Freitag, Juli 19, 2024
Offseason

Ersatzdroge GFL – ein Besuch bei den Berlin Adlern

Nachdem die NFL immer noch etliche Wochen pausiert, momentan wenig bis nichts in der Liga passiert (außer, dass sich grade ein Running Back versehentlich erschossen hat, dessen Name – Zurlon Tipton – ich bewusst noch nie gehört hatte) und gerade ein Berlin-Besuch anstand, verband ich diesen Familienausflug doch prompt mit einem Besuch beim bekanntesten Team der Hauptstadt, den Berlin Adlern aus der GFL.

Zu Gast waren die Dresden Monarchs, die das Hinspiel deutlichst gewonnen hatten.

Ich wollte mal sehen, wie sich der Ausflug zur GFL mit der großen NFL messen kann (na ja – nicht ganz ernsthaft gemeint der Vergleich) und hab das Ganze in etlichen Bildern festgehalten.

 

  1. Anfahrt

Parken am Stadion kein Problem und das dazu kostenlos neben einem Gebäude, das einem Gefängnis zum Verwechseln ähnlich sieht (und laut Leser Sven tatsächlich auch eines ist – danke!).

 

 

 

 

In der NFL liefen wir mal zum damaligen Qwest Field, der Heimat der Seahawks, und waren über die Parkpreise am Stadion erstaunt: 50 Dollar. Fürs Parken. Gut – war schon 2005. Ist aber sicher nicht billiger geworden. Bei einem Country Konzert in Arlington verlangten die Veranstalter 1.000 (in Worten: tausend) Euro für einen Parkplatz direkt am Stadion. Und die Plätze gingen weg. Unfassbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Stadion

Das Stadion sieht ein bißchen aus, wie wenn es Mielkes FC Berlin schon gesehen hätte und danach renoviert worden ist. Allerdings liegts im ehemaligen Westteil, also blieb ihm eine Stasi-Vergangenheit erspart. Die Uhr zeigte witzigerweise „5 vor 12“, was hoffentlich nichts mit der sportlichen und finanziellen Lage der Adler zu tun hat.

Das Kassenhäuschen hat mich gleich mal fasziniert. Sieht fast genauso aus wie das Sandspielhaus meiner Tochter aus dem Baumarkt und hat irgendwie Charme – kein bißchen Kommerz.

Die Eintrittspreise mit 10 Euro pro Erwachsenem waren absolut nicht übertrieben und auch die Essens- und Merchandisingkosten sind richtig günstig. Auch da darf man den Vergleich mit der Gelddruckmaschine nicht scheuen – ein Trikot der Adler kostet mit 20 Euro nur einen Bruchteil eines NFL-Leibchens.

Die Tribünen waren wegen des 4 Stunden später stattfindenden EM-Achtelfinals der deutschen Nationalmannschaft – weshalb auch der Spielbeginn schon um eine Stunde vorgezogen worden war – wohl spärlicher gefüllt als sonst bei diesem „Derby“. Die Dresdener hatten stimmlich eindeutig die Hoheit und spätestens mit Eintreffen der U16 der Monarchs lag der stimmungstechnische „Heimvorteil“ eindeutig bei den Gästen.

 

 

 

 

 

 

 

  1. Maskottchen / Cheerleader

Der Adler der Berliner ist nett anzusehen und meiner Tochter hätte er sicher gefallen.

 

 

 

 

 

Aber die ist halt auch erst 3. Optisch ansprechender sah das bei den Gästen aus:

 

 

 

Die Dresdener hatten nämlich eine echte Monarchin, Königin, Regentin oder was weiß ich dabei, die tapfer in ihrer Perücke bei gut über 25 Grad aushielt.

Ein footballtypisches Bild mit Bier wollte sie komischerweise nicht, aber zumindest den Adler stach sie optisch klar aus.

Ansonsten forderten die Dresdener Anhänger lautstark eine Cheerleading-Kombo, die aber nicht auftauchte.

 

  1. TV-Übertragung

In der NFL wird ja wirklich jedes Spiel übertragen – und sei es auch ein noch so schrottiges Preseason Spiel #4, in dem man von ungefähr 10 % der Spieler schon einmal gehört hat.

Das GFL-Spiel wurde tatsächlich auch übertragen – und zwar per Livestream durch die Dresden Monarchs mit ca. 5 Mann/Frauen. Eine feine Geschichte und die Qualität war auch durchaus gut.

