkus: Stimmt – Du bist ja auch unter die Autoren gegangen. Das wollen wir nicht unterschlagen!

Carsten Spengemann: Unterschätz das mal nicht – das war ja nicht unsere Idee! Carsten, das musst Du dir so vorstellen: Wir haben angefangen mit dem Podcast. Ich hab gesagt, ich möchte einfach – ich war ja bei der footballerei vorher und da wurde das mit der Interaktion immer weniger – also das, was Du gerade sagst. Das hören, was die Fans sagen, wurde immer weniger. Ich hab gesagt, ich möchte es gerne wie Talkradio machen – also Podcast, Sprachnachrichten – fertig. Und irgendwann kriegten wir ne Sprachnachricht. Ich hab gesagt: ‚Ja, genau Sie sind der Chef von Ullstein. Knick-knack.‘ Klar – ich schreib jetzt ein Buch. Dann hab ich tatsächlich den Kontakt aufgenommen und hab gedacht: ‚Wer will mich hier veräppeln? Also wer will hier ein Buch?‘ Und dann war das aber ernst gemeint.

Und da ging es dann darum – genau das was Roman sagt: Sie erzählen immer so viel und Erklärbärfolgen und was es da alles gibt. Wollen Sie nicht ein Buch schreiben? Buch schreiben? Die sind doch alle besoffen hier. Roman sagte dann doch, also Du erzählst immer so viel! Mach mal und die Geschichten sind immer gut. Dann habe ich mich hingesetzt und so ne Offseason wird dann ganz schnell ganz kurz. Ich hab dann immer Roman anrufen: „Gute Geschichte oder nicht gut?“ Er sagte: ‚Du kannst nicht immer nur die größten Massenmörder oder die größten dies und das machen. Du musst auch so irgendwie…‘ Ja, alles klar! Dann hab ich halt ein Kapitel machen wollen Zahlensalat a la Roman. Ich wollte halt eigentlich – so meine Idee – zu jeder Seite ne Zahl. Das war dann das größte Kapitel und dann merkst Du, da rennt Dir die Zeit weg. Der Verlag wollte gerne, dass wir nochmal sowas machen. Ich habe aber gesagt: Dann erst nächstes Jahr, weil das musst Du dann halt wirklich schon im Januar direkt anfangen. Aber das wäre halt ne gute Idee, weil Waldorf und Statler vom Football schreiben ein Buch – herzlichen Glückwunsch.

Roman Motzkus: Ich kenn schon das Cover dazu…

 

Die Footballzukunft

Carsten Keller: Cool, dann warten wir mal gespannt darauf und werden das weiter verfolgen und uns das zu gegebener Zeit dann natürlich zulegen. Wie sieht sonst Eure Footballzukunft aus? Welche Wünsche habt Ihr für die nächsten Jahre?

Roman Motzkus: Weitermachen!

Carsten Keller: Weitermachen bis das Waldorf und Statler Alter dann wirklich erreicht ist?

Roman Motzkus: Solange die alten Herren noch auf dem Balkon sitzen dürfen, machen wir das auch. Irgendwann gehen wir dann auch auf den Balkon – das ist versprochen. Ich kann mir vorstellen, dass man noch eine ganze Menge über Football zu erzählen hat, egal wohin die Reise geht. Wir wissen ja alle, die NFL ist ein Businessunternehmen. Da gibt es Lizenzrechte und die werden alle paar Jahre wieder neu verhandelt. Ob dann zum Beispiel ran weiter Football überträgt, weiß man auch nicht. Wir sind ja beide freie Mitarbeiter. Aber – und da spreche ich mal von mir – ich werde sicher weiter im Footballumfeld zu tun haben. Ob das dann wieder im Fernsehen ist, das weiß man nicht. Was ich jetzt weiß ist, dass wir die Saison zu Ende bringen und zu Ende kommentieren werden. Auch gemeinsam hoffentlich das ein oder andere Mal hoffentlich, wenn ich den Dienstplan richtig gesehen habe. Und dann wird man sehen, wohin die Reise geht.

