Interview Autor Adrian Franke

Adrian Franke ist Redakteur mit Schwerpunkt NFL bei spox.com. Auch er ist unter die Autoren gegangen und veröffentlicht zum 22.01.18 im Meyer & Meyer Verlag sein Buch „American Football – Alles, was man wissen muss“.

Er war dankenswerterweise bereit für ein Interview zu seinem Buch und die NFL im Allgemeinen die Seiten zu tauschen.

Hallo Adrian – erst einmal danke für das Interview!

Wie kam es zu der Idee, ein Buch über American Football zu schreiben?

Ich hatte die Idee schon eine Weile lang mit mir herumgetragen, bevor ich schließlich den Entschluss fasste, Verlage anzuschreiben. Im Prinzip kann man es so zusammenfassen: Ich habe – auch im Rahmen meiner Tätigkeit bei SPOX, insbesondere aber auf Social Media – immer häufiger gemerkt, dass die Leute auf der Suche nach Einsteigerliteratur auch mit taktischer Note zu Football sind. Und dass sie diese lieber in deutscher Sprache hätten.

Ich habe dann ein wenig im Internet gesucht und gemerkt, dass es eine Art „Advanced Basis Buch“ im deutschsprachigen Raum so tatsächlich nicht gibt. Genau das wurde die Grundlage für mein Buch. Ganz einfach herunter gebrochen: Ein Football-Buch, das zu Beginn Einsteiger abholt, aber in dem auch Fans, die schon länger dabei sind, noch etwas lernen können. Ein Football-Neuling sollte also im Idealfall zu keinem Zeitpunkt inhaltlich überfordert sein, trotzdem aber am Ende des Buches eine ganze Menge neuer Dinge über den Sport und seine Entwicklung wissen.

 

Hattest Du Vorgaben vom Verlag, wie lange das Buch in etwa werden soll oder warst Du diesbzüglich frei?

Da hatte ich einen Rahmen als Vorgabe, etwa 200 Seiten in gedruckter Form mit einem gewissen Spielraum nach oben und nach unten. Wenn ich es richtig im Kopf habe, sind es letztlich ziemlich genau 200 Seiten gedruckt geworden. Die Grafiken und Schaubilder im Buch geben dabei natürlich einen gewissen Spielraum auch für den Verlag.

 

Wie gut ließ sich das Schreiben eines Buchs mit Deiner Arbeit bei SPOX verbinden und wie viele Stunden musstest Du ungefähr investieren?

Wenn man meine Frau fragt, wahrscheinlich etwas mehr, als es mir vorgekommen ist! Nein, im Ernst: Meine Frau hat mich da in allem super unterstützt, sonst wäre das so nicht möglich gewesen. Denn ich habe schon einige freie Abende nach der Arbeit noch am PC verbracht, sowie mir ein paar Wochen Urlaub nach dem Ende der Saison genommen, um den Großteil des Buchs zu schreiben. Wenn ich jetzt schätzen müsste, würde ich sagen, dass zusammengerechnet etwa fünf bis sechs „Arbeits-Wochen“ – also wenn wir von fünf Mal acht Stunden die Woche ausgehen – rein für Recherche und Schreiben drauf gegangen sind.

 

Nachdem Du Deine Frau erwähnt hast – wie steht sie zum Football und musste sie als „Lektor“ herhalten?

Das ist eine im Kontext lustige Frage, denn ohne meine Frau wäre ich mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit jetzt überhaupt nicht an dem Punkt, an dem ich bin. Jahrelang habe ich mich zu 90 Prozent – privat und was das Schreiben angeht – nur mit Fußball befasst. Da kam dann mal ein bisschen Tennis oder Handball dazu, mit dem US-Sport generell hatte ich allerdings nichts zu tun.

Doch dann ist meine Frau (damals noch Freundin) nach dem Abi 2007 für ein paar Monate für ein Praktikum nach Texas gegangen. Und als sie zurück kam, hat sie mir gesagt, dass ich doch mal Football eine Chance geben sollte, weil gerade die taktischen Elemente mir gefallen könnten. Was soll ich sagen? Ich war zunächst skeptisch, aber ganz offensichtlich hatte sie Recht! Kleiner Schönheitsfehler daran: Da sie in Texas war, kam sie als Cowboys-Fan zurück. Aber irgendeinen Preis muss man schließlich zahlen! Und ja, sie hat das Buch gegengelesen, genau wie meine Schwester. Da beide Lehramt studiert haben und meine Schwester mit dem Sport an sich überhaupt nichts am Hut hat, war das gewissermaßen die perfekte Kombination für mich: Ein absoluter Neuling und mit meiner Frau jemand, der zumindest die Grundelemente des Spiels kennt.

 

Auf dem Cover ist „The Greatest Of All Time“ Tom Brady abgebildet (zumindest bei Patriots-Fans ist der „Titel“ unbestritten). Hast Du eine spezielle Beziehung zu ihm oder warum wurde gerade er ausgewählt?