 

 

 

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  1. Spielverlauf

Der war mehr als einseitig. Und zwar so einseitig, dass Stadionsprecher Roman Motzkus (genau – der Statistikgott von #ranNFL mit ruhmreicher Adler-Vergangenheit) die Verzweiflung regelrecht anzumerken war.

Dresden scorte nach Belieben, die Adler konnten nicht wirklich Schritt halten und so war das Spiel bei einem Spielstand von 10:54 zur Hälfte bereits entschieden. Die Berliner Defense fand nie eine Antwort auf das überragende „Triplett“ QB Brandon Connette, RB Joseph Bergeron und WR Mike Schallo.

 

 

 

Es dauerte bis zur 33. Minute, ehe die heimische Defense einen Punt erzwingen konnte. Die Offense um den deutschen Rookie QB Paul Zimmermann und die RB Devon Francois und Mike Zurek konnte da lange nicht mithalten, auch wenn Francois, der um einen erschossenen ehemaligen Schulkameraden trauerte, letztendlich mit ein paar „Garbage-Touchdowns“ auf insgesamt drei erzielte Touchdowns kam. Sein Puntreturn-TD über 100 Yards war dabei absolut sehenswert: zunächst ließ er in der Endzone den Ball fallen und als das gegnerische Special Team wohl geistig schon abgeschaltet hatte, obwohl der Schiedsrichter noch nicht abgepiffen hatte, nahm er das Ei auf und sprintete an Freund und Feind vorbei in die gegenüberliegende Endzone. Wohl das Play der Woche !

Letztendlich fuhren die Monarchs einen auch in der Höhe nie gefährdeten 68:31 Auswärtssieg ein und bestätigten damit die Prognose von football-aktuell, die die Gewinnwahrscheinlichkeit dieser GFL-Partie mit 72 % angegeben hatten.

Wer einen etwas ausführlicheren Spielbericht lesen möchte – hier ist der Link zum Artikel von Björn Hesse bei football-aktuell, dem als Pressesprecher der Adler sicher beim Schreiben das Herz blutete:

Björns Spielbericht bei football-aktuell.de

Genauso wie Roman Motzkus, der sich übrigens als Meister des Multitaskings herausstellte: neben einer engagierten Leistung als Stadionsprecher – bei den letzten Touchdowns eskalierte er wie sonst nur Schmi-So bei den NFL-Übertragungen – überzeugte er als Meister im Twitteruniversum. Und herzlichen Dank für die Begrüßung.

Nachdem die beiden sonst wenig Grund zur Freude über die Leistung ihres Teams hatten, gibt es hier noch ein kurzes Video vom Touchdown-Lauf von RB Devon Francois:

 

 

  1. Nach dem Spiel

Die Dresdener klatschten noch mit ihren zahlreichen Anhängern ab, was auch mir mehr oder weniger versehentlich ein High Five mit RB Joseph Bergeron einbrachte. Lag aber nur an meiner Cowboys Mütze, wie er mir sofort versicherte.

 

Alles in allem ein sehr unterhaltsamer Nachmittag, bei dem ich hautnah dabei sein durfte. In der NFL sicher nicht möglich, aber als Ersatzdroge zur Überbrückung taugt die GFL allemal und wohl die wenigsten haben ihr Kommen bereut. Wenn auch zumindest die heimischen Fans sicherlich enttäuscht waren vom Auftritt ihres Teams. Besucht also die GFL-Teams in der Nähe und vielleicht findet sich ja der nächste Moritz Böhringer dabei !

 

 

  1. Die restlichen Bilder

Ein paar Bilder waren noch übrig – wie das von Guard Maik Lorenz. Jetzt bin ich mit 185 schon nicht gerade klein, aber als Gegenspieler des Kolosses mit 194 cm und 150 kg hätte ich Angst. Und es gäbe sicher keinen Pass Rush von mir.

 

 

 

 

 

 

 

Ein Touchdown der Adler – kam zwar vor, aber halt bei weitem nicht so oft wie auf der anderen Seite. In dem Fall war es jedenfalls eindeutig.

 

 

 

 

Mein Dank gilt neben der Stimme der Adler, Roman Motzkus, vor allem Björn Hesse, der den PR-Bereich der Adler berackert (hier im Interview mit dem siegreichen Gäste-Head Coach John Leijten) und nach Abpfiff noch die Stimmen des Spiels eingefangen hat:

Wohl nicht mein letzter Besuch bei einem Spiel der Adler und zum German Bowl der GFL bin ich voraussichtlich auch in Berlin.

Der wird ziemlich sicher ohne die Adler stattfinden.

Leider.