Ob nächstes Jahr dann so weitergeht, muss man von Jahr zu Jahr sehen, denn ich hab immer nur einen Jahresvertrag mit den Rahmenbedingungen. Und wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann kann man weiter machen. Wenn sie nicht stimmen, dann wird man vielleicht etwas anderes machen. Es gibt inzwischen andere Kanäle, es gibt andere Möglichkeiten, die es vor Jahren nicht gab. Ich kann mir aber genauso vorstellen, zuhause auf der Couch zu sitzen und die Spiele dort anzuschauen. Trotzdem werde ich im Football immer irgendwie dabeisein. Natürlich hab ich hier in Berlin die Gelegenheit, meine Berlin Adler weiter noch zu unterstützen oder zu helfen und das ein oder andere nationale Thema hab ich natürlich auch noch auf der Uhr. Ich kann mir auch vorstellen, weiterhin Football auch aktiv als Funktionär irgendwo weiterzumachen. Meine Familie würde sich sicher auch freuen, wenn ich mal ein bißchen mehr Zeit habe. Während der NFL Saison kommt die immer ein bisschen zu kurz, aber ansonsten ist es halt so: So lange man mich haben will, werde ich bestimmt weitermachen. Wenn mich jemand anderes haben will, muss man reden. Das ist halt so im Geschäft. Als nächstes wäre natürlich ein Ziel, wenn man beim letzten Spiel der Saison mit live vor Ort sein darf und das auch kommentieren darf – das wäre nochmal so ein Traum, den man haben darf.

 

Super Bowl

Carsten Keller: Das wäre aber nicht der erste Super Bowl, bei dem Du warst, richtig? Also Du warst schon mal, aber nicht zum Kommentieren, wenn ich mich richtig erinnere?

Roman Motzkus: Genau, ich hab zwei Super Bowls live im Stadion gesehen. Ansonsten hab ich seit 1985 alle Super Bowls gesehen, wenn sie denn irgendwo gezeigt wurden. Zweimal war ich im Stadion – einmal 1996 in Tempe bei Phoenix und hab die Dallas Cowboys gegen Pittsburgh Steelers gesehen und das zweite Mal war dann 2010 Indianapolis Colts gegen New Orleans Saints [in Miami]. Da saß ich dann auch relativ gut in der ersten Reihe an der 50 Yard-Linie… das war schon ganz okay. Das ist natürlich was anderes, wenn man das Spiel sieht und weiß, das ist eine tolle Atmosphäre. Aber wenn man dann halt nochmal als Kommentator dabei ist, das ist glaube ich nochmal bisschen was anderes.

Carsten Keller: Bester Blick auf den Onside Kick [der Saints] nach der Halbzeitpause…

Roman Motzkus: Genau. Da war ich gerade wieder zurück.

Carsten Keller: Mit 2 Bier in der Hand…

Carsten Spengemann: Um das von Roman nochmal aufzugreifen. Wir machen beide „Football Made in Germany“ – das heißt: Roman macht Berlin Adler, ich bin bei den Lübeck Cougars. Da moderieren wir halt auch ab und an zusammen – also er kommt nach Lübeck, dann kriegt er von uns ein Niederegger Marzipan und darf noch ein Brötchen essen. Dann muss er aber mit mir auf dem Feld moderieren und genauso mach ich das, wenn bei ihm in Berlin irgendwas Großes ist wie Tag der offenen Tür oder Kindertag oder was auch immer. Mir macht es halt Spaß und da sind wir wieder bei Fannähe.

Solange mir Football Spaß macht, und solange mir das Arbeiten Spaß macht – und mit den Kollegen bei ran macht es mir momentan sehr viel Spaß – egal wer und auch hinter den Kulissen – das macht einfach Spaß! Du hast tolle Leiter der Sendung, Du hast tolle Ablaufredakteure und dann muss man auch nicht irgendwie sagen: ‚Mensch, das ist jetzt ein Job!‘ und dann dauert das länger oder noch Vertonen oder was auch immer, sondern Du gehst nach Hause mit einem guten Gefühl, weil Du etwas für für die Menschen gemacht hast. Du hast gerade gesagt: Man sieht eigentlich immer bei Events, in London, etc. immer wieder Menschen, die Du vorher schon mal irgendwo gesehen hast. Das macht dann Spaß, weil Du weißt: Für die machst Du das. Wir wissen halt, wie lange die Rechte sind bei ran und ob wir dann parallel nebenher mal irgendwo – keine Ahnung, bei einem großen Streaminganbieter, der heißt wie ein Versandunternehmen – was machen… Klar. Man spricht, weil beim Football – weißt Du ja selbst – gibt es jetzt nicht 725 Leute, die das kommentieren können. Deswegen gibt es natürlich diese Gespräche. Aber salopp gesagt: Wo der Motzkus hingeht, geh auch ich hin!

