London 2018 – Der Reisebericht

Trotz vieler Widrigkeiten im Vorfeld konnten wir uns dem Sirenengesang der NFL wieder nicht verschließen und sind erneut nach London geflogen. Wieder einmal – zum insgesamt 8. Mal in meinem Fall (musste noch zweimal nachzählen).

Wie im Vorjahr durfte ich in der Pressbox verweilen (danke an den Huddle), meine beiden Kumpels hatten normale Karten.

Tickets

London Wembley

Der Ticketverkauf war in diesem Jahr sensationell schlecht organisiert: Zunächst einmal wurden die (Einzel-)Karten erst am 01.05.18 in den Verkauf gegeben, was uns bei der Flug- / Hotelbuchung locker 50 % Aufschlag bescherte; die Jahre zuvor hatte man spätestens im Januar Sicherheit und konnte buchen.

Durch die Reduzierung von 4 auf 3 Spiele und den florierenden Schwarzmarkt (die Beteuerungen der NFL, dass sie dagegen vorgehen, kann man nur mit einem müden Lächeln kommentieren) waren die Spiele im Handumdrehen ausverkauft. Glücklicherweise konnten wir „innerhalb der #ranNFL Timeline“ noch fündig werden, sonst wären meine beiden Begleiter zwangsweise zuhause geblieben. Mein Aufstehen nachts um 04:00 Uhr in Oklahoma City zum Vorverkaufsstart war nämlich nur mit einem ständigen Verweilen in der Warteschleife belohnt worden.

Der Versand erfolgte dann auch erst eine Woche vor dem Spiel, was in unserem Fall reichte, aber es soll ja Leute geben, die für ein paar mehr Tage nach London fahren wollen.

Kurz zusammengefasst: Kein Ruhmesblatt für die NFL und einer derart mächtigen Organisation absolut unwürdig. Aber ich wiederhole mich da gern: Das kommt davon, wenn man sowas die Praktikanten planen lässt.

Wembley London Titans ChargersEin Kollege von mir musste ein Ticket vergangene Woche wieder loswerden, was angesichts der Phalanx der Schwarzmarkthändler an der Bahnstation Wembley überhaupt kein Problem war.

Auf dem Bild, das ungefähr die Hälfte der Treppenbreite markiert, hab ich die mal markiert; später sind wir auf dem ca. 400 m langen Weg zum Stadion noch x-mal angesprochen worden. Aber die NFL geht ja dagegen vor.

Yeah, right.

So oder so schafften es am Ende dann auch 84.301, dabei zu sein.

Die Anreise

London Wembley Titans ChargersDie hatte es in sich: Ryanair hatte bereits 45 Minuten Verspätung vor dem Start, was angesichts unserer Reisezeit am späten Abend doch etwas nervig war.

Schlimmer aber: Durch die Verspätung, gepaart mit der Einreiseprozedur, verpassten wir den vorgebuchten Stansted Express vom Flughafen nach London. Den sollte man grundsätzlich relativ weit im Vorfeld buchen, damit er möglichst billig ist. Hatte ich … aber nicht bedacht, dass der nur bis 00:30 Uhr fährt (was bei unserer eigentlichen Ankunftszeit locker gereicht hätte). Ich kann berichten, dass er auch pünktlich abfährt – also zumindest nicht sieben Minuten später. Denn das hätte gereicht…

Am Nachmittag hatte ich mit einem Kumpel noch gewitzelt, dass ich die animierten Autos in google Maps noch nie gesehen hatte, in der späten Stansteder Nacht wurde bitterer Ernst daraus: Unsere erste Fahrt in einem Uber. Wie ich den Fahrer fast in den Wahnsinn getrieben hätte, gibts dann in #PODCArSTen14 zu hören. Sagen wir so: Es lief nicht ganz reibungslos, aber das wäre bei mir auch schon fast ein Wunder.

Letztendlich doch „schon“ nachts um 03 Uhr am GameDay im tollen Clayton Crown Hotel (wirklich!) eingecheckt. Nachdem wir einigen sehr seltsamen Gestalten ausgewichen waren, konnten wir uns sogar noch ein paar Bier in einem 24 h Kiosk gegenüber leisten. War ja eh schon spät.