Da kann ich nur eine relativ schmucklose Antwort geben: Die Frage vom Verlag war, wer in Deutschland besonders bekannt ist und mit wem man eben auch die Fans, die noch nicht so lange dabei sind, ansprechen kann. Ich hab dann ein paar Vorschläge gemacht, Russell Wilson wäre etwa eine Alternative gewesen. Die Wahl fiel letztlich aber auf Brady. Was den Bekanntheitsgrad angeht eine verständliche Entscheidung, denke ich.

 

Wie wurde Deine Begeisterung für die NFL geweckt und wann wusstest Du, dass Du Dich beruflich in diese Richtung entwickeln willst?

Die ersten Schritte kamen wie gesagt über meine Frau. Ich habe damals – da liefen die Playoffs glaube ich noch in der ARD – einige Postseason-Spiele gesehen und meine Neugier war geweckt. Trotzdem war beruflich zunächst noch alles auf Fußball ausgerichtet. Ich habe bei einer Lokalzeitung und ab 2010 dann erst als Praktikant sowie wenig später als freier Mitarbeiter für SPOX gearbeitet, mit ganz klarem Fokus auf Fußball.

Privat habe ich da Football schon von Saison zu Saison immer intensiver verfolgt, und dadurch bin ich bei SPOX über die Jahre immer mehr in die Schiene gerutscht. Aus „überwiegend Fußball“ wurde mehr und mehr eine 50:50-Angelegenheit, bis ich schließlich das Glück hatte, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein: Als SPOX offizieller NFL-Partner wurde, war ich bereits sehr tief drin in der Materie und auch was die Coverage auf der Seite angeht. Mein Chef Flo Regelmann hat mir daraufhin eine Art „NFL-Volontariat“ angeboten, das war 2015 – ab da also war ich komplett auf NFL ausgerichtet, mit einigen Ausnahmen in der Offseason. Seit der Saison 2016/17 leite ich den NFL-Bereich auf SPOX.

 

Wer wäre auf dem Cover gewesen, wenn es Dein Lieblingsspieler gewesen wäre?

Das ist nicht schwierig – Larry Fitzgerald ist mein unangefochtener Lieblingsspieler. Weil er so unfassbar konstant abliefert, selbst mit schlimmen Quarterbacks, und dabei stets auf dem Boden geblieben ist. Aus Interviews rund um die NFL kann man eigentlich auch nur zu dem Schluss kommen, dass kaum ein Spieler einen solchen Respekt bei seinen Gegenspielern genießt.

 

Ich schließe aus dem Cowboys-Kommentar messerscharf, dass Du im Gegensatz zu Deiner Frau kein Fan von „Americas Team“ bist. Kann man als NFL-Verantwortlicher bei spox noch Fan eines Teams sein – und wenn ja von welchem – oder „muss“ man neutral sein?

Wichtig ist es denke ich, dass man neutral berichtet, auch über das eigene Team. Und ja, ich habe ein Team: Ich bin Fan der Arizona Cardinals! Es ist das Team, über das ich letztlich auch zum Football kam beziehungsweise meine ersten Schritte im Football gemacht habe – die ersten Spiele die ich gesehen habe waren zufällig alle Cardinals-Spiele. Damals hat mich die Story um Fitzgerald und Kurt Warner gepackt – und nie wieder losgelassen. Tatsächlich glaube ich, dass es einem zusätzliche Begeisterung auch beim Schreiben geben kann, wenn man ein eigenes Team hat. Man muss es allerdings in den entsprechenden Momenten unter Kontrolle haben.

 

Wie wird sich die NFL die nächsten Jahre entwickeln – aktuell gibt es ja dank CTE, „Hymnenprotesten“ und Zuschauerschwund genug negative Schlagzeilen?

Die komfortable Situation der NFL ist, dass sie selbst in solch heiklen Situationen immer aus einer Position der absoluten Stärke handelt. Nicht zwangsläufig inhaltlich, aber was ihre Stellung angeht – kein Sport in den USA kann mit der NFL mithalten, nicht einmal ansatzweise. Also hat man gewissermaßen noch einen ordentlichen Puffer. Dennoch denke ich schon, dass es einige Schüsse vor den Bug geben wird, wenn wir von Zuschauerzahlen und dergleichen sprechen. Dann ist es ganz essentiell, dass die Verantwortlichen die richtigen Schlüsse ziehen. Das bedeutet für mich beispielsweise auch, Unsportlichkeiten wie Cheap Shots und gezielte Hits etwa gegen den Kopf rigoros zu bestrafen und gezielt die Spieler-Sicherheit zu verbessern. Wirklich spannend werden aber die Verhandlungen für das nächste Collective Bargaining Agreement für 2021. Da habe ich keine Ahnung, was uns letztlich erwartet.

 

Stimmt – für die CBA-Verhandlungen werden bereits jetzt die Klingen gewetzt. Aber zurück zu Erfreulicherem: Wo steht die NFL bei uns in Deutschland bis dahin? Werden wir ein Spiel hierzulande sehen?