Carsten Keller: Sehr gut!

Carsten Spengemann: Willst Du mit mir gehen? Ja, nein, vielleicht.

Roman Motzkus: Wo der alte Sack hingeht, kommt der andere hinterher.

 

Tipps zu Super Bowl LVI

Carsten Keller: Das wäre prinzipiell ein schönes Schlusswort, allerdings kann ich Euch natürlich nicht gehen lassen ohne einen Super Bowl Tipp. Womöglich könnt Ihr ja den von vor der Saison noch nehmen, wenn er noch am Start ist.  Das mit den Dolphins [Carsten Spengemann ist bekannter Dolphins-Fan] wird allerdings schwierig… Gut, wenn sie die letzten drei auch noch gewinnen, vielleicht geht noch ein bisschen was. Die Siegesserie ist ja auch die längste der Liga, glaube ich aus dem Kopf. Falls das der Statistikgott bestätigen kann?!

Roman Motzkus: Ja, Kansas City hat auch noch sieben am Stück gewonnen.

Carsten Spengemann: Sind ja auch beides meine Teams!

Roman Motzkus: Er hat da seine Finger im Spiel. Ich mach einen Mainstream-Tip. Ich habe vor dieser Saison keine Tipps abgegeben, weil ich mir absolut unsicher war und die Liga gibt mir dieses Jahr recht. Es war noch nie, seit ich mich wirklich ernsthaft damit beschäftigt habe, so spannend wie dieses Jahr. Dass so viele Möglichkeiten noch da sind vier Spieltage vor Schluss und man da noch wirklich sagen kann: Wir wissen eigentlich gar nicht, wer mitmacht. Ich hätte einen Wunsch und ich finde den einfach ganz schick, wenn das funktionieren würde: dass Tom Brady gegen sein altes Team im Super Bowl spielt. Das fände ich klasse – also Tampa Bay gegen die New England Patriots. Da gibt es so viele schöne Geschichten.

Carsten Spengemann: Ich habs gesagt: Nicht immer am Klebstoff schnuppern!!!

Roman Motzkus: Das fände ich eine schöne Geschichte. Ich glaube nicht, dass mein Team [die San Francisco 49ers] soweit kommt. In die Playoffs werden sie hoffentlich kommen, aber ich glaube, sie werden leider nicht stark genug sein, um es durchzuziehen. Deswegen geh ich jetzt mal mit so einem Mainstream-Tip. Für die Boulevardpresse wäre es super, wenn der Nachfolger gegen seinen Mentor oder gegen sein großes Vorbild antreten darf.

Carsten Keller: Das Vorrundenspiel war ja schon das meisterwartetste Saisonspiel der – keine Ahnung – letzten 20 Jahre wahrscheinlich. Ich glaube, die Medienwelt würde explodieren – selbst bei uns wahrscheinlich. Ich durfte ja vor zwei Jahren in Atlanta beim Super Bowl sein und ich war beeindruckt von dieser gefühlten doppelten Dreifachturnhalle, in der alle Meter einer sitzt und ein Mikrofon vor sich hat und irgendwas zu dem Spiel die ganze Woche aufnimmt. Ich weiß nicht, wie viele Hunderte oder Tausende da waren und Stunden gefüllt haben. Für die wäre das natürlich ein gefundenes Fressen – und für alle anderen auch. Für mich als Patriots- und Brady-Fan wäre es natürlich auch ideal.

Roman Motzkus: Siehst Du – Mainstream!

Carsten Keller: Absolut! Im Gegensatz zu meinem Namensvetter…

Carsten Spengemann: Also pass auf: Ich… wir sind ja… also darf man das sagen? Wir…

Roman Motzkus: Du darfst alles sagen!

