Woche 5 – Alex Smith Comeback

Endlich hieß es wieder einmal: Kein Spielbericht im frühen Fenster, also Zeit für eine Kolumne hier! Später musste ich dann die Cowboys gegen die Giants ertragen. Das gabs früher immer Sonntagnacht, aber dazu sind beide Teams im Moment nicht stark genug…

Stattdessen liefen im ersten Slot die Chiefs und die Raiders, die gefühlt jeweils schon mehrmals übertragen wurden. Aber ich mag beide Teams (Las Vegas ist ja eh meine Wahlheimat) und beschwere mich bestimmt nicht. Für die Motzer kann ich eh immer den GamePass empfehlen, der „in meiner Region“ mit 88 Euro für die Saison jeden Cent wert ist.

 

Chiefs – Raiders 36:20

Die bis dato ungeschlagenen Chiefs starteten mit einem schnellen Touchdown… der aber nicht zählte, weil ein O-Liner gehalten hatte. Eigentlich ein Highlight-Catch, aber so war es nur ein unnötiger Raumverlust.

Stattdessen war es ein weiter Pass von Raiders QB Derek Carr auf den wiedergenesenen Rookie Henry Ruggs, der großen Raumgewinn für die Gäste brachte. Am Ende sprangen jedoch nur drei Punkte durch den bisher zuverlässigen Kicker Carlson heraus (so zuverlässig, dass unser fränkischer Kickerexport Domi Eberle weiter in der Practice Squad auf seine Chance warten muss).

Den ersten Touchdown holten dann aber die Chiefs: Pat Mahomes nach langem Pass auf TE Travis Kelce in bester Ausgangsposition und nachdem der Weg frei war, erlief er das 7:3 gleich selbst.

Bei den Raiders sah das anschließend kurzzeitig gut aus… bis Derek Carr bei 3. & 1 einen Pass auf seinen riesigen TE Waller überwarf und stattdessen eine Interception von CB Breeland tief in der eigenen Hälfte kassieren musste.

Cheetah Tyreek Hill sprintete die letzten Yards über rechts zum 14:3 in die Endzone. Ein kostspieliger Fehler von Carr führt prompt zu Punkten. Sowas kann man sich gegen die Chiefs einfach nicht erlauben.

Zwar gelang auch den Raiders ein Touchdown durch einen 59 Yard Pass (!) auf Nelson „in-Philly-hätte-ich-den-fallengelassen“ Agholor, um die Partie offenzuhalten. Aber die Chiefs und vor allem Pat Mahomes zeigten umgehend, warum die Lombardi-Trophy und die für den MVP 2018 in Kellern in Kansas City stehen: Im dritten Versuch rannte Mahomes parallel zur Endzone in Richtung Seitenaus, um dann doch einen „100 Meilen pro Stunde-Pass“ zu seinem Wide Receiver Sammy Watkins zu feuern.

21:10 für die Chiefs, aber auch die Raiders antworteten schnell. Ein paar gute Pässe von Derek Carr und an der Endzone ist es dann TE Waller, um aus fünf Yards für das 21:17 zu sorgen. Sehr unterhaltsam diese Partie.

Und spätestens, als dann Henry Ruggs III (die anderen beiden Henry Ruggs vor ihm sind nicht ganz so erfolgreich gewesen) viel zu viel Platz hatte, führten die Raiders sogar noch 24:21 in Kansas City.

Kleine Erinnerung: Ruggs war der am ersten gezogene Wide Receiver im vergangenen Draft. Gleichzeitig saß er auch im Moment geruhsam auf meiner Bank in zwei Fantasy-Ligen (ich weiß, interessiert keinen und mich auch nur ein ganz klein wenig).

Durch ein Field Goal von Kicker Butker glichen die Chiefs noch vor der Hälfte aus. Ein sehr schönes Spiel für den neutralen Beobachter.

Die zweite Hälfte blieb dann ein komplettes Viertel punktlos, aber gleich zu Beginn des Schlussabschnitts erlief Josh Jacobs die Führung zum 30:24; Carlson setzte seinen ersten Extrapunkt im 16. Versuch daneben (Domi Eberle irgendjemand?), aber vorher dachten wohl die wenigsten, dass diese Partie so lange spannend bleiben würde.

Als dann die Raiders im folgenden Drive auch noch ein Field Goal obendrauf packten, sah es erstmals nach einer handfesten Überraschung aus. Eine Interception von Mahomes sechs Minuten vor dem Ende führte in der Folge prompt zum nächsten Touchdown der Gäste durch Josh Jacobs. 24:40 direkt vor dem Ende – selbst für Patrick Mahomes zu viel Rückstand?!

Doch die Chiefs gaben nicht auf. Ein Touchdownpass zu TE Travis Kelce und eine unglaubliche Two Point Conversion in der gleichen Kombi führten zu nur noch acht Punkten Differenz bei knapp vier Minuten zu spielen. Dabei blieb es am Ende jedoch auch. Nach vielen vielen Siegen in Folge mussten die Chiefs wieder einmal eine Niederlage einstecken.