Alles war gut.

Endlich.

Das „Tailgating“

Wie ich bereits mit Tim vom German Titans eV in Folge 13 von #PODCArSTen besprochen hatte, hat der hier Tailgating genannte Eventbereich nichts mit dem amerikanischen Tailgating zu tun.

Wembley London Chargers titansHier geht es um Merchandising, Fressbuden und ein bißchen Show rund um den Football. Im Gegensatz zum Vorjahr hatte sich – wohl baustellenbedingt – diesmal auch eine Änderung ergeben: Die Bühne vor dem Civic Center im Nordwesten des Stadions gab es nicht mehr, stattdessen fand alles im „Tailgating“-Bereich im Nordosten statt. Der war mit x Durchleuchtmaschinen gesichert (wenn ich eine Zeitmaschine hätte, würde ich so 3-4 Jahre zurückreisen und in einen Durchleuchtmaschinenhersteller investieren…) und sehr, sehr voll.

Nachdem ich mit meinem Rucksack nach längerem Anstehen noch auf die andere Seite zum Akkreditierungsbereich gesollt hätte, habe ich das ausgelassen. Mein Kumpel meinte zusammenfassend, dass es sehr unübersichtlich war, weil es keine zentrale Bühne gegeben hätte.

Ich hatte jedenfalls nicht den Eindruck, dass ich irgendetwas verpasst hätte.

London

Das steht erst heute (Montag) auf dem Programm. Für einen halben Tag.

Aber wir sind ja wegen des Footballs hier 🙂

 

Das Stadion

Wembley fühlt sich für mich mittlerweile wie ein alter Bekannter an. Kein Wunder: Mittlerweile war es das neunte Mal, dass ich hier zu Gast sein durfte (achtmal Football, einmal Stadionführung im alten Wembley 1998).

Trotzdem bin ich jedes Jahr aufs Neue überrascht, wie viele Kräne noch dazukommen können.

Und Hotels.

Und Baustellen.

Die Endvision gibt es auch in der Galerie zu sehen. Ein wirklich tolles Bild kriegt man dann vielleicht noch mit einer Drohne, ansonsten ist der ehemals schöne Blick auf das Stadion mit seinem Arch komplett zugebaut. Mit dabei auch ein Vergleichsbild aus 2008.

Mann, waren wir jung.

Die Hymnen

Die Hymnen sind für mich immer ein Gänsehautmoment und das war auch diesmal so. Im Gegensatz zum Vorjahr, wo an unserem London-Wochenende die Hymnendiskussion dank des US-Obertwitterers eskalierte, gabs diesmal keinerlei Kontroversen. Zumindest konnte ich niemand knien sehen (im Vorjahr war auch Jaguars Owner Shahid Khan unter den „Protestlern“).

Zunächst die US-Hymne, vorgetragen von Adrienne Ward, die anscheinend im Tina Turner Musical singt, aber kein Twitter hat (ich möchte den Hashtag #TwitterFürUweUndAdrienne einführen):

Gefolgt von der „God Save The Queen“ Variante, die gefühlt von mindestens 30.000 stimmlich begleitet wurde:

Das Spiel

Die Chargers waren im Vorfeld stark favorisiert, aber dann fiel kurzfristig RB Melvin Gordon aus – er hatte den Flug nicht vertragen. Ging mir ähnlich, aber da es meinen Fingern gut ging, war das kein großes Problem 🙂

Es hat jedenfalls gereicht, um noch am Flughafen schnell eine Wette auf Backup RB Austin Ekeler (über 55.5 Yards) abzusetzen, als der mögliche Ausfall von Gordon durch Adam Schefter mitgeteilt wurde. Die Uber-Fahrt musste ja wieder refinanziert werden, was sich am Ende auch halbwegs problemlos auszahlte.

Die Titans zuerst im Angriff, aber ein Field Goal erschien in diesem Drive fast ein bißchen zu wenig.

Der alte Mann Phil Rivers (ok – er ist jünger als ich und hat dafür 12-13 Kinder mehr), von mir vor 10 Jahren hier schon einmal gegen die Saints gescoutet, zeigte, wie es explosiver geht: Sofort ein 75 Yard Touchdown Pass im ersten Versuch.

