Donnerstag, April 18, 2024
Offseason

Zeitverzögert: Brett Favre MNF 2003

 „If I could turn back time… If I could find a way…“

 

Was Cher da 1989 so sehnsüchtig besungen hat, geht natürlich nicht. Aber wenn man so einen Football-Blog hat, kann man schon einmal zurückblicken auf längst vergangene Zeiten und das wohl beste Spiel der Karriere von Brett Favre.

Ein Spiel, das ich tatsächlich noch nie ganz gesehen hatte, das aber immer wieder zitiert wird und – aus persönlicher Sicht viel wichtiger – für mich ein Meilenstein war, lohnt die Rückschau: Das Monday Night Spiel der Packers bei den Raiders in Woche 16 im Jahr 2003 ist der erste größere Wettverlust, an den ich mich erinnern kann. Und den ich auch voll verdient habe.

 

Vor der Partie

Die Raiders gingen als amtierender NFC Champion (die im Super Bowl zu Jahresbeginn gegen ihren ex-Coach Jon Gruden  – DEN Jon Gruden – und dessen Buccaneers untergegangen waren) in die Saison. Unter Head Coach Bill Callahan klappte nur wenig wie geplant und am Ende landete man bei mageren 4 Siegen, die Callahan den sprichwörtlichen Kopf kosteten. Seitdem durfte er sich nur noch ein paar Spiele als Interims Head Coach der Redskins 2019 versuchen und ist künftig bei den Browns als O-Line Coach beschäftigt.

Die Packers waren damals auf dem besten Weg in die Playoffs und sollten letztendlich auch eine Woche später Divisionssieger der NFC North werden.

Das wäre aber alles noch kein Grund, sich mehr als 16 Jahre später daran zu erinnern.

Brett Favre zeitverzögertAndrew Brandt, damals in der sportlichen Leitung der Packers und jetzt Host des sehr informativen „Business Of Sports Podcast“ beschreibt den Sonntag vor der Partie im verlinkten Podcast so:

„Buzz Cook, Bretts Agent, rief bei mir an und fragte mit drängender Stimme: Wo ist Brett?

Ich antwortete ihm, dass ich es nicht wüsste, aber was ist denn los?

Irv ist gestorben!

[Irv Favre, der Vater von Brett, starb am Steuer seines Pkw im Alter von 58 Jahren an den Folgen eines massiven Herzinfarkts.]

Brett Favre zeitverzögert

Ich weiß nicht, ob Brett damals ein Handy hatte. Wir haben dann herausgefunden, dass er mit Doug beim Golfen war [DER Doug Pederson, der mit den Eagles als Head Coach deren ersten Super Bowl holte].“

Backup Quarterback Doug Pederson beschrieb den Anruf und die Weitergabe der Nachricht an seinen QB1 Brett Favre später als den schwersten Anruf, den er je führen musste.

Favre bat mich um die Möglichkeit, mit dem Team zu sprechen und erklärte: „Ich will Euch Jungs nur wissen lassen, dass ich spielen werde. Mein Dad war ein Coach und würde wollen, dass ich spiele.“

Laut Andrew Brandt gab es kein trockenes Auge bei diesem Meeting…

 

Mein Wettdebakel

Als ich damals erfahren hatte, dass Brett Favre trotzdem gleich am nächsten Tag spielen will, habe ich auf die Raiders gesetzt. Mein Gedankengang war einfach: Ich persönlich hätte in der Situation null Interesse an dem Spiel mehr gehabt und hab das so auf Brett Favre projeziert.

I was wrong. Wrong. Wrong. Wrong. Wrong.

Ich kann nicht mehr sagen, wie viel Geld mich das Spiel gekostet hat, aber es war eine wertvolle Lektion…

 

Die Übertragung – Monday Night Football

Wer das Spiel auch noch einmal (ohne Werbung) komplett sehen will – bei YouTube gibts die zwei Stunden:

Das damals beste Kommentatorenduo überhaupt, Al Michaels (bevor er im Austausch für Oswald the Lucky Rabbit von ABC zu NBC getradet wurde) und John Madden begleiteten gemeinsam mit Lisa Guerrero die Partie. 