Früher oder später wird das kommen, ganz klar. Die NFL hat sich auf England so eingeschossen, weil dort der Weg geebnet werden soll, um beim nächsten Umzug eines Teams London als ernsthafte Option präsentieren zu können. Deshalb wird dort auch so langfristig mit Stadion-Deals und dergleichen gearbeitet. Mein Tipp ist aber: In den nächsten 5 Jahren sehen wir mindestens ein NFL-Spiel in Deutschland.

 

Eine von mir gern gestellte Frage: Was hat in den USA Deiner Meinung nach am meisten zur Popularität der NFL beigetragen: Sportwetten, Fantasy Football oder die Madden Videospielreihe?

Da würde ich ganz klar mit Fantasy Football gehen. Hier gibt es verschiedenste Varianten – für Einsteiger genau wie für absolute Experten -, man kann es mobil und mit Freunden gemeinsam spielen und plötzlich wird jedes Spiel für einen interessant: Auf einmal verfolgt man Browns gegen Bears, weil man ein gutes Spiel von Jordan Howard braucht. Zu keinem anderen Thema bekomme ich jede Woche konstant so viele Fragen gestellt, jeder hat Spaß daran, in welcher Variante auch immer, sein eigenes Team zu managen. Fantasy Football bindet Fans an die „echten“ Spiele, auch wenn es dabei die Wahrnehmung extrem verzerrt: Skill-Position-Player rücken dadurch natürlich noch viel stärker in den Fokus.

 

Wie bringst Du da in Deinem Buch Fan-Neulinge von #ranNFL, Anhänger, die eben über Madden zur NFL gekommen sind, und die „alten Footballhasen“ als Leser unter einen Hut? Warum sollten die sich alle Dein Buch kaufen?

Das war zugegebenermaßen eine Herausforderung. Ich will es mal so umschreiben: Ein alter Footballhase wird vermutlich am Anfang einige Seiten eher überfliegen, als sie eingehend zu lesen – mein Ziel war es, am Anfang gerade die Einsteiger abzuholen und möglichst schnell auf einen konkreten Wissensstand zu bringen. Dadurch konnte ich dann auch zeitnah auf taktische Aspekte und die Entwicklung des Spiels eingehen: Wie bestimmte Offenses entstanden sind, was gewisse Formationen ausmacht, wie etwa die Patriots-Offense funktioniert und welche Figuren die Weiterentwicklung der NFL und von Football generell so geprägt haben. Meine Hoffnung ist also, dass Einsteiger schnell ran geführt werden und so tiefer eintauchen können, während erfahrenere Fans spätestens ab dem „tiefer eintauchen“-Part ebenfalls neue Dinge mitnehmen.

 

Wo gibts das Buch zu kaufen und wird es auch eine „Adrian-Franke-Lesereise“ geben?

Das Buch gibt es auf Amazon [LINK], direkt über den Meyer&Meyer Verlag und natürlich auch ganz klassisch im Buchladen zu kaufen. Eine Lesereise oder zumindest einige einzelne Termine sind angedacht, der Plan aber noch nicht finalisiert. Sollte es dazu kommen, werde ich via Twitter natürlich nochmal alle Termine posten.

 

Natürlich kann ich Dich nicht ohne einen Super Bowl Tipp und eine Voraussage für den MVP der Hauptrunde gehen lassen…

MVP der Regular Season kann eigentlich nur Brady werden. Die Quarterback-Position ist einfach so dominant im Football, dass es für mich letztlich fast unmöglich ist, eine andere Position für den MVP ernsthaft in Betracht zu ziehen. Antonio Brown verdient dieses Jahr aber zumindest Erwähnung. Lange hatte ich Russell Wilson ganz weit vorne, weil er ohne viel Hilfe durch das Scheme, die Line, das Run Game oder das Play-Calling die Offense häufig im Alleingang getragen hat. Allerdings haben sich bei ihm die schlechten Auftritte in der finalen Phase der Saison gehäuft. Brady war, so viel ist klar, der mit Abstand beste Quarterback der Regular Season.

Super-Bowl-Tipp ist auch dieses Jahr wieder sehr schwer. Ich denke, die Patriots werden sich in der AFC durchsetzen, in der NFC tippe ich auf die Vikings – und damit den Heim-Super-Bowl! Und den gewinnt Minnesota mit seiner dominanten Defense.


Herzlichen Dank für das Interview Adrian, alles Gute für Dich und viel Erfolg für das Buch!

Checkt auch die Interviews mit Nils Müller und Roman Motzkus !


Es gibt auch bei Twitter 3 Exemplare zu gewinnen – einfach als Follower folgenden Tweet bis zum Spielbeginn des ProBowl retweeten:

Bei facebook gibt es darüberhinaus auch noch 2x das Buch zu gewinnen – da Teilen und / oder Liken (ebenfalls bis zum Kickoff ProBowl)!

Dankeschön an den Meyer & Meyer Verlag!

Viel Erfolg!

 

 

Ein Gedanke zu „Interview Autor Adrian Franke

  • 8. August 2018 um 4:41
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    I like this weblog very much, Its a rattling nice position to read and find information. „I look upon every day to be lost, in which I do not make a new acquaintance.“ by Samuel Johnson.

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