 


 

TV-Kritik

Jan Stecker und Roman Motzkus eröffneten den Footballabend bei #ranNFL – oder auch: Der (neugewählte) Vorstand der Cologne Crocodiles gegen den Vize der Berlin Adler. Eine Kombination, die es quasi schon immer gibt, was man auch an der Chemie der beiden merkt. Das funktioniert einfach (größtenteils), auch wenn Jan Stecker immer mal wieder für einen kleinen Kopfkratzer sorgt.

Das späte Spiel begleiteten dann Patrick Esume und Björn Werner; bei mir jedoch tonlos, da zeitgleich für den Spielbericht der Dallas Cowboys gegen die New York Giants der GamePass am Tablet laufen musste. Da waren übrigens Jim Nantz und Tony Romo am Start, was sich im Fall von Tony „ich war der Vorgänger von Dak“ Romo irgendwie komisch anhört.


 

Twitteruniversum

Pro Bowl NFC AFC ranNFL

Aus der Reihe: „I see what you did there…“

Willkommen bei der 2020er Edition der New York Football Jets. Lippo und Co tun mir ehrlich leid…

 


Es war die Feelgood-Story des Spieltags: Alex Smith, vor gefühlt mehreren Jahrzehnten First Overall Pick der San Francisco 49ers (als anschließend Aaron Rodgers im freien Fall bis zu den Packers an #24 segelte), spielte erstmals nach knapp zwei Jahren wieder.

Dabei gewann er nicht einmal. Also ergebnistechnisch. Kharmatechnisch gewann er auf jeden Fall.

Aber seit einer unglaublich grausam anzusehenden Beinverletzung stand zunächst eine Amputation des Beins und später sogar das Leben von Alex Smith durch eine Infektion auf der Kippe. Außer ihm ging wahrscheinlich kaum jemand davon aus, dass er noch einmal auf einem Footballfeld stehen würde.

Dwayne Haskins spielte jedoch so schlecht, dass ihn Head Coach Ron Rivera nach Woche 4 gleich komplett auf die Tribüne verbannte und stattdessen Kyle Allen zum Starter machte. Alex Smith wurde Backup und kaum verletzte sich Kyle Allen nach einem harten Hit von Jalen Ramsey in der ersten Halbzeit, kam Alex Smith nach 694 Tagen Pause wieder zurück.

Vor den Augen seiner Familie und mit den besten Wünschen wohl der ganzen NFL-Welt. Das Ergebnis – eine 10:30 Niederlage gegen die Rams – war da nur noch Nebensache und die insgesamt kassierten sechs Sacks führten wenigstens zu keiner weiteren Verletzung.

Der Titel des „Comeback Players des Jahres“ sollte ihm sicher sein.


Nach der Feelgood-Story gleich der „Bummer“ des Wochenendes: Dak Prescotts Knöchel löste sich in seine Bestandteile auf. Als ob das live nicht schon schlimm genug ausgesehen hätte, musste man sich bei Twitter auch zigfach Wiederholungen und Nahaufnahmen des rechten Unterschenkels mit unnatürlich abstehendem Fuß ansehen.

Für Dak doppelt schlecht: Einerseits hatte er bisher statistische Bestwerte, andererseits spielte er unter dem „Franchise Dak“ (copyright by me), nachdem er sich nicht mit den Cowboys auf einen längerfristigen Vertrag hatte einigen können (strenggenommen in den beiden letzten Offseasons schon nicht). Zwar wurde er für dieses Jahr mit gut 30 Millionen mehr als brauchbar alimentiert, aber nächste Saison hat er vorerst nichts. Aber einererseits wird trotzdem jemand für ihn überbezahlen (Jerry vermutlich) und andererseits KÖNNTEN gut 30 Millionen womöglich auch bis zum Lebensende reichen, wenn man sich ein klein wenig einschränkt…

Die komplette NFL-Welt und auch die deutschen #ranNFL Zuschauer waren jedenfalls geschockt und fühlten wie ich mit dem sympathischen Dak Prescott.

Hoffen wir auf einen guten Heilungsverlauf und erfolgreiche Vertragsverhandlungen mit Jerry Jones im Frühjahr…


Der Spielplan musste an diesem Wochenende leiden wie bislang wohl noch nie zuvor in diesem Jahrtausend (selbst 9/11 schaffte nicht, was Corona jetzt bewirkt):

Insgesamt acht Partien, davon gleich vier mit Chargers-Beteiligung, mussten umgemodelt werden. Das ist wie am Domino-Tag (gibts den noch?)

Anscheinend nicht. Na ja. Ich kann den Verlust verkraften. Aber es werden ziemlich sicher nicht die letzten Spielplankorrekturen sein.


Abschließend noch etwas Off-Topic zum Rundball. Ich hab keine Ahnung, warum dieser Tweet in meiner Timeline auftauchte:

Aber hab ich mich gefreut! Die Helden meiner Jugend (ich war 14 und brauchte das …). Und tatsächlich hab ich mit längerem Überlegen die meisten noch zusammengebracht. Ein Triumph, der kurzzeitig Daks Verletzung verdrängte…

Damit geben wir zurück in die Sendezentrale! Danke fürs Dabeibleiben und bis zum nächsten Mal…