Lisa Guerrero sagte mir überhaupt nichts, als ich die Partie jetzt angesehen habe – und das aus gutem Grund: Sie verließ damals die „Best Damn Sports Show Period“ (die ich auch ganz ok fand), um Sideline Reporterin in der Monday Night Crew zu werden. Das Experiment wurde nach einem Jahr beendet und seitdem ist sie „Investigativkorrespondentin für das Newsmagazin Inside Edition„. Auch das sagte mir nichts. Auch aus gutem Grund wahrscheinlich.

Natürlich war hier die Entscheidung von Brett Favre aufzulaufen debenfalls as bestimmende Thema. Und beide Kommentatoren freuten sich inständig mit Brett Favre bei dessem letztendlich besten Spiel seiner langen Karriere:

Beim ersten Touchdownpass zu Wesley Walls: „Brett Favre just throws a perfect pass“ (John Madden)

Beim zweiten Touchdownpass – diesmal zu Javon Walker: „Holy Moly – this guy is something!“ (John Madden)

„Das ist therapeutisch – er ist on fire!“ (Al Michaels)

Lustig fand ich auch die Erwähnung eines Erdbebens mit 6,5 auf der Richterskala am Vortag, als Madden zunächst meinte, dass er das wohl im Mittagsschlaf verpasst hatte.

Brett Favre zeitverzögert MNF

Bis zur Halbzeit hatte Brett Favre über 300 Yards und vier Touchdowns erworfen. Die Partie war entschieden.

Lisa Guerrero fragte Raiders Head Coach Callahan in der Halbzeitpause, wie man Brett Favre stoppen könnte und seine zwei Wochen später folgende Entlassung passte zu seiner Antwort: „Lisa, ich habe absolut keine Ahnung.“

Ach ja: Brett Favre spielte an dem Tag auch noch mit einem gebrochenen Daumen an seiner Wurfhand. Und wahrscheinlich unter dem Einfluss starker Schmerzmittel, aber seine Abhängigkeit diesbezüglich ist eine andere Geschichte.

Insgesamt bediente Favre elf verschiedene Receiver in dem Spiel und kam auf 399 Yards, vier Touchdowns und ein fast perfektes Passer Rating (154,1). Natürlich wurde er zum Offensivspieler der Woche gewählt.

Amy Trask, damals im Management der Raiders tätig, und im oben genannten Podcast Interviewerin von Andrew Brandt, schwärmte begeistert von ihren Fans:

„Da war so etwas Magisches in Bretts Spiel.“

„Sie haben Brett Standing Ovations im Black Hole gegeben, als er Touchdowns gegen uns erzielt hat. Obwohl Ihr uns niedergemacht habt, haben sie das anerkannt, was er durchmachen musste. Er hat Pass auf Pass auf Pass angebracht. Ich habe geweint, als ich unsere Fans Brett anfeuern habe hören.“

Brett Favre MNF

Ich weiß nicht, ob Al Davis damals Brett Favre auch angefeuert hat. Aber das Bild wird auf jeden Fall dank der grandiosen Frisuren hängen bleiben bei mir…

Ansonsten war mir das Spiel eine Lehre, auch wenn – oder vielleicht weil – eine Leere im Wettkonto entstanden ist.

Geschah mir Recht.

Andrew Brandt hat das Schlusswort:

„Bälle fielen aus dem Himmel und in die Hände von Donald Driver, Javon Walker, Wesley Walls und anderen!“

Vielleicht war ja ein bißchen „Hilfe von oben“ mit im Spiel bei Brett Favre …


Favre MNF 2003A propos John Madden – die 21er Edition mit Lamar Jackson auf dem Cover lässt sich bereits vorbestellen (einfach aufs Cover klicken). Und mein Buch gibts natürlich auch noch zur Verkürzung der Wartezeit auf die neue Saison: HYPE TRAIN – eine emotionale Achterbahnfahrt mit den Cleveland Browns.

 

Ansonsten gibts die nächsten Tage voraussichtlich wieder einen #PODCArSTen

Bis dahin DANKE fürs Dabeibleiben!