Noch im ersten Viertel legten die Chargers ein Field Goal aus 29 Yards oben drauf. Bis dahin wenig von den Titans zu sehen, aber auch die schafften zu Beginn des 2. Viertels wenigstens noch ein Field Goal. Dabei blieb es aber, obwohl die Titans noch einmal in die RedZone der Chargers kamen.

Dort sorgte Titans QB Mariota für Begeisterung, allerdings auf der falschen Seite:

Seine erste Interception in 41 Karrieretrips in die RedZone. Und wir durften dabeisein.

Wahnsinn.

Zu Beginn der 2. Hälfte packte Philipp Rivers gleich noch einmal einen weiten Pass aus und fand den völlig freien Mike Williams … diesmal „nur“ für einen 55 Yards Touchdown. Anscheinend muss der old man Rivers einfach nur ausgeruht sein. 17:6 Chargers.

Für den Anschlusstouchdown von Derrick Henry verlegte man dann glücklicherweise direkt zu uns:

Die Explosivität der Chargers ging immer mehr verloren, aber zumindest reichte es noch für ein Field Goal zum 20:13 zu Beginn des Schlussabschnitts.

In der letzten Minute schafften die Titans einen Touchdown zum 20:19 und jedermann erwartete den Extrapunkt, der die Verlängerung erzwungen hätte.

Head Coach Mike Vrabel entschied sich jedoch für die Two-Point-Conversion; umstritten, aber seine riskanten Manöver hatten sich zurückliegend auch schon ausgezahlt.

Diesmal allerdings nicht: Der Versuch scheiterte und die Chargers konnten mit einem „W“ nach Hause fliegen. Das engste London Spiel seit vielen, vielen Jahren.

Ich hatte mich danach für den Umkleideraum der Titans entschieden, weil ich unbedingt LB Correa interviewen wollte, der im Vorjahr ebenfalls in Wembley (mit den Ravens gegen die Jaguars) gespielt hatte.

Bei den Chargers sah es wohl so aus:

Bei den Titans war es naturgemäß wesentlich weniger euphorisch. Ich konnte mir dann noch Kicker Succop, Punter Kern und eben Linebacker Correa schnappen – und typisch europäische Fragen stellen 🙂

Anschließend ging es wieder in den Presseraum für den Spielbericht zu den Eagles, RedZone am Medien-TV und danach ins Hotel für den Spielbericht zu den Cowboys. Der GamePass war hierbei überragend – sogar in der Metro zurück funktionierte er, um die Overtime zwischen Buccs und Browns zu verfolgen.

Legendär und jeden Cent wert!

 

Das Schlusswort

Wieder einmal ein hervorragender Auswärtstrip, auch wenn er mit einigen Hindernissen kam. Aber das kenne ich ja nicht anders.

Nächste Woche wird es nichts bei mir @NFLUK … aber hoffentlich nächstes Jahr! Dann auch gern wieder mit einer problemloseren Anreise.

Und bestimmt wieder mit mit Giovanni vom italienischen Huddle 🙂

Ciao und Danke an alle, die mich bei diesem Trip – real oder virtuell – begleitet haben sowie wie immer an Johannes vom RANDBREITENverlag fürs Korrekturlesen!

 

 

4 Gedanken zu „London 2018 – Der Reisebericht

  • 22. Oktober 2018 um 18:07
    Permalink

    Sauber Carsten!
    Schade, dass ich nicht dabei war.
    Dafür bin ich nächstes Jahr wieder mit am Start 😉

    Antwort
    • 23. Oktober 2018 um 10:00
      Permalink

      Danke!

      Bist vorgemerkt 😉 ! Wobei es Josh ohne Dich sehr viel billiger fand 🙂

      Antwort
      • 23. Oktober 2018 um 17:37
        Permalink

        Top!

        Haha 😀 aber bestimmt auch ein kleines bisschen langweiliger.
        Zudem hat ja ein 4. Mann gefehlt 😉

        Antwort
        • 23. Oktober 2018 um 22:58
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          Es hat quasi auch ein 3. gefehlt – sein Bruder kann kein Schafkopf 🙂
          Langweiliger im Sinn von weniger-gefährlich triffts auf jeden Fall 😉

          Antwort

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