Carsten Spengemann: Ich habe ja in Kansas City [anlässlich der ran Übertragung von dort im November] sehr lange sehr viel Zeit verbracht mit Mr Hunt. Wir waren ja draußen beim Tailgating und so weiter und so fort. Er hat eigentlich gesagt, wenn die in den Super Bowl kommen, dann lädt er mich auf ein Bier ein.

Carsten Keller: Per großem Versandhändler zu Dir nach Hause…

Carsten Spengemann: Ne, ne ne. Vor Ort. Dann würde ich ihn natürlich da beim Wort nehmen. Tatsächlich bin ich noch regelmäßig auch mit seiner Assistentin in Kontakt – das hast Du ja mitgekriegt mit Mark Donovan [der CEO der Chiefs, der über die Marketingrechte des Teams in Deutschland in einem Videocall zur Verfügung stand] – um die ganzen Geschichten, was da passieren wird. Da bin ich natürlich sehr involviert und da hab ich Roman mit an Bord geholt. Du hast natürlich den Satz gehört: Sie wollen ihre Spieler  ohne Helm und ohne Pads zeigen als Menschen und die brauchen natürlich jemanden, der auch weiß, wie Du das in Deutschland und wo Du das in Deutschland machen kannst. Wir sind da noch in sehr regem Austausch. Der Witz war halt: Du musst nur vorbeikommen. Das ist diese wirklich typische amerikanische Denke: Komm mal kurz beim Super Bowl vorbei. Aber ich würde die da schon beim Wort nehmen.

Hallo Roman, Abfahrt, wir fliegen jetzt dahin! Ob wir dann tatsächlich dahinkommen in der heutigen Zeit… ach egal.  Deswegen: also auf AFC-Seite, alleine schon, weil ich dieses „Patriots-steht-oben“ nicht mehr sehen kann, würden mir die Bills sehr gut gefallen oder würden mir die Chiefs sehr gut gefallen. Das wären so meine beiden Wunschteams. Was die NFC angeht: Natürlich an Brady und den Buccaneers führt momentan nichts vorbei. Es sei denn, Du spielst so, wie die Saints jetzt plötzlich gegen sie spielten. Die NFC-Seite wird ein ganz ganz enges Ding. Also egal, ob jetzt Green Bay oder die Buccaneers – wir haben die Wochen zuvor gesehen, dass jeder jeden schlagen kann und die Luft immer dünner wird. Am Ende macht es die Erfahrung auf der NFC-Seite aus, das wird entweder Rogers oder aber Brady. Und dann haben wir tatsächlich das Duell alt gegen jung, aber bitte bitte nicht schon wieder die Patriots.

Carsten Keller: Jung gegen Alt wäre doch auch wirklich so in Ordnung.

Carsten Spengemann: Aus Fansicht, aus Pressesicht, aus Hollywooderzählsicht ist das der mega Super Bowl. Und ich würds geil finden. Aber wie gesagt – ich hab jetzt mein Herz verloren an Chiefs Kingdom – und mir würde das sehr gut tun.

Carsten Keller: Die waren jetzt natürlich auch erst zweimal. Aber gut. Dann bin ich gespannt, ob einer Eurer Tips eintrifft und ob Ihr dann fliegen dürft. Ich drück Euch zumindest die Daumen. Ich hab gesagt, ich flieg 2024 wieder – nach Las Vegas. Und den Draft vorher 2022 in Las Vegas.

Carsten Spengemann: Dann sehen wir uns – da will ich auch hin.

Carsten Keller: Ich zahl ein Bier!

Carsten Spengemann: Keiner schläft auf dem Dach!

Carsten Keller: Ich wollte natürlich sagen: Die NFL zahlt ein Bier. Wobei es glaub ich nur Softdrinks vom großen Sponsor gab das letzte Mal.

Roman Motzkus: Wir sind ja auch zum Arbeiten da!

Carsten Keller: Auch… aber ich meine… es ist Las Vegas. Da ist nicht nur Arbeit. Damit danke ich Euch beiden recht herzlich für dieses Interview und gerne wieder bei einem Event oder Draft oder Super Bowl, wenn das mal wieder erlaubt ist!


Das Interview wurde am 21.12.21 per Videocall geführt. 

Danke an Roman Motzkus und Carsten Spengemann sowie Pro7 Maxx für die Zurverfügungstellung der Bilder!